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Helfen alleine genügt nicht – das System und die Basis brauchen Veränderung

05.12.2016

Entwicklungsländer müssen es schaffen, ihre Produkte auf den globalen Markt zu bringen. Gelingt das – ist die Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig. Die Entwicklungshilfe beginnt im Dorf und entwickelt sich in kleinen Schritten, wie das private Hilfswerk Maarifa-Su der Walter Reist Holding in Tansania zeigt. 

Helfen alleine genügt nicht – das System und die Basis brauchen Veränderung
Die Podiumsteilnehmer (von links): Toni Stadler, Paschal Namembe, Heinz Möckli und Dr. Heinz Bachmann.

Noch im vergangenen Jahrhundert dachten die Kolonialmächte, man müsse Afrikaner oder Asiaten erst zivilisieren, damit sich deren Staaten entwickeln können. Heute sieht man dies  differenzierter. Toni Stadler, Publizist und Experte für Entwicklungshilfe, sagte auf Lilienberg: «In der Entwicklungszusammenarbeit geht es um ein würdevolles Leben der Menschen in armen Ländern. Humanitäre Hilfe, technische Zusammenarbeit und Unterstützung im Gesundheitswesen stehen im Vordergrund.» Stadler war während vier Jahren Leiter der Abteilung «Analyse und Politik» unter der damaligen Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und hatte bei Entwicklungsländern hinter die Kulissen gesehen. Auf Lilienberg kritisierte er afrikanische Staaten und deren Management. Diese könnten mehr aus der Entwicklungshilfe machen. 

Trotzdem wird mit der Entwicklungshilfe viel Not gelindert. Stadler nannte den Rückgang der Analphabeten, die höhere Lebenserwartung der Menschen in armen Ländern sowie den Rückgang von Kinderlähmung. Er ist indessen Realist und dämpft die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Armut – vor allem in Afrika. «Lange dachten Entwicklungshelfer, man müsse einfach helfen und dann ginge es den Ländern besser. Afrika hat rund eine Milliarde Menschen, da braucht alles seine Zeit, bis Veränderungen greifen.» Nach wie vor leben durchschnittlich fünf bis sechs Kinder in einer Familie, was das Elend verschärft.

Toni Stadler hatte 27 Jahre im internationalen Dienst für das IKRK sowie die UNO gearbeitet und war Delegierter der Schweiz bei der OECD in Paris. In den verschiedenen Funktionen, die er für diese Organisationen einnahm, kam er zur Überzeugung: Alles Bemühen, das ein Land modernisiert, ist nachhaltig. Es muss jedoch einem Entwicklungsland gelingen, seine Produkte auf die globalen Märkte zu bringen. Unsichere Rechtslage, Korruption und instabile Regierungen erschweren den Fortschritt, meinte er.

Entwicklungshilfe lehrt Bescheidenheit

Dr. Heinz Bachmann ist unter anderem Wahlbeobachter für die UNO, OSZE und die EU. Er wollte den Nutzen von Entwicklungszusammenarbeit nicht schmälern, sagte aber: «Wir glauben, mit Entwicklungshilfe müsse sich rasch etwas ändern. Das ist in der Regel aber nicht der Fall.» Ein System könne man von aussen nicht umbauen, sondern müsse an der Basis Einfluss nehmen. Dort könne man zwar den einzelnen Menschen mit Bildung und medizinischer Betreuung helfen, doch das System ändere sich dadurch noch nicht.

Ein Teilnehmer sprach die Korruption in den afrikanischen  Regierungen an: «Wir glauben, wir helfen den Ärmsten und würden mit der Entwicklungshilfe eine edle Tat vollbringen. Tatsächlich aber verschwindet das Geld in den Taschen der Mächtigen.» Toni Stadler antwortete, man dürfe sich deswegen nicht in eine «Hoffnungslosigkeit diskutieren». Er verwies auf das Staatssekretariat für Wirtschaft, das gute Informationen über Entwicklungsländer hat.

Heinz Möckli ist Verantwortlicher des privaten Hilfswerks Maarifa-Su in Tansania (siehe Kasten) und ehemaliger CEO und Verwaltungsratspräsident der Ferag in Hinwil. Damit Entwicklungszusammenarbeit gelingen kann, nannte er drei Kriterien: «Erstens: Es braucht eine Vertrauensperson vor Ort.» Maarifa-Su hat diese mit Paschal Namembe gefunden. Er ging in Tansania zur Schule und absolvierte später in der Benediktinerabtei die Sekundarschule. Dann bildete er sich zum Elektroniker aus und arbeitet seit 28 Jahren für die Walter Reist Holding. Zum Zweiten sagte Möckli: «Es braucht Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle.» Jeder ausgegebene Franken müsse belegt werden. Und drittens: «Bei Maarifa-Su mussten wir zuerst die Kultur in Tansania kennenlernen. Es ist nicht nur das richtig, was wir im Westen uns ausdenken.»    

Unternehmerisches Gespräch vom 29. November 2016 «Welche Entwicklungszusammenarbeit ist sinnvoll und nachhaltig?»; mit Toni Stadler, Experte für Entwicklungszusammenarbeit, Heinz Möckli, Verantwortlicher des privaten Hilfswerks «Susanne’s Foundation in Tanzania», Dr. Heinz Bachmann, langjähriger Wahlbeobachter, sowie Paschal Namembe, «Susannes African School»; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum; Zusammenfassung: Bruno Fuchs.

Gepflegtes Hilfswerk verdient Achtung

Heinz Möckli koordiniert das private Hilfswerk Maarifa-Su Tansania, das zur Walter Reist Holding AG gehört. Im Oktober 2010 baute das Hilfswerk ein Schulhaus, das das Zentrum der Anlage bildet. Allein dieser Bau stellte Möckli vor Probleme, weil meist Baumaschinen fehlten. Eine Steffturbine sorgt heute für Strom, sodass die Schüler an Computer arbeiten können. «An einem Besuchstag sahen viele Eltern zum ersten Mal einen Computer», sagte er, um zu verdeutlichen, welche Zustände man dort antrifft. Es gibt Schüler, die von weither kommen und im Gästehaus in einem der 32 Betten übernachten. Trotz der teils schwierigen Umständen fällt Heinz Möckli eines auf: «Die Kinder arbeiten in der Schule konzentriert. Generell lachen sie gerne und sind fröhlich.»

Den Menschen in Maarifa-Su musste beigebracht werden, dass Wasser nicht gleich Wasser ist. Das Hilfswerk baute einen sogenannten Wasserkiosk, bei dem sich die Bewohner mit Trinkwasser eindecken können. Der Liter Wasser kostet einen Rappen. Der Preis ist laut Möckli nötig, damit die Benützer die gute Wasserqualität schätzen. Ein Kulturzentrum ermöglicht grössere Veranstaltungen und Bildungsangebote für Erwachsene.

Möckli spürt die Dankbarkeit der Kinder und Erwachsenen. «Ich höre praktisch nie, das geht nicht», sagte er. «Wenn man die Menschen fair behandelt, bringen sie die verlangten Leistungen.» Die Vermittlung zwischen der Mentalität der Menschen in Tansania und den Vorstellungen und Plänen von Maarifa-Su ist Paschal Namembe zu verdanken. Er ist in Tansania aufgewachsen und Verantwortlicher für das Projekt. Namembe: «Die Bevölkerung freut sich über die Hilfe von Maarifa-Su. Mit dem Hilfswerk wollen wir den Menschen helfen. Wir sind nicht daran interessiert, einen wirtschaftlichen Profit daraus zu ziehen, wie das zu oft noch passiert.»

Helfen alleine genügt nicht – das System und die Basis brauchen Veränderung
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