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Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo

14.06.2017

An der Schnittstelle von Flamenco und barocker Kunstmusik bewegte sich das Lilienberg Rezital vom 13. Juni. In zwangloser Manier präsentierte der Berner Cembalist Vital Julian Frey spanischen Flamenco aus dem 18. und 19. Jahrhundert und dazu drei Cembalo-Sonaten von Domenico Scarlatti, der viele Jahre in Spanien gelebt und sich von der traditionellen Gitarrenmusik inspirieren lassen hatte.

Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
Vital Julian Frey interpretierte auf seinem französischen Cembalo mit glühendem Temperament südeuropäische Tänze.

Das barocke Cembalo ist so etwas wie eine Tastengitarre und deshalb das perfekte Instrument, um den Flamenco zu interpretieren. Vital Julian Frey liess sich in seiner Künstler-Laufbahn immer wieder vom Gitarrenspiel und den spanischen Tänzen begeistern, die berühmte spanische Komponisten für die Gitarre und das Cembalo geschrieben hatten, und baute diese danach in seine eigenen Konzerte ein. So auch am Rezital im Juni, als er mit seinem vielfältigen Programm spanischer (Tanz)musik nicht nur Gastgeberin Susanne Rau-Reist und Moderator Andreas Müller-Crepon, sondern auch knapp 120 Lilienberg Mitglieder und weitere geladene Gäste erfreute. Gleichzeitig bewies der Tastenvirtuose aus dem Kanton Bern, dass ein barockes Instrument wie es das Cembalo ist noch lange nicht zum alten Eisen gehört und entstaubte somit dessen Image von der angeblich «alten» Musik.

Feuerwerk von spanischen Tänzen

Vital Frey fiel an diesem Abend durch eine natürliche Lockerheit und viel Charisma auf. Er zündete im Lilienberg Zentrum ein Feuerwerk der Extraklasse von südeuropäischen Tänzen und wandte sich zwischen den Stücken auch immer wieder wortgewandt ans Publikum.

Flamenco, Fandango und Buleria brachten in den Kompositionen von Isaac Albéniz, Félix Maximo Lopez und Padre Antonio Soler das Cembalo beinahe selbst zum Tanzen. Als Zuhörer hatte man das Gefühl, dass sich die drei Komponisten im Ausdruck der Lebensfreude gegenseitig zu übertrumpfen versuchten. Vital Frey jedenfalls interpretierte auf seinem zweimanualigen, mit Blättern und Vögeln wunderschön traditionell bemalten französischen Prachtsinstrument die Tänze nicht nur technisch souverän, sondern auch mit flamencoartiger Hingabe und unbändigem Temperament. Durch häufige und rasche Manualwechsel erreichte Frey eine erstaunliche klangliche Vielfalt. Das Cembalo wurde übrigens, so Frey auf Nachfrage des Moderators, vom Briten Andrew Garlick einem Modell von Jean-Claude Goujon (1749) nachgebaut.

Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
Vital Julian Frey lieferte im Gespräch mit Moderator Andreas Müller-Crepon spannende Zusatzinformationen zu den einzelnen Werken und zu seinem Instrument.

Dass neben den erwähnten Komponisten aus Spanien auch Bachs Zeitgenosse Domenico Scarlatti mit drei einsätzigen Sonaten sozusagen als roten Faden Aufnahme in Vital Julian Freys  Rezital-Programm gefunden hatte, mag auf den ersten Blick erstaunen. Auf den zweiten allerdings überhaupt nicht: «Scarlatti lebte viele Jahre in Sevilla, erzeugte den Grossteil seiner Werke – unter anderem 555 Cembalosonaten – am Königshof in Madrid und liess sich dabei stark von den spanischen Tänzen beflügeln», begründete der Cembalist. Scarlattis Begeisterung für die Musik der spanischen Zigeuner und der Flamencogitarre sei riesig gewesen, was in den von ihm geschriebenen, von feurigen Rhythmen geprägten Sonaten dann auch deutlich zum Ausdruck kam – etwa im beschwingten Allegro aus der Sonate in a-Moll K175. Das gezierte «Andante commodo» (Sonate in E-Dur K380) und das besinnliche «Adagio e cantabile» (Sonate in A-Dur K208) hingegen boten nach den rhythmisch intensiven Flamenco-Stücken sowohl dem Künstler als auch dem Publikum eine perfekte Gelegenheit, etwas herunterzufahren und zur inneren Ruhe zu gelangen.

Faszinierendes Zupfinstrument

Den krönenden Abschluss des Rezitals machte die zeitgenössische «Suite Flamenca» von Michio Woirgardt – ein virtuoser und sehr schwierig zu spielender spanischer Tanz, den Frey vor einigen Jahren beim heute 46-jährigen deutschen Flamencogitarristen und Komponisten selbst in Auftrag gegeben und ihm 2012 im Rahmen der «Murten Classics» auch zur Uraufführung verholfen hatte. Das Cembalo verwandelte sich dabei in den beiden Sätzen «A la luz de la vela» (Taranta-Taranto-Tango) und «Pregones» (Buleria) in ein faszinierendes Zupfinstrument – oder eben in eine spanische Flamencogitarre.

Den verdienten Applaus des Publikums für die erfrischende Aufführung auf einem hohen Niveau und für die häppchenweise eingestreuten Hintergrundinformationen zu den einzelnen Werken quittierte Vital Frey mit den berühmten und verträumten «Barricades Mystérieuses», einer Cembalo-Komposition von Franҁois Couperin.

Lilienberg Rezital vom 13. Juni 2017 mit Vital Julian Frey (Cembalo); Gastgeberin: Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Susanne Rau-Reist; Moderation: Andreas Müller-Crepon.

Der Künstler

Vital Julian Frey begann seine musikalische Ausbildung als Achtjähriger. Seine Studien führten ihn an die Musikhochschulen von Freiburg im Breisgau und München. Der Thuner Kulturförderpreis, der Förderpreis der Orpheus-Konzerte und das Diploma di Merito der Accademia Musicale Chigiana in Siena standen am Beginn der Karriere des heute 38-Jährigen.

Mittlerweile hat Frey bei vielen Veranstaltern und Festspielen gastiert – erwähnt seien das Lucerne Festival, das Menuhin Festival in Gstaad, das Bachfest Leipzig, «Les Muséiques» in Basel, das Mozartfest Würzburg oder der MDR Musiksommer. Heute leitet er selbst als Intendant ein Festival: die Bachwochen Thun. «Dies gibt mir die Möglichkeit, künstlerisches Talent und unternehmerische Qualitäten ideal miteinander zu verknüpfen», so Frey, dessen Grossvater Hans Rychiger ein «Unternehmer mit Herzblut» gewesen sei.

Immer wieder gibt Vital Julian Frey Gesprächs- und Kinderkonzerte: Mit seinen Workshops, die er bei Konzerten anbietet, hat er vielen Kindern einen neuen Zugang zum Cembalo geschaffen. Überdies sucht er den Brückenschlag zu anderen Künsten. 2008 erschien seine Debut-CD «The Italian Connection» mit italienischen Instrumentalkonzerten in der Transkription für Cembalo solo von Bach. Sein aktuelles Projekt «Experiencia Flamenca» umfasst spanische Musik für Cembalo im Zusammenspiel mit einer Flamenco-Tänzerin; dazu gehört auch eine eigens für ihn komponierte Suite Flamenca.

Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
Spanische Flamenco-Musik auf dem Cembalo
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