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Neurofeedback statt Medikamente: Gezieltes Training soll ADHS-und Tinnitus-Patienten helfen

07.09.2017

Im vergangenen Juni lud die Regionalgruppe Thurgau ihre Mitglieder zu einem kulinarischen Genuss ins Bistro Giusi`s nach Weinfelden ein. Vorab präsentierte Anja Hussong, Inhaberin der  «konzentriert GmbH» in Weinfelden einen Genuss der kognitiven Art. Zum Thema Neurofeedback verkabelten sich die Synapsen der Zuhörer neu.

Neurofeedback statt Medikamente: Gezieltes Training soll ADHS-und Tinnitus-Patienten helfen
Anja Hussong lieferte den Mitgliedern der Regionalgruppe Thurgau einen fundierten Einblick in die Welt der Gehirne, der Forschung und der Praxis.

Neurofeedback, so vermuten viele, sei eine neue Methode aus der Wissenschaft. Dieser Schein trügt. Zwar erleben Forschung und Anwendung des Neurofeedbacks gerade ihren zweiten Frühling, dies ist jedoch der Technik geschuldet. Dort, wo früher Rechner eines EEGs (ElektroEncephaloGramm) ganze Räume belegten, reicht heute ein, wenn immer noch unabdingbar sehr schneller Prozessor eines Laptops aus, um die Gehirnströme mittels EEG abzuleiten. Durch diesen immensen Fortschritt der Technik ist es heute möglich, die universitären Forschungen in eine Praxis wie «konzentriert GmbH» zu bringen.

Neurofeedback ist eine Art des Biofeedbacks. Es werden Elektroden am Kopf angebracht und Gehirnströme gemessen. Diese Gehirnströme werden von einer Software in ihre einzelnen Frequenzbänder aufgeschlüsselt. Es werden sehr langsame bis sehr schnelle Frequenzen 0,1 - 44 Hz unterteilt. An jeder gemessenen Elektrode sind alle Frequenzbänder messbar. Ausschlaggebend ist die prozentuale Verteilung der Frequenzen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass im Hinterkopf vermehrt langsame Frequenzen angesiedelt und nach vorne ziehend die schnelleren Frequenzen zunehmen.

«Das Gehirn wird zu dem, wie wir es benutzen», erklärte die Referentin mehrfach. Stressen wir das Gehirn dauerhaft, verändern sich langfristig auch die prozentualen Frequenzbänder an verschiedenen Positionen. Schliefen wir über einen längeren Zeitraum nächtlich nur noch vier Stunden, obwohl wir acht Stunden Schlaf zur Regeneration brauchen, liesse sich diese Gehirnbehandlung im EEG auslesen. Nebst der Tatsache, dass diese Person uns klar schildern würde, dass sie sich gestresst, unausgeruht und kraftlos fühle.

Die grösste Studienlage bei der Behandlung mit Neurofeedback liegt zum Thema ADHS / ADS vor. Zahlreiche Studien wurden mit einer hohen Anzahl Probanden durchgeführt, die klar belegen, dass eine Behandlung von ADHS / ADS mit Neurofeedback gleich erfolgreich zu betrachten ist wie die Behandlung mit Medikamenten. Deutlich besser schneidet Neurofeedback gegen Medikamente punkto Nachhaltigkeit ab.

Anja Hussong berichtete aus ihrem Praxisalltag unter anderem von erfolgreichen Behandlungen bei Tinnitus. Dazu lagen ihr auch die aktuellen Forschungsergebnisse einer Studie der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Martin Meyer vor, in der 15 Tinnitus-Patienten mit Neurofeedback behandelten wurden. Bei allen Probanden veränderte sich ihre persönliche Tinnitus-Symptomatik in eine positive Richtung. Die subjektive Einschätzung variierte.

Da das Gehirn an allen Prozessen unseres Tuns beteiligt ist, lässt sich Neurofeedback bei allen Fragestellungen als einzelne oder kooperative Methode einsetzen.

Ein spannender Vortrag, der einen fundierten Einblick in die Welt der Gehirne, der Forschung und der Praxis bot, neigte sich nach einer regen Diskussion zwischen den Teilnehmern und der Referentin zu Ende.

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