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SRF-«Wettergott»: «Die strategischen Auswirkungen der Klimaveränderungen sind massiv!»

Andreas Widmer 17.09.2018

Das Wetter ist immer ein Gesprächsthema, und über die Sicherheit sollte man sich wohl öfters austauschen. An einem vielbeachteten Anlass auf Lilienberg stellte Dr. Felix Blumer, Meteorologe bei SRF Meteo und Oberst der Schweizer Armee, die beiden Themen Wetter und Sicherheit in einen direkten Zusammenhang.

SRF-«Wettergott»: «Die strategischen Auswirkungen der Klimaveränderungen sind massiv!»
Dr. Felix Blumer: Die Klimaveränderungen haben auch einen bedeutenden Einfluss auf die Landwirtschaft.»

Das Wetter und seine Vorhersage beeinflussten seit jeher den Ausgang von bedeutenden Feldzügen und hatte somit eine grosse Bedeutung auf den Fortgang der Weltgeschichte: Auf Grund grosser Regenfälle ergaben sich bei der Schlacht von Waterloo im Jahr 1815 Verzögerungen bei den französischen Truppenbewegungen und die Kanonen konnten nicht richtig verschoben werden. Dies trug zur Niederlage Napoleons bei. 1941 blieb die deutsche Wehrmacht beim Russlandfeldzug im Schlamm stecken. Die japanische Stadt Kukura entging am 9. August 1944 einem Atombombenabwurf wegen schlechter Wetterbedingungen – dafür traf es Nagasaki.

Die wohl wichtigste Wetterprognose der Weltgeschichte war jene für den 6. Juni 1944. Diese (mutige) Prognose sagte eine kurzzeitige Wetterberuhigung während den längeren Sturmphasen voraus – gestützt darauf entschied General Eisenhower «Let’s go» und startete die Invasion an der Normandie.

Prognosen von Menschen für Menschen

Im Alltag sind Wetterprognosen wichtig für die Landwirtschaft, den Verkehr oder unsere Freizeitgestaltung. Selbst bei den immer genaueren Messdaten und modernsten Computersimulationen bleiben für die Vorhersagen immer noch Kompetenz und Erfahrung der Meteorologen entscheidend. Diese müssen die Wetterdaten für die Laien verständlich machen. «Leider ergeben sich dabei trotzdem bei 15 Prozent der Vorhersagen noch Fehler», sagte Felix Blumer am Lilienberg Anlass. In der Schweizer Armee befassen sich rund 250 Personen der Wetterabteilung 7 mit dem Wetter und stellen insbesondere bei grossen Ereignissen wie dem WEF oder für die Nationale Alarmzentrale den Meteorologischen Dienst sicher.  

Langfristig haben sich im Verlauf der Jahrtausende stets grosse Temperaturschwankungen ergeben. Eine besonders rasante Temperaturerhöhung ergab sich seit dem industriellen Zeitalter. In der Schweiz betrug diese Zunahme über die vergangenen 100 Jahre laut Blumer insgesamt 1,3 Grad. Auch beim Niederschlag ergibt sich eine konstante Zunahme, allerdings begleitet von einer Abnahme in den kontinentalen und subtropischen Gebieten.   

China, USA und Indien als grösste Klimasünder

Aufgrund der Messresultate der Vergangenheit und der Interpretation zahlreicher Indikatoren befassen sich zahlreiche Fachgremien mit der künftigen Entwicklung des Klimas, erläuterte Felix Blumer. Ein grundlegender Wert sei der Verlauf der globalen CO2-Emissionen. Die grössten Klimasünder, also die Staaten mit dem höchsten Kohlendioxidausstoss, sind China, die USA und Indien. Vorwiegend aus politischen Gründen sind die USA und Kanada aus dem Abkommen von Paris, mit welchem 195 Staaten gemeinsam diese Emissionen begrenzen wollten, ausgestiegen.

Bezogen auf unser Land rechnen Fachleute wie Blumer damit, dass ich bis ins Jahr 2050 eine weitere Temperaturzunahme von 1,8 Grad im Winter und von 2,7 Grad im Sommer ergeben wird.

Die Arktis taut auf

Die Klimaveränderungen haben auch strategische Folgen: Durch das Auftauen des nördlichen Meereises werden neu die Seewege in der Arktis schiffbar. Bedeutsam ist dabei insbesondere die Nordostpassage (nördlich um Russland herum) von Europa nach Japan und China, mit der sich eine massive Verkürzung von über 5000 Kilometer gegenüber den klassischen Routen durch den Indischen Ozean und den Suezkanal ergibt. Die Arktis werde laut Blumer aber auch wegen der besser zugänglichen Rohstoffe (Erdöl, Erdgas, Erze) zu einem strategischen Schlüsselraum. Russland unternehme hier grosse Anstrengungen, um sich seine Machtposition zu sichern.

Nicht zu unterschätzen seien zudem die sich auch wegen des Klimas verschlechternden Lebensbedingungen im Mittelmeerraum und im Nahen Osten. «Dies bewirkt eine Zunahme der Migration aus dem Süden nach Europa.»

Nachholbedarf im Hochwasserschutz

Zurück zur Schweiz: Hier dürfte die Schneefallgrenze weiter ansteigen, ist Felix Blumer überzeugt, «weshalb die Wintersportgebiete vermehrt auf den Einsatz moderner Beschneiungsanlagen angewiesen sein werden.» Wichtig seien die prognostizierten Niederschlagsveränderungen. Diese gehen von einer saisonalen Umverteilung aus: Im Frühjahr und Spätwinter wird mit einer Zunahme, im Sommer mit einem Rückgang gerechnet. Blumer: «Das hat bedeutenden Einfluss auf die Landwirtschaft, etwa in Bezug auf die Bewässerung der Kulturen.» Sicherheitsrelevant ist die Zunahme der Ereignisse mit Extremniederschlägen und Hochwasser. «Somit ergibt sich ein grosser Nachhohlbedarf bei den Kanalisationsbauten, im Hochwasserschutz und der Fassadenbautechnik.»

Apokalypse oder dummes Geschwätz?

Seit der Vorstellung des Berichts des UNO-Klimarats im 2006 ist die globale Erwärmung ein mediales Megathema. Während einige die Meinung vertreten, die Klimaveränderung werde in der Öffentlichkeit zu hysterisch diskutiert, sind nicht wenige (richtigerweise) der Überzeugung, die Bedrohung werde sogar noch unterschätzt. Die Fakten sind jedoch klar, und letztlich sei unerheblich, wie gross der Anteil des Menschen an der Erwärmung ist, so Felix Blumer. «Ein sparsamer Umgang mit den Ressourcen und eine Reduktion des CO2-Ausstosses sind zwingend notwendig. Der Globus wird die Erwärmung mit Sicherheit überleben. Doch übersteht der Mensch die Erwärmung auch?»

Zyklus «Innere Sicherheit»; Unternehmerisches Gespräch vom 4. September 2018 «Klimawandel: unterschätzter Einfluss auf unsere Sicherheit» mit Dr. Felix Blumer, Naturwissenschaftler, Meteorologe bei SRF; Moderation: Andreas Widmer (Aktionsfeld Sicherheit & Armee).

Hörtipp: «Die Wetterwoche»

Jeden Samstagmorgen um 9.15 Uhr wirft Dr. Felix Blumer auf Radio SRF 1 einen Blick auf spezielle Wetterereignisse der vergangenen Woche und erklärt den meteorologischen Hintergrund. Im zweiten Teil der Rubrik geht er ausführlich auf das Wochenendwetter ein und wirft einen Blick auf den Wettertrend der kommenden Woche.

Unter dem folgenden Link können die Sendungen der vergangenen Monate nachgehört werden: www.srf.ch/sendungen/die-wetterwoche

SRF-«Wettergott»: «Die strategischen Auswirkungen der Klimaveränderungen sind massiv!»
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