Revue de Cuisine – Musik, Wortwitz und Küchengeräte
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🎻 «Revue de Cuisine» begeistert mit feiner Ironie.
Mit diesem ebenso absurden wie charmanten Konzert, bot unser Kulturprogramm im Dezember einen genussvollen Streifzug durch Musik, Sprache und Zeitgeist der 1920er Jahre. Augenzwinkernd, pointiert und mit spürbarer Spielfreude verband sich Bohuslav Martinůs ironische Ballettmusik mit humorvollen Texteinschüben zu einem Erlebnis, das Ohr und Fantasie gleichermassen forderte – und das Publikum sichtlich erfreute.
Zum Auftakt begrüsste Martin Lucas Staub, der künstlerische Leiter der Lilienberg Kultur, das zahlreich erschienene Publikum und stimmte auf einen Abend ein, der beweisen sollte, wie lebendig und unterhaltsam klassische Musik sein kann, wenn sie mit Witz und theatralem Gespür präsentiert wird. Schon bald formierte sich auf der Bühne ein Orchester en miniature.
Im Zentrum des Abends stand Martinůs «Revue de Cuisine», ein Werk, das im Paris der wilden Zwanzigerjahre entstand und den Zeitgeist jener Epoche in grell-ironischen Tänzen einfängt. Marsch, Tango und Charleston folgten einander in raschem Wechsel, getragen von einem spitzen, transparenten Ensembleklang. Die eigentlichen Protagonisten dieser musikalischen Küchenschlacht – Topf, Deckel, Schneebesen, Geschirrtuch und Besen – wurden durch die pointierte Erzählkunst von Schauspieler Graham F. Valentine lebendig. Mit trockenem Humor, feinem Timing und sichtlicher Lust am Absurden trug er die Texte des schottischen Schriftstellers Ron Butlin vor und verknüpfte sie eng mit dem musikalischen Geschehen.
Bereits in der ersten Programmhälfte wurde das Zusammenspiel von Musik und Text erprobt: Antonín Dvořáks berühmtes «Dumky-Trio» entfaltete seine ganze emotionale Spannweite zwischen Melancholie und überschäumender Lebensfreude. Zwischen den einzelnen Sätzen entspann Graham F. Valentine eine weitere surreale Geschichte aus der Feder Ron Butlins – eine ebenso kenntnisreiche wie humorvolle Annäherung an Dvořáks Weg zur eigenen musikalischen Identität. Die Erzählung über Tauben, Eisenbahnen, Bier und den rettenden Rückgriff auf die tschechische Volksmusik sorgte für schmunzelnde Zustimmung im Saal und liess Musikgeschichte überraschend menschlich erscheinen.
Das Publikum liess sich bereitwillig mitnehmen: Lachen, gespannte Stille und spürbare Aufmerksamkeit wechselten sich ab. Die Musikerinnen und Musiker überzeugten nicht nur durch technische Präzision, sondern durch sichtbare Lust am gemeinsamen Erzählen. Temposteigerungen, bewusste Pausen und feine dynamische Abstufungen waren präzise gesetzt und verstärkten die Wirkung der Texte.
So entstand ein Abend, der weit mehr war als ein klassisches Konzert: eine intelligente, humorvolle Inszenierung, die Musik und Sprache auf Augenhöhe zusammenführte. «Revue de Cuisine» zeigte eindrücklich, wie unterhaltsam und zugleich anspruchsvoll Musikvermittlung sein kann – und dass das Lilienberg Kulturprogramm um eine weitere facettenreiche Attraktion reicher geworden ist. Der langanhaltende Applaus bestätigte: Dieses Rezept ging vollends auf.