Wenn Dokumente Antworten geben
Frühstückstalk mit Janic Geiser zu Gemini Notebook.
Sich von einer KI vorstellen lassen: So startete Janic Geiser, Lead Innovation & AI und Mitgründer der Fruitjuicer AG, in den Morgen auf dem Lilienberg. Er hatte Gemini Notebook mit seinem Lebenslauf und Informationen über die Fruitjuicer AG gefüttert. Daraus entstand per Knopfdruck ein Vorstellungsvideo über ihn selbst. Ein eindrücklicher Einstieg in ein Thema, das im Büroalltag vieler Unternehmen angekommen ist.

Vom Reglement zur Einführung für neue Mitarbeitende
Wie aus verstreuten Dokumenten nutzbares Wissen wird, zeigte Janic Geiser an mehreren Live-Beispielen. Aus dem Personalreglement und öffentlich verfügbaren Informationen entsteht mit ein bis zwei Klicks eine Einstiegspräsentation für neue Mitarbeitende: Arbeitszeit, Ferien, Zeiterfassung, alles verständlich aufbereitet. Wer es lieber visuell mag, lässt daraus eine Infografik erstellen, die sich ausdrucken und auf den Tisch legen lässt. Format, Stil und Detailgrad lassen sich dabei wählen. Die Ergebnisse können als PDF, als Datei oder direkt als PowerPoint heruntergeladen und weiterverwendet werden.
Besonders nützlich: Das Werkzeug macht sichtbar, wenn sich Quellen widersprechen. Wer sein eigenes Reglement mit den gesetzlichen Vorgaben abgleicht, sieht rasch, ob beides zusammenpasst. So lassen sich falsche Informationen vermeiden oder zumindest erkennen.
Künstliche Intelligenz ersetzt keine Kompetenz, sie verstärkt sie.
Janic Geiser
Ein Notebook als Wissensbasis für Führungskräfte
Ein weiteres Beispiel war ein HR-Notebook für Verantwortliche im Thurgau. Wer ein Unternehmen führt, hat Personalführung und Arbeitsrecht oft nicht gelernt, sondern on the Job erworben. Im Notebook liegen deshalb sorgfältig ausgewählte Quellen: Dokumente zum Obligationenrecht, Seiten des Kantons Thurgau und sogar YouTube-Videos, deren Inhalte ebenfalls ausgewertet werden. Wer eine Person anstellen möchte, findet hier rasch die relevanten Punkte, etwa zu Arbeitsbewilligung, Quellensteuer und Sozialversicherung. Eine Mind Map hilft bei der Orientierung, ein automatisch erstelltes Quiz festigt das Gelernte. Entscheidend ist, dass die Quellen vorab geprüft wurden. Nur dann lässt sich den Antworten vertrauen.

Weitere Anwendungen im Alltag
Neben Präsentationen, Infografiken und Mind Maps zeigte Janic Geiser, dass sich aus den Quellen unter anderem auch ein Podcast erstellen lässt, in dem mehrere KI-Stimmen über die Inhalte diskutieren. Solche Podcasts lassen sich als MP3 herunterladen und unterwegs anhören.
Im Alltag nutzt Janic Geiser das Werkzeug auch für Kundentermine und Workshops. Gespräche werden aufgenommen und transkribiert, inklusive Erkennung der Sprechenden. Das Transkript wandert ins Notebook, und daraus entsteht zum Beispiel eine Roadmap, die sich direkt an Kundinnen und Kunden schicken lässt. Sein Fazit: Seit er sich nicht mehr alles notieren muss, kann er den Gesprächen wieder wirklich zuhören.
Datenschutz: Gratis oder Team?
Ein wichtiger Punkt war der Umgang mit Daten. Bei der Gratisversion können hochgeladene Inhalte zum Training des Modells verwendet werden, was nicht DSGVO-konform ist. Bei den bezahlten Varianten wie dem Team-Abo ist das laut Anbieter nicht der Fall. Das Team-Abo bewegt sich im Bereich von rund 15 bis 20 Franken pro Monat. Bei der Fruitjuicer AG gilt zudem: Gesundheits- und Lohndaten werden nicht hochgeladen. Für erste Experimente und Themen ohne vertrauliche Inhalte lässt sich die Gratisversion jedoch problemlos nutzen.
Gute KI-Nutzung ist gute Führung
Wie ein Sprachmodell funktioniert, zeigte Janic Geiser mit einem kleinen Experiment: Er begann einen Satz mit «Sehr geehrte Damen und», und der ganze Saal ergänzte «Herren». Genau so arbeiten die Modelle: Sie haben Sprache gelernt, nicht Wissen. Je klarer die Anforderung, desto besser das Resultat. Sein Schluss: Gute KI-Nutzung beruht auf Führungsqualität und klarer Kommunikation, und die bringen viele im Saal längst mit. Technisches Vorwissen braucht es dafür nicht, wohl aber ein gutes Verständnis des eigenen Fachs.

Fragen aus dem Publikum
Die Fragerunde zeigte, wie praxisnah das Thema ist. Ein Teilnehmer erzählte, er sei mit KI bisher nie richtig warm geworden. Dafür habe er über viele Jahre unzählige handgeschriebene Notizen mit einem riesigen Erfahrungsschatz auf seinem PC gesammelt. Janic Geiser zeigte auf, dass sich genau dieses Wissen in einem Notebook bündeln und danach gezielt abrufen lässt. Wer etwas vergessen hat, fragt einfach nach. Wird ein Google-Drive-Ordner als Quelle angebunden, passt sich das Notebook automatisch an, sobald neue Dokumente hinzukommen. So entsteht eine einzige Oberfläche für das gesamte eigene Wissen.
Auch das Arbeiten im Team war ein Thema: Notebooks und ganze Sammlungen lassen sich für einzelne Mitarbeitende freigeben. Wer selbst starten möchte, findet Gemini Notebook, indem er einfach danach sucht.
Herzlichen Dank an Janic Geiser für den praxisnahen Impuls und an alle Gäste fürs frühe Aufstehen. Beim anschliessenden Frühstück blieb viel Zeit für persönliche Fragen und den Austausch.