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Im Interesse unserer aller Zukunft müssen wir jetzt mit den jungen Menschen solidarisch sein

Datum: 18.12.2020

Es fällt in diesen Tagen sehr schwer, mit Zuversicht ins kommende Jahr zu blicken. Natürlich wird eines Tages Normalität einkehren, natürlich werden wir alle Einschränkungen wieder aufheben können. Doch um den kleinen Keim an Zuversicht, der in uns allen schlummert, zu wecken, müssen wir erstens alles unternehmen, um die grosse Unsicherheit und Angst zu überwinden, die das zunehmende Chaos der Politiker, Beamten und Experten aller Art bei uns allen tagtäglich schürt. Zweitens ist es wichtig, nicht nur an die jetzigen Opfer zu denken, sondern auch an diejenige Bevölkerungsgruppe, die letztlich unsere Zukunft bestimmen wird, also an unsere jungen Menschen!

Von Christoph Vollenweider

Wenn nach neun Monaten Corona-Ausnahmezustand (gemeint ist hier nicht der juristische Begriff) eines klar ist, so dies: Die unmittelbaren Leidtragenden der Pandemie sind unsere betagten Mitbürgerinnen und Mitbürger und deren Angehörige. Sie sind ganz direkt gefährdet, und unter ihnen findet der Virus die meisten Opfer. Sie leiden auch stark unter den einschränkenden Massnahmen wie Besuchsverbote aller Art. 

Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, dass die langfristigen Verlierer der Krise die jungen Menschen unseres Landes (natürlich auch ganz Europas) sind. Sie leiden nicht nur unter den gegenwärtigen massiven Einschränkungen, sondern müssen auch die langfristigen Folgen der weitgehenden Massnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie in Kauf nehmen, die ein unabsehbares Ausmass annehmen könnten. 

Zum einen sind sie am meisten und am unmittelbarsten vom Lockdown oder den lockdownähnlichen Massnahmen betroffen. Sie können sich nicht mehr spontan und locker treffen, da alle ihre Lokale geschlossen sind, sie können nicht mehr ordentlich zur Schule gehen, da diese sehr stark eingeschränkt ist – von den Schwierigkeiten vieler Kinder mit Homeschooling ganz zu schweigen. Auch die Studenten an den Universitäten und den Fachhochschulen haben es sehr schwer, sie können nicht mehr so studieren, wie Studieren eigentlich sein sollte, nämlich mit persönlichen Kontakten, Austausch, spontanen Diskussionen etc. Auch macht sich eine «zoom»-Müdigkeit breit.

Weiter haben viele junge Lernende kaum mehr Berufsperspektiven, wenn ganze Wirtschaftszweige untergehen oder auf Jahre hinaus schwer geschädigt sind. Und, was wahrscheinlich am gravierendsten sein dürfte, ist die unendlich hohe Verschuldung, die der Staat anhäufen muss, um die Folgen der Massnahmen einigermassen zu bewältigen. Es sind auch hier die Jungen, die diese Schulden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten spüren werden – und nicht die heutigen Rentnerinnen und Rentner.

Die Jungen nehmen das bis jetzt noch erstaunlich gelassen in Kauf. Dies ist insofern bemerkenswert, weil die allermeisten Massnahmen, unter denen sie leiden, dazu dienen, die Risikogruppen zu schützen. Darunter befinden sich vor allem alte bis sehr alte Menschen, welche am meisten durch den Virus gefährdet sind. 

Es mutet daher befremdend an, dass eigentlich nur flächendeckende und letztlich völlig unspezifische Massnahmen verordnet werden. Das ganze öffentliche Leben – bis ins Private hinein – wird mit dem gleichen Rasenmäher zurückgestutzt, ohne dass man gesicherte Erkenntnisse über das jeweilige Kosten-Nutzen-Verhältnis hat. Dadurch wird der vielbeschworene Generationenvertrag, der ohne Corona schon sehr viel von unseren jungen Menschen abverlangt, noch mehr strapaziert, bis er vielleicht eines Tages implodiert. Es sind auch just viele junge Menschen, die psychisch unter der Corona-Krise leiden, da sie für sich keine Zukunft mehr sehen. 

Wenn wir am Ende dieses denkwürdigen und verrückten Jahres versuchen wollen, etwas Zuversicht zu mobilisieren, damit wir wieder aus den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Trümmern von Corona auferstehen können, müssen wir dringend Solidarität mit unserer Jugend zeigen. Und das heisst vor allem: Wirklich nur - und das energisch - auf Massnahmen setzen, welche die eigentlichen Risikogruppen schützen und den Rest der Bevölkerung in Ruhe arbeiten, studieren und leben lassen. Damit würden vor allem die älteren Menschen, zu denen sich der Autor auch zählt, endlich einmal einen namhaften Beitrag an den Generationenvertrag leisten.