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«Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit Lilienberg!»

16.01.2019

Petronella Vervoort ist seit dem 1. August 2018 Geschäftsführerin der Ernst Schmidheiny Stiftung, nachdem sie zuvor den Themenkreis International Education & Training im Fachbereich International Business an der ZHAW geleitet hat. Über ihre neue Tätigkeit, die Aufgaben und Aktivitäten der Ernst Schmidheiny Stiftung und die künftige Partnerschaft mit dem Lilienberg Unternehmerforum spricht sie im folgenden Interview.

«Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit Lilienberg!»
Petronella Vervoort: «Ich erlebe es immer wieder, dass ich auf die Wirtschaftswochen angesprochen werde und dabei die eigene Erfahrung mitgeteilt wird. Das ist wirklich erfreulich.»

Frau Vervoort, welches sind Ihre ersten Eindrücke als Geschäftsführerin der Ernst Schmidheiny Stiftung?

Petronella Vervoort: Die Arbeit in meiner neuen Funktion bereitet mir grosse Freude und fordert mich im positiven Sinne. Mit dem Wechsel zur Stiftung bin ich meiner Begeisterung für wirtschaftspädagogische Formate gefolgt. Bereits als Schülerin an der Kantonsschule und danach als Lehrkraft und Dozentin habe ich die Programme der Ernst Schmidheiny Stiftung kennen- und schätzen gelernt. Dies hat mir den Einstieg in meine Funktion sicher  erleichtert. Und dank meiner Vorgängerin kann ich auf einer soliden Basis aufbauen. Nun freue ich mich auf die herausfordernde Aufgabe, die Stiftung zukunftsfähig zu machen und die Organisation weiterzuentwickeln. Dabei kann ich auf eine ausgezeichnet funktionierende Geschäftsstelle, ein motiviertes Expertenteam und einen engagierten Stiftungsrat zählen.

«Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit Lilienberg!»

Die Rechtsform Ihres neuen Arbeitgebers ist eine Stiftung. Hier besteht somit eine Parallele zum Lilienberg Unternehmerforum. Was zeichnet die Ernst Schmidheiny Stiftung aus?

Der Zweck der Stiftung besteht seit ihrer Gründung im Jahr 1972 darin, das Interesse und das Verständnis für betriebs- und volkswirtschaftliche Zusammenhänge insbesondere bei Jugendlichen zu fördern. Die Programme der Stiftung ermöglichen die Brückenbildung zwischen Wirtschaft und Schule. Damals, in den Siebziger Jahren, wollte man der eher wirtschaftskritischen Haltung entgegen wirken und eine betont neutrale Vermittlung von wirtschaftlichen Themen und Fragestellungen an der Schule fördern. Durch den Einsatz und die Verbindung von Mensch und Tool sollte auf spielerische und authentische Art die Neugierde und das Verantwortungsbewusstsein bei den Schülerinnen und Schülern geweckt werden. Und es zeichnet die Stiftung aus, dass ihr Engagement 47 Jahre später immer noch von Bedeutung ist. Sie hat es geschafft, die richtigen Anspruchsgruppen miteinzubeziehen und mit der Zeit zu gehen.

Ihre Stiftung führt unter anderem die so genannten Wirtschaftswochen für Schülerinnen und Schüler von Gymnasien und Schweizer Auslandschulen durch. Bisher haben weit über 120‘000 Maturanden eine Ihrer Wirtschaftswochen absolviert. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesen Wirtschaftswochen?

Diese Wirtschaftswochen an den Gymnasien bilden den Kern der Stiftungsaktivitäten. Sie werden in der Regel von den regionalen Handelskammern organisiert und zu einem Grossteil finanziert. 2018 waren rund 3700 Schülerinnen und Schüler in 170 Wirtschaftswochen beteiligt. Es handelt sich um eine Projektwoche, die von schulexternen Fachlehrpersonen aus der Unternehmenspraxis ehrenamtlich durchgeführt wird. Sie findet meist ausserhalb des Schulgeländes statt, zeitweise in den Räumen eines Unternehmens.

«Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit Lilienberg!»
Die Jugendlichen schlüpfen während der Wirtschaftswoche in die Rolle von Unternehmensleitungen und werden dabei von Fachlehrpersonen gecoacht.

Im Mittelpunkt steht das «Planspiel WIWAG». Die Simulationsplattform fordert die Schüler heraus, betriebswirtschaftliche Problemstellungen zu erkennen und unternehmerische Entscheide zu fällen. Die Konsequenzen werden unmittelbar erlebt und diskutiert. Gefördert werden die Analyse-, Beurteilungs-, Kommunikations- und spezifische Fachkompetenz, durch die Gruppendynamik aber auch die Selbst- und Sozialkompetenz. Die Fachlehrpersonen wurden vorgängig von unserer Stiftung dazu ausgebildet, das didaktische Setting zu planen, die Simulation zu bedienen sowie die Wirtschaftswoche zu leiten. Durch den Einsatz dieser Unternehmensvertreter kommen die Gymnasiasten häufig zum ersten Mal in Kontakt mit der Wirtschaftswelt. Das macht sie neugierig. Der andersartige Unterricht in der Projektwoche führt zu einer erhöhten Motivation und Aufnahmefähigkeit der Lernenden. Dies kommt auch den Schulen zugute, denn die Inhalte und Erkenntnisse bieten geeignete Anknüpfungspunkte für den Unterricht.

Wo sehen Sie persönlich das Erfolgsgeheimnis der Wirtschaftswochen, die ja insbesondere auch vom Einsatz zahlreicher Fachlehrkräfte geprägt sind?

Ein Erfolg sind sie sicher in didaktischer Hinsicht: Aufgrund der Praxis- und Führungserfahrung der Fachlehrpersonen entsteht eine einzigartige Lernumgebung und damit die Grundlage für einen echten handlungs- und problemorientierten Unterricht. Ganz nach dem Motto: «Wirtschaft erleben». Dies entspricht einem zeitgemässen wirtschaftspädagogischen Verständnis und äussert sich auch in den positiven Feedbacks der Lernenden und der Schulvertreter. Die Wirtschaftswoche bleibt den meisten noch lange in bester Erinnerung. Primär, weil sie einen willkommenen Kontrast zum Schulalltag bildet. Aber häufig bleibt eben auch ein Grundinteresse gegenüber ökonomischen Themen hängen.

Erfolgreich sind die Wirtschaftswochen aber auch in organisatorischer Hinsicht: Die vorzügliche Zusammenarbeit aller Beteiligten ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Die Handelskammern sowie die zuständigen Organisatoren sind federführend für die Durchführung der Wirtschaftswochen. Sie mobilisieren die Schulen und Unternehmen, bieten die Fachlehrpersonen auf und betreuen sie während den Wirtschaftswochen. Die Stiftung stellt die Unterlagen und die Infrastruktur für die Simulation zur Verfügung. Auch in finanzieller Hinsicht wäre die Wirtschaftswoche ohne die Beteiligung der Handelskammern, die spendenden Unternehmen und den Einsatz der Fachlehrpersonen im Milizsystem nicht tragbar.

Wie und wo rekrutieren Sie die Fachlehrpersonen?

Das ist sehr unterschiedlich. Häufig durch Mund-zu-Mund-Empfehlung aktiver Fachlehrpersonen. Sehr gut funktionieren Ausschreibungen innerhalb der Unternehmen, zum Beispiel im Rahmen von Volunteering-Programmen, oder an Informationsanlässen von Handelskammern in der Region. Die geeignete Fachlehrperson befindet sich in einer Führungsfunktion und verfügt über entsprechende Erfahrungen, kennt sich mit betriebswirtschaftlichen Fragestellungen aus und arbeitet gerne mit jungen Menschen zusammen.

Die Ausschreibung richtet sich auch an Nachwuchsführungskräfte. Frauen sind unter den Fachlehrerpersonen übrigens immer noch in der Minderheit. Falls sich nun also jemand aus dem Lilienberg Umfeld angesprochen fühlt, ist er und vor allem sie herzlichst eingeladen, sich bei uns zu melden.

Ab diesem Jahr  findet ein Teil der Ausbildung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer im Lilienberg Unternehmerforum statt. Drei Ausbildungslehrgänge sind bislang terminiert – im April, Juli und Oktober. Wie gestaltet sich eine solche Ausbildung?

Unter der Leitung von Reto Lagler, dem Programmleiter der Wirtschaftswochen, findet eine gezielte Schulung und Vorbereitung für die Wirtschaftswochen statt. Die Ausbildung verteilt sich auf zwei Einzeltage und ein Zweitagesseminar. Die Einzeltage finden in Zürich an zentraler Lage statt. An diesen Tageskursen erhalten die Teilnehmenden eine Einführung in die Spielsituation und Simulation mit unterschiedlichen Perspektiven, aus Sicht der Lernenden und aus Sicht des Spielleiters. Im intensiven Zweitagesseminar kommen weitere Spielelemente und didaktische Grundlagen hinzu. Es werden Situationen geplant, geübt und diskutiert. So können die Kompetenzen richtig vertieft und im Austausch mit der Gruppe reflektiert werden. Für einen solchen Rahmen bietet sich Lilienberg geradezu an. Die gesamte Ausbildung wird von unserer Stiftung organisiert und finanziert, inklusive allen Verpflegungen, exklusive Reise- und Übernachtungskosten.

Es ist uns natürliche eine grosse Ehre, dass Sie Lilienberg als Austragungsort der Fachlehrer-Ausbildungen gewählt haben. Weshalb fiel die Wahl auf das Lilienberg Unternehmerforum?

Das Schulungskonzept der Fachlehrpersonen wurde im vergangenen Jahr überarbeitet. Im Zuge dessen erhielt die Community-Bildung unter den Fachlehrpersonen mehr Gewicht. Lilienberg bietet meines Erachtens eine einzigartige Umgebung für arbeitsintensive Gruppenerlebnisse. So jedenfalls hatte ich Lilienberg bereits in meiner vorherigen Funktion bei der ZHAW erlebt, als ich regelmässig Intensivseminare vor Ort durchführte. Die Rückmeldungen aus mehr als 20 Jahrgängen eines Master-Weiterbildungsprogramms waren stets äusserst positiv und widerspiegeln die Vorzüge von Lilienberg. Das Raumkonzept und der professionelle Service ermöglichen ein offenes und flexibles Arbeiten.

Das Ambiente, die professionelle Betreuung sowie die erstklassige Verpflegung tragen dazu bei, dass sich der Besucher rundum wohlfühlt. Die gemütlichen Zimmer bieten gleichzeitig einen Rückzugs- und Arbeitsort. Man kann sich aber auch wunderbar im Gelände verweilen. Und das Ganze wird dem Gast fast exklusiv, im kleinen Rahmen, geboten. Ich bin sicher, dass die Teilnehmenden der Fachlehrerkurse dies zu schätzen wissen. An dieser Stelle auch ein grosser Dank an Daniel Anderes und sein Team. Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit Lilienberg.

Zurück zu den Wirtschaftswochen: Die Schülerinnen und Schüler erhalten hier die Gelegenheit, realitätsnah zu erleben, wie ein Unternehmen am Markt funktioniert. Die Jugendlichen schlüpfen während einer Woche in die Rolle von Unternehmensleitungen und werden dabei von den Fachlehrpersonen gecoacht. Gibt es Erfahrungswerte, wie viele Absolventen in der Folge tatsächlich eine Laufbahn als Unternehmer eingeschlagen und beispielsweise ein Start-up gegründet haben?

Das ist eine spannende Frage, auf die ich jedoch leider auch noch keine Antwort gefunden habe. Es wurde bisher keine solche Erhebung durchgeführt. Unsere Stiftung hat auch keinen direkten Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern. Eine entsprechende Befragung würde sich wahrscheinlich aus Datenschutzgründen schwierig gestalten.

«Wir freuen uns über die neue Partnerschaft mit Lilienberg!»
Eines der Ziele der Ernst Schmidheiny Stiftung besteht darin, bei den Gymnasiasten das Interesse für das Unternehmertum substanziell zu wecken.

Die Stiftung hat aber vor zwei Jahren eine qualitative Studie in Auftrag gegeben. Dabei konnte in Gesprächen mit Schülern, Fachlehrpersonen und Vertretern der Schulen ermittelt werden, welche Erwartungen und welche Erfahrungen mit den Wirtschaftswochen verbunden werden. Demnach wurde zumindest das Interesse für das Unternehmertum substanziell geweckt.

Sind Ihnen vielleicht sogar unternehmerische Persönlichkeiten bekannt, die ihre ersten Erfahrungen als Unternehmer einst  in einer Wirtschaftswoche der Ernst Schmidheiny Stiftung gesammelt haben?

Mir fällt kein Name ein, den ich hier - auch ohne Rücksprache - nennen könnte. Aber ich erlebe es immer wieder, dass ich auf die Wirtschaftswochen angesprochen werde und dabei die eigene Erfahrung mitgeteilt wird. Das ist wirklich erfreulich.

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