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«Wir setzen alles daran, dass die Schweiz das optimale Kampfflugzeug erhält!»

13.06.2018

Die Schweizer Luftwaffe steht mit der Beschaffung neuer Kampfflugzeuge (NKF) und der bodengestützten Luftabwehr (BODLUV) vor grossen Herausforderungen. Wie die Luftwaffe in Zukunft bestehen will, erläuterte der Kommandant Luftwaffe, Divisionär Bernhard Müller Ende Mai auf Lilienberg.

«Wir setzen alles daran, dass die Schweiz das optimale Kampfflugzeug erhält!»
Divisionär Bernhard Müller gab einen fundierten Überblick über die aktuellen und künftigen Bedrohungen aus der Luft.

Zu Beginn seines Referates sagte Divisionär Bernhard Müller, dass das Material der Luftwaffe zwar in die Jahre gekommen sei. «Aber ich bin stolz auf all die Menschen, welche es ermöglicht haben, dass unsere Systeme noch in so gutem Zustand sind», sagte er. Die Luftwaffe habe, über all die Jahre betrachtet, beispielsweise bei der 30-jährigen Super Puma-Flotte eine durchschnittliche Verfügbarkeit von 67 Prozent, bei den Kampfjets sehe es ähnlich aus.

Innovative Luftwaffe

Divisionär Müller führte aus, dass die Schweizer Luftwaffe im internationalen Vergleich einen hohen Standard habe und wies auf die hohe Innovationsfähigkeit hin. So werde Frankreich den Schweizer PC 21 beschaffen um ihre Piloten auszubilden und sie anschliessend direkt auf ihren Kampfjets Rafale fliegen zu lassen. Der PC 21 ist bei der Schweizer Luftwaffe bereits seit zehn Jahren in Betrieb. «Mit diesem Typ ist die Ausbildung zum Jetpiloten sehr effizient und effektiv geworden», führte er aus. Als weiteres Beispiel der Innovationskraft der Luftwaffe führte Müller die zivile Flugsicherung Skyguide an. Diese übernimmt von der Luftwaffe Innovationen im Bereich der modernen Sensorik zur Darstellung der Luftlage.

Veraltete Systeme

Die Schweizer Luftwaffe ist zwar in gewissen Bereichen immer noch vorne dabei, sagte der Luftwaffenkommandant. Aber, appellierte er ans Publikum: «Wir brauchen Ihre Unterstützung zur Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und der bodengestützte Luftverteidigung BODLUV für den Schritt in die Moderne!» Die gegenwärtigen Systeme seien  veraltet. Divisionär Müller musste im Laufe der politischen Diskussionen zur Beschaffung des neuen Kampfflugzeuges und der bodengestützten Luftabwehr feststellen, dass es sogar für einige nationale Sicherheitspolitiker immer noch undenkbar ist, dass die Schweiz in eine schwierige, existenzielle Situation kommen könnte.

Rückkehr zur Machtpolitik

Klare Worte fand Müller zur globalen Lage: «Heute erleben wir die Rückkehr zur reinen Machtpolitik.» Die gegenwärtige Konstellation aus Personen und Strategien, welche über Generationen hinweg entwickelt wurden, hat zu dieser Situation geführt. Er nannte Politiker wie Putin oder Trump, Länder wie Nordkorea, China oder Japan. Jeder und jedes hat für sich seine eigene Strategie.

Er wies darauf hin, dass der Westen gegenwärtig nicht in der Lage sei, wie das Beispiel der Annexion der Krim durch Russland gezeigt hatte, einen entsprechenden Gegendruck zu erzeugen. Niemand wisse heute, was die Zukunft bringen wird. «Wir haben uns blenden lassen vom Fall der Mauer und nur noch von Friedensdividenden gesprochen», so Müller. Der Krieg werde wieder demonstrativ trainiert, sowohl auf russischen wie auch auf westlicher Seite. Nordische Länder oder die Baltischen Staaten erwarten krisenhafte Entwicklungen.

Neue Technologien und Denkmuster

Der Luftwaffenkommandant zeigte auf, dass beispielsweise die USA fähig sind, weltweit und jederzeit innerhalb einer Stunde eine Waffenwirkung im Ziel zu entfalten. Die Schlachtschiffe, U-Boote, Flugzeugträger und Landstützpunkte der USA sind so verteilt, dass ihre Ziele innerhalb einer Stunde erreichbar sind. «Dann merken Sie, dass aus dem Nichts heraus eine Drohung entstehen kann», sagte er weiter.

Ein neues Schlagwort prägt derzeit die NATO: Multi-Domain Operations. Das Moderne an dieser Denkart sei, dass man versuche, einen potenziellen Gegner so mit Informationen zu überschwemmen, dass er nicht mehr in der Lage ist, diese auszuwerten und die richtigen Entscheide zu fällen.

Luftwaffe neu aufgestellt

Mit der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) ist die Luftwaffe per 1. Januar 2018 neu aufgestellt worden. Als innovativ bezeichnet Müller die Unterstellung der Luftwaffe zusammen mit dem Heer und den Territorialdivisionen dem Kommando Operationen. Dabei habe die Luftwaffe eine Sonderstellung innerhalb des Kommandos. So trage die Luftwaffe für gewisse Bereiche die gesetzliche Gesamtverantwortung. Der Schutz des Luftraumes, die Wahrung der Lufthoheit und der Neutralitätsschutz sind originäre, in der Bundesverfassung verankerte Aufgaben der Luftwaffe.   

Air 2030 – ein integriertes Gesamtsystem

Mit dem Vorhaben «AIR 2030» gelte es, ein Gesamtsystem bestehend aus einem modernen, vernetzt operierenden Kampfflugzeug NKF und gleichzeitig ein neues bodengestütztes Luftabwehrsystem  BODLUV mit grosser Reichweite zu beschaffen.

Damit könne man schon bei der Evaluation darauf achten, dass die Systeme optimal miteinander harmonisiert und vernetzt sind. Dies biete beste Voraussetzungen für integrierte Operationen.

Die Systemintegration ist für den Luftwaffenkommandanten zentral. Radar oder technische Sensoren müssen so vernetzt sein, dass die gelieferten Informationen gleichzeitig auf einem Bildschirm statt auf vielen ersichtlich sind. Dies setzt voraus, dass die Luftwaffe über eine entsprechende Führungsstruktur verfügt, welche diese Informationen verarbeiten kann und Entscheide oder Effekte herbeiführen kann.

Grosser Aufholbedarf

Die Lebensdauer aller Grosssysteme der Armee,  auch jene der Bodensysteme, endet 2030. Als Folge der Friedensdividende wurden die Mittel der Armee soweit reduziert, dass es heute nur noch darum geht, diese zu erhalten. Der Aufholbedarf bei den Investitionen ist gewaltig.

In einem ersten Schritt werden die Mittel der Luftverteidigung erneuert. Dafür werden 8 Milliarden Franken eingesetzt. Die Bodensysteme werden in einem zweiten Schritt für 7 Milliarden Franken erneuert.  Da das Kostendach im Bereich Verteidigung von 5 Milliarden Franken pro Jahr nicht ausreicht, hat der Bundesrat entschieden, dass in der Finanzplanung für diesen Bereich ein Wachstum von jährlich 1,4 Prozent eingeplant wird. Damit könnten die Systeme der Armee erneuert werden. Dies sei ein eigentlicher Durchbruch, so Müller. Das Parlament hat dem Kredit für eine Evaluation bereits zugestimmt.

Die Lehren aus dem Gripen-Debakel ziehen

Nun gilt es, die Lehren aus dem Gripen-Debakel zu ziehen und die Beschaffung erfolgreich durchzuziehen. «Wir müssen über ein Prinzip, eine Anzahl Flugzeuge und über die daraus entstehenden Kosten abstimmen können», so Müller. Die Gefahr einer Volksabstimmung besteht nach wie vor. Der Vorteil beim Planungsbeschluss besteht darin, dass der ganze Planungsprozess weiter ablaufen kann. Auch dann, wenn eine Volksinitiative eingereicht werden sollte. «Mit dem Planungsbeschluss sagt der Bundesrat, worüber abgestimmt wird», erklärte Divisionär Müller zum Vorgehen.

Drohnen keine Alternative

In der Fragerunde sagte Divisionär Müller, dass Drohnen und Robotik zwar Zukunft haben, jedoch für den Luftpolizeidienst keine Alternative sind. «Wir haben erst dann Gewissheit, wenn der Pilot das Flugzeug identifiziert hat», so Müller.

Die Beschaffung osteuropäischer Flugzeugtypen seien ebenfalls keine Alternativen, sagte Müller auf eine entsprechende Frage aus dem Publikum. Flugzeuge sind komplexe Systeme, die Industrienormen der osteuropäischen Hersteller sind andere. Bezüglich Kompensationsgeschäfte bei der Flugzeugbeschaffung ist es für Divisionär Müller wichtig, dass die Industrie hinter der Beschaffung steht. Der Bundesrat hat entschieden, dass die Beschaffung zu 100 Prozent kompensiert wird.

Abschliessend betonte Luftwaffen-Kommandant Müller: «Wir werden alles daran setzen, das für die Schweiz optimale Kampfflugzeug zu beschaffen!»

Unternehmerisches Gespräch vom 30. Mai 2018 «Die Zukunft der Schweizer Luftverteidigung» mit Divisionär Bernhard Müller, Kommandant Luftwaffe; Moderation: Andreas Widmer, Aktionsfeld Sicherheit & Armee.

Zur Person Bernhard Müller

Divisionär  Bernhard Müller ist seit 1. Januar 2018 Kommandant der Schweizer Luftwaffe und in dieser Funktion verantwortlich für die Grundbereitschaft, die Ausbildung und den Einsatz der Luftwaffe. Zur Luftwaffe gehören die Operationszentrale Luftwaffe, die Luftwaffen-Ausbildungs- und Trainingsbrigade der Lehrverband Fliegerabwehr 33 und die fünf Flugplatzkommandos. Divisionär Müller war Cheffluglehrer bei der Einführung des Helikopters Super Puma. Müller nahm als Projektleiter an verschiedenen Lufttransportoperationen im Ausland teil wie beispielweise 1999 bei der Operation ALBA in Albanien, bei verschiedenen Einsätzen im Kosovo, 2005 beim humanitären Einsatz SUMA auf Sumatra oder 2007 in Griechenland bei der Löschung von Waldbränden. Divisionär Müller fliegt aktiv Helikopter.

«Wir setzen alles daran, dass die Schweiz das optimale Kampfflugzeug erhält!»
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mime file icon Präsentation von Div Bernhard Müller (4 MB)

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