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«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»

Ernst Hilfiker 13.11.2018

165. Lilienberg Gespräch mit
Prof. Dr. Martin Killias, Strafrechtsprofessor und Kriminologe, Präsident Schweizer Heimatschutz

Martin Killias ist Jurist und Heimatschützer – beides sehr engagiert, was sich in prononcierten Aussagen zeigt. So wünscht er sich in beiden Gebieten mehr Strenge, wie die Zuschauer des Lilienberg Gesprächs erfuhren. 

«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»
Erstaunliche Aussage von Prof. Dr. Martin Killias am Lilienberg Gespräch: «Mein Platz wird einmal oben in der Hölle sein!»

Ein Gast, der hauptsächlich in zwei Gebieten unterwegs sei, «in denen er sich einen Namen gemacht hat»: So führte Moderator Christoph Vollenweider Prof. Dr. iur. Dr. h.c. Martin Killias ein. Die zwei grossen Gebiete sind das Strafrecht und der Heimatschutz – Sparten, die für viele Menschen trocken tönen mögen, denen Killias bei seinem Auftritt jedoch ungemein viel Leben und vor allem auch Lebensnähe einhauchte.

Falsche Prioritätensetzung im Strafrecht

Im ersten Teil des Gesprächs ging es ums Strafrecht. Wie sich dieser Teil des Rechts in den vergangenen 50 Jahren entwickelte, damit hat Killias «etwas Mühe». Es werde heute im Umgang mit Beschuldigten viel zu viel Gewicht auf Behandlung gelegt und zu wenig auf Strafen, Rechtsdurchsetzung und das Wiederherstellen von Gerechtigkeit. Doch es brauche Strafen, denn, so die Überzeugung des Gastes aufgrund von Jahrzehnten Erfahrung auf diesem Gebiet, «wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend». 

Kurz: Killias glaubt an den Erfolg von Auflagen und Strenge. Und das oft gehörte Argument, ein Gefängnisaufenthalt lasse die Betroffenen danach nie wieder richtig Fuss fassen, «das stimmt einfach nicht».

Digitale Täterfrüherkennung: «problematisch»

In jüngster Zeit wird vermehrt versucht, Straftaten gar nicht erst entstehen zu lassen, und zwar, indem man mithilfe von Big Data Risikoerkennungssysteme aufbaut und dann eben zuschlägt, bevor etwas passiert. Solche Instrumente seien «problematisch», findet Kriminologe Killias. Denn diese Risikoraster würden primär aufgrund von Studien erstellt, deren Ergebnisse jedoch gar nicht alle Eigenheiten eines Straftäters abbilden könnten. So seien diese Systeme «bei weitem nicht perfekt», ja «einfach nicht seriös», schon gar nicht für langfristige Prognosen. Und wenn eine solche Risikobeurteilung erst einmal auf nationaler Ebene eingeführt werde, dann sei zu befürchten, dass das System «nicht mehr verbessert wird», was fatal wäre.

Abschreckend uniformes Bauen

Bevor Martin Killias im zweiten Teil des Lilienberg Gesprächs sich dann ebenso prononciert zum Heimatschutz äusserte, blickte er kurz auf seine Jugend zurück. Hier bleibt ihm das Gymnasium in ganz schlechter Erinnerung: «Es war eine tote Zeit». Sein Berufswunsch habe damals gelautet «Rechtsanwalt und Nationalrat» – das erste schaffte er, das zweite nicht, obschon er zweimal kandidierte. Im Rahmen seiner Beschäftigung mit der Juristerei wandte er sich auch dem Verwaltungsrecht und von da dem Heimatschutz zu, driftete vorerst aber ab Richtung Kriminologie.

Seit rund eineinhalb Jahren ist er jedoch Präsident des Schweizer Heimatschutzes und damit gemäss seiner Einschätzung ein Mann, dem ein übles Ende blüht. Denn «mein Platz wird einmal in der Hölle sein», wie er zum Erstaunen der Zuhörer prognostizierte. Weshalb in der Hölle? «Weil mich der Teufel braucht, um die Bauleute zu bestrafen.» Die Bauleute, die heute das ganze Land mit Gebäuden im selben Stil überziehen, die «Schuhschachtel-Architektur» umsetzten und damit für eine Uniformität sorgten, die schlicht «etwas Schreckliches» sei.

Killias wünschte sich, dass  «die Identität unseres Landes, unserer Dörfer zu wahren» ein Anliegen von Politikerinnen und Politikern aus allen Ecken wird. Und dass, wer baut, nicht die Individualität über alles stelle, sondern dass  «aufs Ganze, auf die Siedlung» geachtet werde, sodass ein einheiltiches Bild etwa eines Strassenzugs entstehe.

Hoffen auf weniger bedingte Strafen

Die Ausführungen von Killias sorgten für eine Reihe von Fragen aus dem Publikum, erstaunlicherweise die meisten zum Thema Heimatschutz. Beim Strafrecht interessierte einzig, weshalb denn die Gerichte so häufig Entscheide fällten, welche das Volk nicht mehr nachvollziehen kann, zum Beispiel, wenn eine recht schwere Tat nur eine geringe Stafe zur Folge hat. Ein Umstand, der auch Killias stört. Hier müsse  «der Gesetzgeber eingreifen», es dürfe nicht mehr derart viele bedingte Strafen geben. Dass dieses Anliegen in Erfüllung geht, «da habe ich Hoffnung».

165. Lilienberg Gespräch vom 8. November 2018 mit Prof. Dr. Martin Killias, Strafrechtsprofessor und Kriminologe, Präsident Schweizer Heimatschutz; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Der Mensch, verführt von der Gelegenheit

«Ist der Mensch von Natur aus schlecht oder lediglich unvollkommen?» Es war eine der grossen philosophischen Fragen, mit denen Moderator Christoph Vollenweider das Gespräch mit Martin Killias eröffnete. Killias‘ Antwort war relativ einfach: «Die Menschen nutzen Gelegenheiten einfach aus – im Guten wie im nicht so Guten.» Und auch wenn sich die meisten Leute durchaus wohl verhielten, so «darf man von Menschen keine Heiligkeiten erwarten». Deshalb «braucht es Kontrollen», zum Beispiel auch im Finanzwesen einer Firma, sonst sei die Verführung zu eben nicht so guten Handlungen zu gross.

«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»
«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»
«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»
«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»
«Wenn es negative Konsequenzen gibt, ist das verhaltenssteuernd und abschreckend»
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