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Viele Baustellen und kein Ende

14.06.2018

162. Lilienberg Gespräch mit Anton Affentranger, CEO Implenia AG

Anton Affentranger machte Karriere auf der Bank und wechselte später ins Bauwesen. Er war Verwaltungsratspräsident der Implenia AG und ist heute CEO derselben Firma, die rund 4000 Baustellen betreut. Seine Entscheide bereut er nicht. An einem Lilienberg Gespräch erklärte er, warum das so ist, sprach über das Image der Schweiz und Aufträge, die er nicht annahm. 

Viele Baustellen und kein Ende
Implenia-CEO Anton Affentranger (rechts) im Gespräch mit Moderator Christoph Vollenweider.

Am Morgen weilte er noch am Genfersee – am Abend war er in Ermatingen am Untersee. Anton Affentranger, CEO der Baufirma Implenia, nahm speziell für das Unternehmerforum den Weg quer durch die Schweiz auf sich und stellte sich verblüffend offen den Fragen von Moderator Christoph Vollenweider. Implenia, ein Unternehmen mit rund 8000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von rund 3,3 Milliarden Franken prägt das Bauwesen in der Schweiz, aber auch in Deutschland, Österreich, Norwegen und Schweden. Das Stadion Letzigrund, das Dolder Grand in Zürich, das Kernkraftwerk Gösgen, der Uetlibergtunnel Gänziloo, der Gotthard-Basistunnel und viele weitere namhafte Bauten stammen von der Implenia, dem grössten Bauunternehmen der Schweiz.

Anton Affentranger, ehemaliges Mitglied der Generaldirektion der Schweizerischen Bankgesellschaft, war gegen die Fusion mit dem Bankverein und wechselte kurze Zeit später ins Bauwesen. Dort gefällt es ihm und er sagte: «Ich bin fasziniert von der realen Welt. Beim Bau geht es um Konkretes. Ich kann vieles lernen und besuche wöchentlich eine der 4000 aktuellen Baustellen unserer Firma.» Dabei setzt er sich mit dem Bau auseinander, lässt sich von Ingenieuren informieren und sucht das Gespräch mit dem Polier oder dem Bauarbeiter. Nur mit diesem Austausch könne er verstehen, was und wie gebaut werde.

Das Wissen, wie die Baubranche funktioniert, ist für den CEO und Marathonläufer – er spult die 42 Kilometer in 3 Stunden 49 Minuten ab – zentral. Erst kürzlich wurde bekannt, dass bei Bauten im Unterengadin Preisabsprachen unter den Firmen stattfanden. Er gehe davon aus, dass das Thema noch nicht erledigt sei, sagte er. Es ist dem CEO auch bewusst, dass «wir in der Schweiz in dieser Beziehung nicht immer sauber sind.»

Pünktlichkeit und Schweizer Image

Trotzdem zerrt die Schweiz im Ausland von ihrem guten Image. Schweizer Unternehmer sind bekannt für ihre pünktliche Arbeit. Eine Ausnahme bildet da vielleicht die Baubranche, weil diese immer wieder – auch wetterbedingt – mit Verzögerungen rechnen muss. Nach der Einweihung eines Hochhauses in Turin schrieb ein italienischer Journalist, dass man froh sein könne, dass eine Schweizer Baufirma das Gebäude realisiert habe, denn die Firma hätte es pünktlich fertiggestellt. Affentranger sagte zu dieser Aussage, dass der Bau genau ein Jahr später fertig gewesen sei als geplant. Der Journalist sei wohl davon ausgegangen, dass Schweizer immer pünktlich seien. Der CEO meinte: «Die Schweiz hat halt im Ausland immer noch einen Top Namen. Doch der Name ist besser, als wir tatsächlich sind.»

Als Beispiel für qualitativ gute Facharbeit nennt er Ingenieure aus Frankreich. Implenia ist am Bau einer Ringbahn um Paris beteiligt und suchte Ingenieure aus der Schweiz, die nach Frankreich gehen, um dort diesen Bau zu realisieren. «Ich habe niemanden gefunden, der in Paris arbeiten wollte. Das fand ich sehr bedenklich und musste dann französische Ingenieure anstellen», erzählte er.

Richtige Preisberechnung ist das A und O

Noch grösser seien die Probleme bei Bauprojekten im Iran, wie die anschliessende Diskussion auf Lilienberg zeigte. «Wir hatten Anfragen aus dem Iran, aber auch eine aus den USA, um eine Mauer an der Grenze von Mexiko und den Vereinigten Staaten zu bauen. Wir lehnten all diese Anfragen ab», sagte Affentranger, dessen Familie ursprünglich aus der Region Bodensee stammt. Bauprojekte im Iran seien mit hohen Risiken verbunden und bräuchten Leute, die sich vor Ort auskennen. Diese Kapazitäten hat die Implenia nicht. Einen weiteren Grund für die Absage ist die Kalkulation: Ganze Teams berechnen monatelang die Kosten; liegen sie einmal bei einem Grossprojekt daneben, kann die Fehlkalkulation grosse wirtschaftliche Folgen für das Unternehmen haben.

Auch die Digitalisierung ist im Bauwesen ein Thema. Roboter werden gemäss Affentranger nicht den Maurer ersetzen, doch bei den Planern und Architekten sieht er eine Entwicklung hin zur Digitaliserung. Bei der Vermessung kann es bereits vorkommen, dass Drohnen die Abstände aufnehmen.

Anton Affentranger ist nun 62 Jahre alt. Die ganz grosse Entwicklung hin zur Digitalisierung wird er wohl bei der Implenia nicht mehr mitmachen. Er wollte mit 60 Jahren aufhören und plant nun seine Nachfolge.

162. Lilienberg Gespräch vom 4. Juni 2018 mit Anton Affentranger, CEO Implenia AG; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Zur Person Anton Affentranger

Die Sturheit stamme vom Vater – das Temperament von der Mutter, beschrieb Anton Affentranger seine Person. Während dem spanischen Bürgerkrieg verliess seine Mutter Saragossa und flüchtete nach Südamerika. Dort lernte sie ihren Mann kennen, der aus der Zentralschweiz stammt und als Käser arbeitete. Als Anton Affentranger 13 Jahre alt war, kehrte die Familie in die Schweiz zurück und Affentranger besuchte das Internat in Beromünster.

Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften arbeitete er bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) in New York, Hongkong sowie Genf, bei der Genfer Privatbank Lombard Oldier & Cie, der Roche Holding AG und wechselte dann ins Bauwesen. Von 2006 bis 2011 war Affentranger Präsident des Verwaltungsrates der Implenia. Danach wechselte er die Seite: Er machte den Sprung vom Verwaltungsratspräsidenten zum CEO. Affentranger ist auch Gründer der Affentranger Associates AG, die sich auf das Thema Wertschöpfung konzentriert.

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