Konzert-Nachbericht
Max Eisiges Tacheles
Ein Abend mit Musik aus der Diaspora
Was mit Vertreibung und Unterdrückung begann, führte in der Musikgeschichte oft zu den schönsten Melodien. So verdanken wir der Diaspora den Blues und Swing, Samba, Tango, den Klezmer und die Musik der Sinti und Roma. Genau dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch einen Abend, der noch lange nachklingen wird.
Begrüsst wurden die Gäste von Martin Staub, der die Musik des Abends treffend als eine Art Heimwehmusik beschrieb: Entstanden in der Diaspora, von vertriebenen Sinti und Roma sowie jüdischen Komponistinnen und Komponisten. Und welches Instrument, so Staub, könnte Heimweh und Sehnsucht besser ausdrücken als die Violine mit ihrem unverwechselbaren, vibrierenden Klang.

Max Eisinger und seine Formation Tacheles bescherten dem Publikum ein Konzert der Extraklasse. Virtuos, berührend und mit einer Leichtigkeit, die schwer zu vergessen ist. Die Violine – jenes Instrument, das wie kein anderes die herzzerreissenden und gleichzeitig humorvollen Geschichten der Heimatlosen zu erzählen weiss – stand im Mittelpunkt eines Programms voller musikalischer Weite.
Klezmer, Gypsy Jazz, Swing – Musik, die aus dem Schmerz der Entwurzelung entstand und daraus eine Schönheit machte, die Grenzen und Generationen überdauert.
Stimmung des Abends
Eisinger führte das Publikum mit Wärme und Erzählfreude durch den Abend. Er erzählte von Django Reinhardt und wie dieser den Gypsy Jazz für die Welt zugänglich machte. Er erinnerte an Fritz Kreisler, der trotz eines persönlichen Angebots von Dirigent Wilhelm Furtwängler auf seine Bühnenrechte verzichtete – aus Solidarität mit allen jüdischen Musikerinnen und Musikern. Und er liess mit Giora Feidman das Klezmer-Repertoire aufleben, das weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus wirkt. Geschichten, die berühren und die Musik noch tiefer werden liessen.


Ein besonderer Moment gehörte dem Soloauftritt: Eisinger bat das Publikum spontan um vier Stichwörter für eine Live-Improvisation. Herein kamen kalt, pink, überleben und Swing. Was folgte, war ein improvisiertes Stück, das aus dem Nichts und doch aus allem entstand. Das Publikum war atemlos dabei.

Standing Ovations, anhaltender Applaus und eine herzliche Zugabe. Die Gäste wollten diesen Abend schlicht nicht enden lassen. Ein langer, positiver Konzertabend, der in jeder Hinsicht hielt, was er versprach.

Die Band
Ein herzliches Dankeschön gilt Max Eisinger und seiner gesamten Band für diesen unvergesslichen Abend. Ebenso gilt unser Dank allen Gästen, die dieses Konzert durch ihre Anwesenheit und ihre Begeisterung zu etwas ganz Besonderem gemacht haben.

