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Der sanfte Gitarrist mit Flair für die Rockmusik

14.06.2018

Mit technischer Virtuosität und der charakteristischen Interpretation des alten und neuen Repertoires setzt Vojin Kocić in der Gitarrenszene neue Massstäbe. Der 28-jährige Serbe, der an der Hochschule der Künste in Zürich sein Studium mit dem «Master of Arts» in Musikpädagogik abgeschlossen hat, gehört zu den grössten Talenten in seiner Branche. Im Juni trat er an einem Lilienberg Rezital auf. Kocić liebt übrigens nicht nur die klassische Musik, sondern auch Jazz und Rock.

Der sanfte Gitarrist mit Flair für die Rockmusik
Vojin Kocić setzt neue Massstäbe in der Gitarrenszene.

Vojin Kocićs Instrument ist die Gitarre. Das stellt in der klassischen Musik zwar eher eine Seltenheit dar. Doch genau dies dürfte der Grund gewesen sein, dass sich viele Lilienberg Freunde das Sommerkonzert nicht entgehen lassen wollten. Für sie hatte sich der Besuch an diesem Juni-Abend nicht nur wegen des traditionell reichhaltigen Apéros gelohnt. Nein, sie wurden vor allem auch Zeugen, wie leicht und sicher Kocićs Finger über die Gitarrensaiten flogen und wie der Musiker dabei richtiggehend aufblühte. Zu keiner Zeit war beim Künstler nur ein Hauch Nervosität spürbar, der sanfte Klang seiner Gitarre füllte das Zentrum, und das Publikum war begeistert.

Bach-Partita für Gitarre umgeschrieben

Zum Auftakt seines knapp eineinhalbstündigen Konzerts spielte Vojin Kocić fünf Sätze aus Johann Sebastian Bachs Partita Nr.2 in d-Moll. Bach hatte die Partita ursprünglich für Violine komponiert. Kocić schrieb sie eigenhändig für Gitarre um. Er intonierte Bachs tiefgründige Sarabande, eine höfische Tanzform der Barockmusik mit grosser Musikalität und Inbrunst, und die Laufkaskaden der Giga sprudelten dabei wie klingende Wassertopfen. Aber auch mit Giulio Regondis Opus 23 für Sologitarre, der zweiten Komposition an diesem Rezital, begeisterte Kocić das gut gelaunte Publikum. Der junge Serbe spielte das romantische Stück ebenso gefühl- wie hingebungsvoll.

Die Gitarre als «orchestre en miniature»

Es folgten die «Fünf Bagatellen» von William Walton, einem englischen Komponisten und Dirigenten des 20. Jahrhunderts – ein Stück voll von Vitalität und Esprit. Jene Zuhörer, die konzentriert lauschten, waren wenig überrascht von der Aussage der Moderatorin Eva Oertle Zippelius, dass der französische Komponist Hector Berlioz die Gitarre einst als «orchestre en miniature» bezeichnet hatte. Waltons Bagatellen wurden später übrigens tatsächlich auch noch für Orchester bearbeitet.

Das Schlussbouquet setzte Vojin Kocić mit dem Finale aus der Libra Sonatine des 2016  verstorbenen französischen Gitarristen Roland Dyens. «Fuoco», so ist das Finale der Sonatine überschrieben, heisst zu Deutsch Feuer, und es machte seinem Namen alle Ehre: Kocić malte ein musikalisches Assoziations-Inferno in die Vorstellungswelt der Besucher.

Auch mit der rockigen E-Gitarre unterwegs

Im anschliessenden, auf Englisch geführten Kurz-Gespräch mit der Moderatorin erzählte Voijn Kocić unter anderem, was die Gitarre für ihn bedeutet. Zwei Namen haben ihn als Jungen geprägt, zwei Namen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Jimi Hendrix, der grosse Rock-Gitarrist der wilden Sechzigerjahre, und Claudio Abbado, der Dirigent, der jahrelang die Lichtgestalt des Lucerne Festivals war. «Mein Vater war ein eingefleischter Jimi Hendrix-Fan», erzählte Kocić. So kam er schon früh mit der Gitarre in Berührung. Rockig und lärmig ging es damals zu, denn der Vater besass selbst eine E-Gitarre. Die Mutter gab Gegensteuer und führte den Sohn mit ihrem Klavierspiel an die klassischen Musik heran. Der Fall war klar: Klein-Vojin wollte Gitarre spielen, und zwar klassische Musik.

In erster Linie konzentriert er sich heute deshalb ganz auf die klassische Gitarre und verfügt über ein entsprechend breites Repertoire. Aber: «Ich liebe auch Jazz oder Rock, und eine Jam-Session mit Kollegen ist wunderbar», so Kocić. Dann packt er hin und wieder auch die rockige E-Gitarre aus.

Vor einer grossen Karriere

Der Auftritt auf Lilienberg – mit der klassischen Gitarre – ist Vojin Kocić geglückt. Der Serbe ist auf dem besten Weg, sich in der Musikwelt weiter zu etablieren. Und wenn man beobachtet, wie innig er seine Gitarre spielt und welch sanfte oder auch rhythmisch temperamentvolle Töne er ihr entlockt, zweifelt niemand daran, dass Vojin Kocić eine ganz grosse Karriere vor sich hat.

Lilienberg Rezital vom 12. Juni 2018 mit Vojin Kocić; Gastgeberin: Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Susanne Rau-Reist; Moderation: Eva Oertle Zippelius.

Der Künstler

Vojin Kocić wurde 1990 in Smederevo, Serbien, geboren, wo er als Achtjähriger begann, klassische Gitarre zu spielen. Nach Abschluss der Grundschule setzte er seine Ausbildung an der Musikakademie in Belgrad fort und absolvierte das erste Jahr an der Fakultät für Musik in Belgrad. Auf Empfehlung von Maestro Oscar Ghiglie setzte er danach seine Ausbildung bei Professor Anders Miolin an der Zürcher Hochschule der Künste fort, wo er 2015 den «Bachelor of Arts in Musik» und den «Master of Arts in Specialized Music Performance» erwarb.

Seit seinem achten Lebensjahr hat er an zahlreichen Solo- und Kammermusikwettbewerben in Serbien, Deutschland, Rumänien, Bulgarien und Kroatien teilgenommen und belegte dabei mehrere Male den ersten Platz oder wurde mit Sonderpreisen ausgezeichnet. Beim Finale des «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes» 2015 ging Vojin Kocić ebenfalls als Sieger hervor. Er wurde als die überzeugendste junge Musikerpersönlichkeit unter allen Studierenden, gleich welchen Fachs, an Schweizer Musikhochschulen ausgezeichnet und gewann nicht nur den mit CHF 25'000 dotierten Preis, sondern auch ein Debut beim Schweizer Lucerne Festival.

Ausser bei Solokonzerten spielte Vojin Kocić, seit er elf Jahre war, als Solist beim Kammerorchester Atina Kamerata (Griechenland) unter der Leitung von Leo Brower im Sava Centar (Belgrad), einer der bekanntesten Konzerthallen Serbiens. Er hat Konzerte mit dem serbischen Rundfunk- und Fernseh-Sinfonieorchester, der Belgrader Philharmonie, dem Kammerorchester Sveti Djordje und dem Kammerorchester Dušan Skovran gespielt.

Kocić spielt aber auch auf Instrumenten, die schon vor der Gitarre existierten: die Laute, Barock-Gitarre oder Theorbe. Auf diesen alten Instrumenten, spielt er alte Musik, aber auch andere Komponisten aus Renaissance und Barock.

Seit 2014 unterrichtet Vojin Kocić als Gitarrenlehrer an der d’Insle Montessori-Schule in Zürich.

Der sanfte Gitarrist mit Flair für die Rockmusik
Der sanfte Gitarrist mit Flair für die Rockmusik
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