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Vom kleinen Unternehmer in die nationale Liga der Verleger

30.11.2015

Peter Wanner hat ein bewegtes Leben. Als Student war er nicht selten in linken Kreisen anzutreffen. Später trennte er sich von der Szene. Heute steht er für eine liberale und weltoffene Politik ein. Als Verleger und Unternehmer vollzog er den Wandel vom Badener Tagblatt zur AZ-Medien mit dem Sender Tele Züri. Oft stand er vor heiklen Entscheiden.

Vom kleinen Unternehmer in die nationale Liga der Verleger
Peter Wanner (rechts) sprach mit Moderator Andreas Jäggi auf dem Lilienberg offen über seine Stärken und Schwächen.

Die Gäste des Lilienberg Gesprächs vom 25. November hätten Peter Wanner noch lange zuhören können. Moderator Dr. Andreas Jäggi musste die Fragerunde mit einem deutlichen «noch eine allerletzte Frage» beschliessen. Wanners Offenheit, seine persönlichen Äusserungen und sein Mut als Verleger der AZ-Medien überzeugten die Besucher. Nicht umsonst sagt die Fachwelt, Wanner spiele «in der Liga der nationalen Verleger».

Kenner der Branche richteten ihren Fokus auf die AZ-Medien, als diese 2011 von Tamedia den Fernsehsender Tele Züri für über 20 Millionen Franken übernommen hatte. Andreas Jäggi wollte wissen, ob sich diese Investition gelohnt habe. «Ja», kam es zögerlich von Peter Wanner, der Präsident des Verwaltungsrates der AZ Medienhaus AG ist. Er habe sich nur immer wieder gefragt, warum Tamedia den Sender eigentlich verkaufen wollte. Heute streben die AZ-Medien danach, die Marktanteile zu steigern, damit auch die Werbung zunehmen kann. Derzeit liegen die Marktanteile von Tele Züri bei 1,6 Prozent und TV 24 bei 0,6 Prozent. Laut dem Verleger muss der Marktanteil bei mindestens 2 Prozent liegen, damit die Produktion der Sendungen rentiert.

Neue Impulse erhofft sich der Verleger vom Newsportal Watson. «Lange mussten wir feststellen, dass wir im Online-Geschäft nicht vom Fleck kommen», sagte Peter Wanner, der sich selber als «Print-Menschen» bezeichnet. «Einen Fehler haben wir gemacht, weil wir als Print-Leute sehr lange dachten, wir wüssten auch im Online-Bereich Bescheid». 

Eine gewisse Zeit hatte sich Peter Wanner für die Basler Zeitung interessiert. Im Nachhinein ist er froh, dass er sie nicht übernommen hat. Der hohe Preis, Schulden und eine Pensionskasse mit finanziellen Problemen hielten ihn letztlich davon ab, bei der Basler Zeitung einzusteigen. Kollegen sagten ihm, er solle doch eine linke Zeitung in Basel aufbauen. Wanner winkte ab. Der Unternehmer steht für eine liberale, weltoffene Zeitung ein. Ökonomisch sei eine linke Zeitung nicht interessant, weil Inserenten ihre Werbung nicht in einem linken Blatt sehen möchten.

Kampf mit Kosten und Werbeeinnahmen

Als Unternehmer macht sich Peter Wanner nicht nur Gedanken zur Gegenwart, sondern er entwickelt langfristige Strategien für das Unternehmen. Das ist besonders in der Medienbranche wichtig, die sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt hat. Viele wichtige Werbeeinnahmen gingen den Printmedien verloren. Stattdessen wird immer mehr Geld für Online-Werbung im Internet investiert. Wanner erwähnte als Beispiele die Immobilien-Inserate und die Stellenanzeigen. «Wir haben Marktplätze verschlafen. Damit das nicht passiert, muss man die Entwicklung der Branche verstehen», sagte er. Er kann sich vorstellen, dass es einmal neue Plattformen für Inserate im Bereich der Jobs und Immobilien geben wird. 

Um ihre Kosten tief zu halten, gingen viele kleine Tageszeitungen dazu über, den «Mantelteil» von einer externen Redaktion zu beziehen; das ist ein separater Bund mit den Rubriken Politik, Wirtschaft, Ausland, Sport und Kultur. Gemäss Peter Wanner ist eine kleine Zeitung ohne diesen Mantelteil nicht überlebensfähig. Er geht davon aus, dass es in wenigen Jahren in der Schweiz nur noch zwei oder drei Redaktionen geben wird, die einen Mantelteil produzieren. Die Zeitungsvielfalt leidet unter dem Kostendruck, doch Wanner ist überzeugt: «Früher hatten wir mehr Zeitungstitel als heute, die Qualität der bestehenden Zeitungen hat indessen zugenommen.»

Paris, Niklaus Meienberg und entgangene Politkarriere

Mehr Zeitungstitel, die politisch breit gefärbt waren, gab es in den Sechziger Jahren, als Peter Wanner mit linken Kreisen liebäugelte. Er studierte in Paris politische Wissenschaft, beteiligte sich an Demonstrationen, hatte Kontakte zum Journalisten und Historiker Niklaus Meienberg und befasste sich mit dem Marxismus. Zurück in Basel distanzierte er sich von Marxens Lehre.

Wanner liess nichts aus und kandidierte zwei Mal als Nationalrat. Er sei selber schuld, dass die Wahl nicht glückte, sagte er offen und selbstkritisch. Das erste Mal habe er gedacht, dass er es als Quereinsteiger schaffen könnte. Er landete jedoch auf dem letzten Listenplatz und schaffte den Sprung nach Bern nicht. Beim zweiten Mal hätte er aus Zeitgründen nur Werbung gemacht und nicht das Gespräch mit den Stimmbürgern gesucht. Aus dem Misserfolg zog er trotzdem eine positive Bilanz. «Ich bin ganz froh, dass mir die Wahlen nicht gelangen, denn ich hätte für Politik in Bern gar keine Zeit gehabt.»

Peter Wanner erntete warmen Applaus, nicht zuletzt auch deswegen, weil er offen über seine Stärken und Schwächen sprach. Er dachte bei letzterem an die operative Führung, die von anderen Chefs besser gemacht werde und an die Informatik, von der er gerne mehr verstehen würde. Er sieht seine Pluspunkte in der Ehrlichkeit, in der strategischen Führung und kann sich auf sein Bauchgefühl verlassen. Intuition, Feingefühl und Sachwissen waren gefragt, als es um die Nackt-Selfies des Badener Stadtpräsidenten Geri Müller ging. Darauf angesprochen sagte Wanner: «Wir würden heute wieder ähnlich berichten wie damals, nur vielleicht in etwas gemässigterer Form.»  

139. Lilienberg Gespräch vom 25. November 2015 mit Peter Wanner, Verleger der AZ-Medien. Moderation: Dr. Andreas Jäggi, Leiter Aktionsfeld Medien & Kommunikation; Zusammenfassung: Bruno Fuchs.

Von der Volkszeitung zur AZ Medien

1836 gab Josef Zehnder, Ururgrossvater von Peter Wanner erstmals die Aargauer Volkszeitung heraus. Wenige Jahre später gründete er die erste täglich erscheinende Zeitung auf dem Platz Baden, aus der das heutige Badener Tagblatt hervorging. Die AZ Medien gingen 1996 aus dem Zusammenschluss der Medienhäuser Aargauer Tagblatt AG und Badener Tagblatt AG hervor. Fünf Jahre später wurde die Mittelland Zeitung gegründet, eine Kooperation der Aargauer Zeitung, der Solothurner Zeitung, des Oltner und Zofinger Tagblatts sowie der Limmattaler und der Basellandschaftlichen Zeitung. Ende 2011 übernahmen die AZ Medien die Regionalsender Tele Züri und Tele Bärn.

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