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Methanol als CO2-neutraler Stromspeicher: Eine geniale Idee wirft Fragen auf

Fritz Bächi 17.10.2015

Mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie verliert die Schweiz 40 Prozent ihrer Stromproduktion. Trotz Effizienz- und Sparmassnahmen wird der Energiebedarf aber weiter steigen. Kreative Lösungen sind gefragt. Die vom Bundesrat vorgesehene Förderung von Solar- und Windenergie wird aber nur zum Ziel führen, wenn auch die Speicherung des so gewonnenen Stromes sichergestellt werden kann. Denn nicht die Produktion, sondern die Speicherung der Energie ist die grosse Herausforderung. Dank einer genialen Idee könnte es aber möglich sein, künftig unseren Energiebedarf umweltfreundlich zu decken. Das Zauberwort heisst Methanol.

Methanol als CO2-neutraler Stromspeicher: Eine geniale Idee wirft Fragen auf
Prof. Dr. Urs Weidmann, CEO von Silent-Power, erklärt den Teilnehmenden, wie unser Energiebedarf in Zukunft ökologischer und ökonomischer gedeckt werden könnte.

Mark Zimmermann, Innovation Manager im «Praxislabor für Intelligenz im Gebäude» der EMPA, stellte kürzlich fest: «Saisonale Energiespeicherung klappt erst ausreichend bei Erdreichspeicherung. Brauchbare Stromspeicherkonzepte sind noch nicht verfügbar.» Genau hier setzt Prof. Dr. Urs Weidmann, CEO und Inventor der Silent-Power AG in Cham, an. Er geht davon aus, dass es zwar genügend Energie gibt, dass diese aber sinnvoll gespeichert und transportiert werden sollte. Seiner Meinung nach ist Methanol die kostengünstigste und umweltfreundlichste Lösung, um Energie zu speichern. Um die flüssige Energie wieder in Strom umzuwandeln, hat Silent-Power das hoch effiziente Kleinkraftwerk Econimo (Energy Converter Integral Module) entwickelt, das neben Strom auch Wärme erzeugt, die wiederum zur Heizung oder Kühlung von Gebäuden verwendet werden kann. Professor Weidmann erläuterte anfangs Oktober sein Konzept auf dem Lilienberg.

Temperaturanstieg muss gebremst werden

Laut Weidmann besteht das für die Menschheit grösste Problem heute darin, «dass durch den global zunehmenden CO2-Ausstoss die durchschnittliche Temperatur auf unserem Planeten kontinuierlich ansteigt.» Fakt ist: 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen vor rund 130 Jahren. Und 2015 werde wohl noch wärmer, so Weidmann. Im vergangenen Spätsommer hat man sich an einer Klimakonferenz auf eine maximal noch tolerierbare globale Temperaturerhöhung um 2 Grad Celsius geeinigt. Nach Modellrechnungen beginnt bei einem noch höheren Wert der tropische Regenwald im Amazonas-Gebiet auszutrocknen und abzusterben, «was einen kaum mehr gutzumachenden Verlust für die Sauerstoffproduktion auf der Erde zur Folge hätte.» Schätzungen gehen davon aus, dass als Resultat mehr als 20 Prozent Sauerstoffproduktion wegfallen würde.

CO2-Ausstoss muss radikal sinken

Das Bundesamt für Energie liess berechnen, dass - sofern wir einen Temperaturanstieg von maximal 2 Grad analog der EU einhalten wollen – in unserem Land eine CO2-Reduktion um 70 Prozent gegenüber dem Ausstoss von 2010 realisiert werden müsste. Ein unglaublicher Kraftakt, wenn man bedenkt, dass, würde man die gesamte inländische Strassenverkehrsmobilität auf Elektroantrieb umstellen (also neben Elektroautos auch elektrische Busse und Lastwagen),  erst knapp die Hälfte der notwendigen CO2-Reduktion erreicht wäre.

Eine ins Gewicht fallende Reduktion des CO2-Ausstosses ist nur möglich, wenn die fossilen Brenn- und Treibstoffe vollumfänglich durch eine synthetische, CO2-neutrale Flüssigkeit ersetzt werden: Der ideale Kandidat heisst Methanol, also den Alkohol mit dem einfachsten Molekülaufbau (CH4O). Methanol ist übrigens heute schon die nach Rohöl weltweit am meisten gehandelte Flüssigkeit. «Silent-Power führt Methanol erstmals im Energiebereich ein, und zwar zur Produktion von Strom», sagte Professor Weidmann. Ziel sei es, in den nächsten Jahren unsere ans Ende ihrer Lebensdauer gekommenen Atomkraftwerke durch eine viel ökonomischere Lösung zu ersetzen: Die Lösung von Silent-Power kostet laut Weidmann weniger als 8 Prozent des Investitionsbedarfs für fünf neue Atomkraftwerke.

Weidmann ortet in seinem Konzept, das tausende dezentrale Kleinkraftwerke vorsieht, sehr viele Vorteile: «So ist die Umwandlung von Strom in Methanol und zurück in Strom CO2-neutral. Das flüssige Methanol lässt sich mit vorhandenen Tankzügen und Lastwagen problemlos und mit geringster Umweltgefährdung transportieren, Hochspannungs-Überlandleitungen würden überflüssig.» Weiter könne Strom dank Econimo-Wandlern sowohl stationär für die Versorgung von Gebäuden als auch mobil in Elektrofahrzeugen erzeugt werden. Für die Energieversorgung brauche es nur ein einziges Logistiksystem und nicht wie heute riesige Stromnetze und verschiedenste Verteilmöglichkeiten für Treibstoffe, Heizöl oder Erdgasleitungen.

Viele offene Fragen bleiben

Dennoch bleiben Fragen offen, wie zum Beispiel: Was kostet ein Liter Methanol wirklich, wenn neben den Prozess- auch die Anlage- und Finanzkosten mitgerechnet werden? Oder: Wie gross ist der Energieeinsatz, um einen Liter Methanol herzustellen, und wie sieht dabei die Gesamtenergiebilanz aus? Oder: Warum müssen die Econimo-Wandler heute noch mit aus Erdgas, also fossilen Energieträgern stammendem Methanol betrieben werden? Und schliesslich: Bis wann ist eine wirtschaftliche synthetische Methanol-Erzeugung im grossen Stil und damit eine wirklich CO2-neutrale Stromproduktion möglich? 

Zyklus «Innovationen im Energie- und Umweltbereich – Ja, aber wie?»; Unternehmerisches Gespräch «Silent-Power: Die Einführung von Methanol, des zukünftigen CO2-neutralen Brenn- und Treibstoffs» vom 2. Oktober 2015; mit Prof. Dr. Urs A. Weidmann, CEO und Inventor, Silent-Power AG, Cham; Moderation und Zusammenfassung: Fritz Bächi (Aktionsfeld Gesundheit & Umwelt).

Nicht bloss eine Vision

Der Anlass auf Lilienberg hat gezeigt, dass es künftig möglich sein könnte, unseren Energiebedarf dank einer genialen Idee umweltfreundlich zu decken. Dass diese Idee mehr als eine blosse Vision ist, bestätigt auch die Tatsache, dass Silent-Power im August 2015 den renommierten «5th Asia best CSR Practices Award 2015» in der Kategorie «Best Environment Friendly Project» erhalten hat. Der Preis wird von der Organisation CSR (Corporate Social Responsibility) vergeben. Silent-Power hat gegen die gesamte Konkurrenz in Asien (Japan, China, Indien, Indonesien, Philippinen, Malaysia und Vietnam) gesiegt.

Silent-Power wird an der Bau+Energie Messe in Bern vom 26. bis 29. November 2015 mit einem Stand vertreten sein. Mehrere Fachleute werden dort gerne und kompetent Fragen beantworten. 

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