Virtuose Nachwuchs-Violinistin beeindruckt mit Akrobatik und Temperament
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Virtuose Nachwuchs-Violinistin beeindruckt mit Akrobatik und Temperament

Datum: 21.04.2021

Die erst 21-jährige Zürcher Geigerin Elea Nick gehört zu den Ausnahmetalenten ihrer Generation. Dass sie das Publikum jeden Alters zu fesseln vermag, zeigte sich am vergangenen Dienstagabend beim ersten Lilienberg Rezital nach der Lockerung der Pandemie-Einschränkungen in der Schweiz. Elea Nick spielte ausgewählte Kompositionen von Pablo de Sarasate, César Franck und Camille Saint-Saëns mit viel Energie und Enthusiasmus. Lora Vakova-Tarara, eine ausdrucksstarke, technisch brillante, aber auch sensible Pianistin aus Bulgarien sorgte für die Begleitung am Klavier.

Von Dinah Schollenberger und Stefan Bachofen

Elea Nick, kurz vor der Jahrhundertwende in eine Musikerfamilie hinein geboren, startete von Meilen am Zürichsee aus eine Weltkarriere: Ihre Ausbildung erhielt sie in der Schule des legendären Geigenvirtuosen Zakhar Bron. Erste Preise an renommierten Violin-Wettbewerben sowie zahlreiche Auftritte in der Tonhalle machten sie einem breiten Publikum bekannt. 

Elea Nick eröffnete das Konzert vor gut 40 Zuhörenden im Lilienberg Zentrum mit den «Zigeunerweisen» des spanischen Komponisten Pablo de Sarasate. «Zigeunerweisen» wurde 1878 veröffentlicht, steht in c-Moll und umfasst vier Sätze. Sarasate schrieb das Original für Sinfonieorchester und Violine; gleichwohl gibt es verschiedene Bearbeitungen für andere Besetzungen, darunter eben auch jene für Klavier und Violine.

Pablo de Sarasate gilt unter Musikkennern als Jahrhundertgeiger. Daneben wagte er sich als Komponist in eigenen Werken lustvoll an die Grenzen der spieltechnischen Möglichkeiten. Wer Sarasates «Zigeunerweisen» spielt, muss «geigerische Fitness» an den Tag legen, gepaart mit Temperament und Freude an musikalischer Hochspannung. Elea Nick bringt all diese Qualitäten mit, wie ihr Auftritt in Ermatingen bewies.

Paradewerk von César Franck bravourös gemeistert

Alles andere als einfach zu spielen ist auch die Sonate in A-Dur von César Franck, die Einzige, die Franck für Klavier und Violine geschrieben hatte. Der belgisch-französische Komponist gehörte zu den markantesten Tonkünstlern des späten 19. Jahrhunderts. Mit der komplexen Sonate schuf er eines seiner schönsten und beliebtesten Werke überhaupt und auch eines der am häufigsten gespielten Stücke. Es ist berühmt für seine Form, die gleichermassen zwanglos wie präzise ist. Gewidmet hatte César Franck die Sonate dem Geiger Eugène Ysaÿe, der mit seiner makellosen Violin-Technik zu jener Zeit für grosses Aufsehen sorgte. Elea Nick steht Eugène Ysaÿe heute in nichts nach. Denn auch sie meisterte das Paradewerk mit Bravour.

Wie kaum ein anderes Stück verbindet Francks Sonate die Sinnlichkeit des «Fin de Siècle», der letzten zwei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts mit einer kunstvoll gestalteten Form. Fliessende Melodien und spätromantische Harmonik treffen auf Kontrapunkt, Kanon und Themenableitungen. Und auch wer noch nie in die Werkstatt des Komponisten blicken mochte, liess sich am Lilienberg Rezital durch die von Franck vorgegebene und von Elea Nick interpretierte Musikdramaturgie fesseln - eien Musikdramaturgie, die einen Bogen vom tastend-melancholischen Anfangssatz, über den leidenschaftlichen zweiten und den träumerischen dritten Satz bishin zum beschwingten, energisch strahlenden Finale spannt.

Belle Époque zum Abschluss

Den Abschluss des offiziellen Konzertteils gestalteten Elea Nick und ihre bulgarische Begleiterin am Klavier mit einer Komposition von Camille Saint-Saëns, der «Introduction et Rondo capriccioso, op. 28». Saint-Saëns war der berühmteste Meister der «Belle Époque». Gemeint ist die Zeitspanne, von etwa 30 Jahren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die Epoche des Aufbruchs zu neuer Lebenslust, die in Frankreich ausgerechnet nach dem verlorenen Krieg gegen Preussen und nach dem Ende des Zweiten Kaiserreichs im Jahr 1871 anbrach. Das Werk «Introduction et Rondo capriccioso, op. 28», das Paradepferd aller grossen Violinvirtuosen, war ein Jugendwerk des damals noch nicht 30-jährigen Saint-Saëns. Saint-Saëns widmete die 1863 verfasste Komposition übrigens Pablo de Sarasate, dem Komponisten des ersten Konzertstücks, der 1867 bei der Premiere  die Solo-Violinstimme aufführte. 

Ein hochvirtuoses Konzert

Elea Nick brachte die Zuhörenden während mehr als einer Stunde mit Ausdruckstiefe, ausgefeilter Technik und Spielfreude zum Staunen und riss sie immer wieder zu Beifallsstürmen hin. Gefühl- und temperamentvoll bewältigte sie jede Schwierigkeit des hochvirtuosen Konzertes akrobatisch und aus Sicht des Publikums scheinbar mühelos. Dabei zelebrierte sie einzelne Passagen förmlich. Mit Bravorufen und Standing Ovations forderten die Gäste im Lilienberg Zentrum folgerichtig eine Zugabe, und erhielten sie auch: Im vielgespielten und feurigen Effektstück «Czardas» des Italieners Vittorio Monti brillierte die sympathische Solistin nochmals mit klanglichen Finessen und lebhaften Tempowechseln. 

Lilienberg Rezital vom 20. April 2021 mit Elea Nick (Violine) und Lora Vakova-Tarara (Klavier); Gastgeber: Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Susanne Rau-Reist; Moderation: Eva Oertle.

Die Künstlerinnen

Elea Nick

Die 21-jährige Zürcher Geigerin besuchte an der Zürcher Hochschule der Künste die Meisterklasse von Professor Zakhar Bron. Nachdem sie bereits mehrfach beim Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb mit Ersten Preisen ausgezeichnet worden war, gewann sie den Internationalen Violinwettbewerb in Nowosibirsk, den Lipinski-Wieniawski-Wettbewerb in Lublin und die International Competition «Young Virtuosos» in Sofia. Elea Nick trat bei den Interlaken Classics, beim Festival «Next Generation» in Bad Ragaz und beim Musical Olympus Festival in Sankt Petersburg auf. Sie konzertierte als Solistin mit dem Münchner Rundfunkorchester, den Zürcher Symphonikern, der Staatlichen Akademischen Kapelle Sankt Petersburg und dem chinesischen Shaanxi Symphony Orchestra. Neben ihrem Musikstudium lernt Elea Nick an der Universität Zürich Politik- und Rechtswissenschaft.

Lora Vakova-Tarara

Die 31-jährige Pianistin gewann als Elfjährige den Franz-Schubert-Wettbewerb in Bulgarien. Viele Preise und Erfolge bei internationalen Wettbewerben sollten noch folgen, etwa bei der Swedish International Duo Competition, an der Académie de Musique de Lausanne oder beim George-Enescu-Wettbewerb in Bukarest. 2013 schloss sie ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste in der Klavierklasse von Eckart Heiligers ab. Die Pianistin gab Konzerte bei Musikfestspielen wie den Sofia Music Weeks, dem Bachfest Leipzig und dem Swiss Chamber Music Festival. Gemeinsam mit dem Geiger Stefan Tarara veröffentlichte sie das Album «The Sound of the 20s» und eine Aufnahme mit Werken von George Enescu.

Im feurigen Zugabestück «Czardas» des Italieners Vittorio Monti brillierte Elea Nick nochmals mit klanglichen Finessen und lebhaften Tempowechseln.