Lilienberg

Future Skills: Bildung zwischen Wandel & Verantwortung

🗯️ Werkplatz Schweiz: Welche Kompetenzen braucht die Zukunft?

Die Schweizer Wirtschaft gilt als Synonym für Präzision, Qualität und Innovationskraft. Doch durch Digitalisierung, KI und gesellschaftliche Umbrüche werden auch bewährte Erfolgsmodelle infrage gestellt. Was ist ein Diplom in fünf Jahren noch wert? Welche Fähigkeiten entscheiden künftig über berufliche Entwicklung, gesellschaftliche Teilhabe und unternehmerische Verantwortung?

Diesen Fragen widmete sich das Lilienberg-Gespräch «Werkplatz Schweiz: Die Kompetenzen der Zukunft» mit Reto Ammann, Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär des SBW Haus des Lernens.

Ammann führte gleich zu Beginn weg von der klassischen Frage, wie Bildung einzelne Fächer besser vermitteln kann. Für ihn liegt die entscheidende Herausforderung tiefer: Bildung müsse sich stärker damit auseinandersetzen, in welcher Zukunft sie überhaupt stattfindet. In einer Welt, die volatiler, unsicherer und komplexer geworden ist, reiche reine Wissensvermittlung nicht mehr aus. Im Zentrum des von ihm vorgestellten Bildungsverständnisses steht der individuelle Werdegang des Menschen. Jugendliche – aber auch Mitarbeitende – sollen sich mit der Frage auseinandersetzen dürfen: «Wovon träumst du?» Aus dieser Perspektive entsteht Bildung nicht primär entlang standardisierter Abläufe, sondern rund um persönliche Entwicklung, Verantwortung und Resonanz.

Warum Wissen allein nicht mehr reicht

Ein besonderer Fokus des Abends lag auf den sogenannten Future Skills. Das SBW Haus des Lernens hat dazu bereits 2014 ein eigenes Konzept entwickelt. Es umfasst sechs Kompetenzfelder: Leidenschaft, Resilienz, globale Identität, Nachhaltigkeit, mutiges Handeln ausserhalb gewohnter Denkmuster sowie Unternehmertum. Gerade Resilienz, so Ammann, lasse sich nicht nur über Scheitern und Belastung entwickeln. Widerstandsfähigkeit könne auch aus der eigenen Stärke entstehen – aus Passion, aus Herausforderungen, aus dem ernsthaften Verfolgen eines persönlichen Ziels. Wer lernt, an einer eigenen Leidenschaft zu wachsen, lernt auch, mit Grenzen, Rückschlägen und neuen Anforderungen umzugehen. Auch der Begriff der Identität spielte eine zentrale Rolle. Erst wer sich selbst kenne, könne offen auf die Welt zugehen. Für Ammann ist diese «Reise ins Ich» eine Voraussetzung für echte Offenheit gegenüber dem Fremden, Neuen und Unbekannten. In einer Zeit, in der einfache Antworten oft attraktiver erscheinen als differenziertes Denken, wird diese Fähigkeit zunehmend bedeutsam.

Mut, Resilienz und Eigenverantwortung als Zukunftskompetenzen

Mit Blick auf den Werkplatz Schweiz wurde deutlich: Die Zukunft verlangt nicht nur technologische Anpassung, sondern auch kulturelle Beweglichkeit. Kreativität, Eigenverantwortung, unternehmerisches Denken und die Bereitschaft, bestehende Muster zu hinterfragen, werden zu Schlüsselkompetenzen. Nicht «Thinking outside the box» allein sei entscheidend, sondern «Acting outside the box» – also der Mut, tatsächlich neue Wege zu gehen.

Das Gespräch zeigte eindrücklich, dass Bildung weit mehr ist als Vorbereitung auf Prüfungen oder Abschlüsse. Sie ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Menschen in einer brüchigen, unsicheren und von KI geprägten Welt handlungsfähig bleiben. Und sie ist damit auch ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit des Werkplatzes Schweiz. Der Abend auf dem Lilienberg machte sichtbar: Die Kompetenzen der Zukunft entstehen dort, wo Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für andere und für die Welt, in der sie leben.

Einen herzlichen Dank an Reto Ammann für den Vortrag im Lilienberg. Die Gäste haben gespannt zugehört und in der anschliessenden Runde wurden wie immer von unseren Gäste spannende Fragen gestellt, was zu einem lebhaften Dialog geführt hat.

Wir danken ebenso Andreas Jäggi für die Moderation dieses Lilienberg Gesprächs! Wie immer ein fantastischer Abend mit einem tollen Gast und einem hochinteressanten Thema. Danke Andreas!