Henrique dos Santos Costa: der Professor an der Tuba
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Henrique dos Santos Costa: der Professor an der Tuba

Datum: 17.06.2021

Der portugiesische Tubist Henrique dos Santos Costa, sekundiert von der taiwanesischen Pianistin Shih-Yu Tang, verzauberte am Sommer-Rezital im Lilienberg Zentrum das Publikum mit Leidenschaft und Virtuosität. Der Professor der Tuba-Klasse an der Zürcher Hochschule der Künste hatte zu allen fünf Werken, von Jean-Baptiste Arbans «Fantaisie brillante» über drei Kompositionen von Clara und Robert Schumann bis hin zur Ouvertüre der Oper «Barbier von Sevilla» von Rossini, eigene Fassungen speziell für Tuba und Klavier geschrieben. 

Von Dinah Schollenberger und Stefan Bachofen

Der Name «Tuba» kommt aus dem Lateinischen und heisst so viel wie «Röhre». Auch wenn Henrique dos Santos Costa gegenüber Moderator Andreas Müller-Crépon zum Erstaunen des Publikums sagte, er empfinde die Töne, die die Tuba produziert, als hell: Die Tuba ist und bleibt das tiefste aller gängigen Blechblasinstrumente. Sie besitzt drei bis sechs Ventile. «Tuba» war im Römischen Reich die Bezeichnung für ein Blasinstrument aus Messing oder Bronze. Heute versteht man unter einer Tuba das grossformatige Bassinstrument der Familie der Bügelhörner. Die ersten Tuben wurden in Berlin um 1835 kurz nach der Erfindung der Ventiltechnik entwickelt. Als Soloinstrument wurde die Tuba dann aber erst in den 1950ger-Jahren entdeckt.

Auch ein feinsinniges Instrument

Wenn der Musiker die Tuba spielt, sitzt sie ihm auf dem Schoss, reckt ihren Schalltrichter in die Höhe und verlangt das Letzte an Atemreserven. Das heisst aber nicht, dass sie nur zu brummenden Einzeltönen in der Lage wäre. Im Gegenteil, die Tuba ist, und das bewies Henrique dos Santos Costa eindrücklich, ein feinsinniges Wesen, das zart zu singen, in höchste Höhen zu steigen und elegant zu tanzen vermag. So gesehen macht die obige Aussage von dos Santos Costa in Bezug auf die hellen Töne natürlich Sinn.

Mit Shih-Yu Tang hatte dos Santos Costa im Lilienberg Zentrum eine hochtalentierte Pianistin als Begleiterin an seiner Seite, die sich sichtlich darüber freute, «voll in die Tasten hauen zu können», weil sie keine Angst haben musste, das Hauptinstrument zu überstimmen.

Da es kaum Originalliteratur für Tuba gibt, müssen Tuba-Solisten heute entweder mit Arrangements vorlieb nehmen oder aber Kompositionen, die ursprünglich für andere Instrumente geschrieben worden waren, selber für Tuba bearbeiten. Genau das hat Henrique dos Santos Costa getan. Ein kleines Familienporträt mit Werken von Clara und Robert Schumann stand dabei im Mittelpunkt des Programms. Für den fulminanten Einstieg sorgte der Franzose Jean-Baptiste Arban, für den taumelnden Kehraus Gioachino Rossini.

Virtuos und locker

Henrique dos Santos Costa brillierte mit seiner lockeren Spielweise und entlockte seinem Instrument während über eine Stunde die zartesten Töne. Die virtuosen und erfahren gespielten Solo-Kadenzen gingen den gut 60 Zuhörenden tief unter die Haut, waren mitreissend und von raumfüllender Präsenz. Dos Santos Costa wusste die Klangfarbe des sonst allgemein eher unterschätzten Instrumentes stets zu seinem Vorteil auszunutzen. 

Lilienberg Rezital vom 15. Juni 2021 mit Henrique dos Santos Costa (Tuba) und Shih-Yu Tang (Klavier); Gastgeber: Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Susanne Rau-Reist; Moderation: Andreas Müller-Crépon.

Die Künstler

Henrique dos Santos Costa

Der 28-jährige portugiesische Tubist Henrique dos Santos Costa, Stipendiat der Stiftung Calouste Gulbenkian und Preisträger beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Sankt Petersburg, dem Internationalen Instrumentalwettbewerb im sächsischen Markneukirchen und dem Concorso Internazionale «Città Di Porcia» in Italien, zeichnet sich durch eine besondere Neugierde aus, die künstlerischen Möglichkeiten seines Instruments als Solist zu erkunden. Henrique dos Santos Costa tritt regelmässig mit Orchester oder in Solorezitals auf. Er war Schüler von Adélio Carneiro und Anne Jelle Visser und ist seit 2019 Assistenzprofessor der Tuba-Klasse an der Zürcher Hochschule der Künste.

Shih-Yu Tang

Die 1995 in Taiwan geborene Pianistin und Bratschistin kam nach dem Studium dieser Instrumente an der Musikhochschule Freiburg 2016 an die Zürcher Hochschule der Künste zu Professor Konstantin Scherbakov. Sie wurde durch ein Stipendium der Organisation «Yehudi Menuhin Live Music Now» gefördert und in Deutschland mit Ersten Preisen im Bundeswettbewerb «Jugend musiziert» geehrt. Shih-Yu Tang gewann den Arthur Lepthien Klavierwettbewerb in Freiburg, den Duttweiler-Hug Wettbewerb und den Landolt Klavierwettbewerb in Zürich. Als Bratschistin musizierte sie im «Quartetto Mobile»; als Pianistin trat sie mit dem «Wandel Trio» in ganz Europa auf und erhielt 2017 den Carl-Seemann-Preis. 

Die Tuba ist das tiefste aller gängigen Blechblasinstrumente.