see_1920x370-(1).jpg

«Wir sind daran interessiert, die Zukunft zu gestalten»

07.10.2019

«Wir sind daran interessiert, die Zukunft zu gestalten», sagte Daniel Anderes, Leiter des Unternehmerforums in seiner Ansprache zum 30-Jahr-Jubiläum. So sieht sich Lilienberg denn auch primär als Denkfabrik, die weit hinaus ihre Ausstrahlung hat. Immer wieder dreht sich alles um die Frage: Was ist gelebtes Unternehmertum?

«Wir sind daran interessiert, die Zukunft zu gestalten»
Christoph Vollenweider (Zweiter von links) diskutiert mit Petronella Vervoort (links), Bettina Zim-mermann und Marco Gugolz die auch auf Lilienberg zentrale Frage «Was ist gelebtes Unterneh-mertum?»

Rund 40 Gäste trafen sich Ende September auf Lilienberg zu einer schlichten 30-Jahr-Jubiläumsfeier und einem dazugehörigen Panelgespräch. Im zweiten Teil der Feier übergab Stiftungsratspräsident Dr. h. c. Walter Reist der Apfelcar AG aus Märstetten den Lilienberg Preis 2019 (siehe separater Artikel).

In seiner Ansprache ging Daniel Anderes, Leiter des Lilienberg Unternehmerforums, auf die Geschichte des Lilienbergs ein. Das Forum beschäftigt heute 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist Treffpunkt für Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Lilienberg ist zugleich ein Boutique-Konferenzzentrum. Das Unternehmerforum versteht sich nicht nur als Netzwerk für Besucher, sondern auch als Denkfabrik. «Wir sind daran interessiert, die Zukunft zu gestalten», sagte Anderes. In zahlreichen Publikationen und Referaten äusserten Experten ihre Meinungen und Ideen, die sich in Abstimmungskampagnen, Lehrmitteln und in Unternehmensleitsätzen wiederfinden. Doch auf Lilienberg geht es nicht immer nur konzentriert und ernst zu und her: Die grosszügigen Gebäude und die prächtige Parkanlage dienen auch für private Feste.

Arbeit hört nicht um 5 Uhr auf

In einem Panelgespräch diskutierte Moderator Christoph Vollenweider mit drei Gästen aus dem Lilienberg Umfeld. Vollenweiders zentrale Frage lautete: Was ist gelebtes Unternehmertum? Bettina Zimmermann, Krisenmanagerin und CEO der GU Sicherheit & Partner AG antwortete: «Mein familiäres Umfeld prägte mich. Ich erlebte, dass die Arbeit auch übers Wochenende gemacht werden muss.» Als CEO sei für sie die Arbeit nicht einfach um 5 Uhr fertig. In den Ferien komme es nicht selten vor, dass sie für Kunden erreichbar sein müsse. Doch: «Leidenschaft überwiegt!»

Petronella Vervoort ist Geschäftsführerin und Direktorin der Ernst Schmidheiny-Stiftung, die das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und das Interesse an Wirtschaftsthemen fördert. Sie sagte zum gelebten Unternehmertum: «Es geht darum, beim Unternehmer Neugier und Verantwortungsbewusstsein zu wecken.» Vervoort ist als Dozentin immer wieder mit ihren Master-Studenten auf Lilienberg. Zu der Veränderung in der Ausbildung stellte sie fest: «Früher lernten die Studenten Inhalte zur Unternehmensführung – heute sind es Kompetenzen.»

Auf die Frage, ob es ein unternehmerisches Gen gebe, meinte Marco Gugolz, Regionaldirektor diverser Kliniken, schlicht: «Nein, zum Glück nicht.» Gugolz ist nicht ein Unternehmer im klassischen Sinn, der Geld in seine Firma investierte. Man erwarte von ihm hingegen gleich wie in anderen Unternehmen Strategien zur Firmenleitung, Wirtschaftlichkeit und die Gabe, Mitarbeitende zu motivieren. «Ich bin aber kein Befehlsempfänger.»

Gelebtes Unternehmertum und seine Vor- und Nachteile

Trotz der hohen zeitlichen und emotionalen Belastungen steht bei Bettina Zimmermann der Spass an der Arbeit im Vordergrund. «Ich arbeite in einem Business, wo das Vertrauen zum Kunden zentral ist und wo gemeinsame Ziele gesteckt werden.» Als Krisenmanagerin wisse sie nicht, was sie am anderen Tag erwarte. Sie müsse unter Umständen innert kurzer Zeit Krisen annehmen – egal wie es ihr zumute sei. Trotz allem überwiege die Freude an der Herausforderung und an der Entwicklung von Visionen, sagte sie.

«Wir sind daran interessiert, die Zukunft zu gestalten»
Stiftungsrätin Susanne Rau-Reist, Stiftungsratspräsident Dr. h.c. Walter Reist und seine Frau Lotti Reist verfolgen mit Spannung das Panelgespräch mit drei Unternehmern aus dem Lilienberg Umfeld.

Obwohl Marco Gugolz wegen der hohen Arbeitsbelastung auf ausreichend Schlaf verzichten muss – es gibt Phasen, da schläft er nicht mehr als drei Stunden –,  überwiegt auch bei ihm die Freude bei der Arbeit. «Wir sind wie eine grosse Familie und dürfen kranken Menschen helfen», sagte er. Es sei interessant, in den Spitälern mit Leuten aus verschiedenen Berufen zu arbeiten. Petronella Vervoort sieht auch eine Wertschätzung der Arbeit, die Unternehmensleiter allgemein erfahren. Das sieht auch Bettina Zimmermann so: «Bei unserem Krisenmanagement erhalten wir Anerkennung und gegenseitigen Respekt.»

Herzblut und schräge Gedanken

Zum Schluss des Gesprächs wollte Christoph Vollenweider von den die beiden Unternehmerinnen und dem Unternehmer wissen: «Was braucht es noch im Unternehmertum?» Marco Gugolz antwortete: «Innovation, wo auch schräge Gedanken Platz haben müssen. Wir müssen aber auch ein Unternehmen weiterbringen, was oft ein steiniger Weg ist.» Diesen Worten pflichtete Petronella Vervoort bei und fügte an: «Es benötigt Herzblut und Leidenschaft.»

< Zurück
facebook LinkedIn