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Alexander Boldachevs Harfenklänge bezauberten das Lilienberg Publikum

13.06.2019

Der russische Harfenist Alexander Boldachev bestritt diesen Sommer im Lilienberg Unternehmerforum ein Rezital unter dem Motto «Von Russland in die Schweiz». Boldachev gilt als einer der brilliantesten Harfenisten der Gegenwart und erfreute mit einer bunten Palette von melodiösen Werken bekannter russischer Komponisten aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie mit selbst geschriebenen Stücken.

Alexander Boldachevs Harfenklänge bezauberten das Lilienberg Publikum
Alexander Boldachev trat in einem Konzertkleid aus Indonesien auf. Er ist weltweit einer der erfolgreichsten Harfenspieler der Gegenwart. Links Moderatorin Eva Oertle.

Fünf Jahre nach dem Auftritt der italienischen Künstlerin Consuelo Giulianelli stand am Abend des 11. Juni 2019 erneut ein Harfenspieler im Mittelpunkt eines Lilienberg Rezitals: Der junge Russe Alexander Boldachev war eine Attraktion und begeisterte das Publikum in mehreren Solostücken. Er überraschte aber auch als versierter Bearbeiter mit Musik, die im Original auf dem Cembalo, dem Klavier oder gar im Orchester zu hören ist.

Die Harfe revolutioniert

Gäbe es die Harfe nicht bereits, Alexander Boldachev hätte sie vermutlich erfunden. Zweifellos aber hat er die Musik auf dem einst sagenumwobenen Instrument revolutioniert, indem er mit seinem virtuosen Spiel neue Literatur erobert und der Harfe als Soloinstrument betörende, magische Klangwelten zu entlocken vermag.

Ein Walzer von Dimitri Schostakowitsch, der Tanz der Ritter aus dem Ballett «Romeo und Julia» von Sergej Prokofieff und die bekannten Volkslieder «Die Lerche» von Michael Glinka, dem «Vater der russischen Musik», und «Die Nachtigall» von Alexander Alabjeff zeigen exemplarisch das Können Boldachevs. Feinsinnige Agogik, Stimmungszauber und raffinierte Klangfarbenkunst, das Ganze gepaart mit einer unangestrengt wirkenden Virtuosität zeichnen sein Spiel aus. Und bei der selbstkomponierten, leidenschaftlich vorgetragenen Fantasie über Themen aus Igor Strawinskys «Petruschka», einem Klassiker des 20. Jahrhunderts, fächerte Boldachev den Klang seiner Harfe orchestral auf.

Orchestral wurde es auch beim brillianten Vortrag der wunderschönen Fantasie über Themen aus der erfolgreichen Tschaikowsky-Oper «Eugen Onegin» - für Harfe stimmungsvoll arrangiert von der russischen Harfenistin Ekaterina Walter-Kühne -, als der Virtuose auf seinem Instrument das Klangvolumen eines ganzen Orchesters herbeizaubern konnte.

Erinnerungen an Kindheitserlebnisse in der Schweiz

Mit der Schweizer Suite op. 32 gelangte schliesslich ein von Boldachev komponiertes Werk zur Uraufführung – ein Novum in der 30-jährigen Geschichte des Lilienberg. Das Publikum kam in den Genuss von musikalisch eindrucksvoll umgesetzten Kindheitserinnerungen des Künstlers an seine ersten Ausflüge in die Schweiz, die ihn zu verschiedenen faszinierenden Sehenswürdigkeiten führten: zum Schloss Chillon, in den Bärengraben nach Bern, auf die Kapellbrücke in Luzern, zur Teufelsbrücke in der Schöllenen-Schlucht oder an den Zürichsee mit seinen unterschiedlichen Stimmungen und Facetten.

Auch für diese Darbietung gab’s zu Recht anerkennenden Applaus. Die Zuhörer waren von den klangintensiven Möglichkeiten der Harfe sichtlich berührt. Der Funke war längst übergesprungen, und die Begeisterung im Lilienberg Zentrum lag in der Luft, als Boldachev ganz zum Schluss als Zugabe den Welthit «Bohemian Rhapsody» von Freddie Mercury anstimmte.

Als Fazit lässt sich festhalten: Der gut 90-minütige, von Eva Oertle moderierte Konzertabend zeigte Harfenspiel in ungewöhnlicher Breite. Dafür bog, krümmte oder verrenkte der Virtuose, der seit drei Monaten auch das Schweizer Bürgerrecht besitzt, die Finger in höchster Akrobatik, oder er liess mit der flachen Hand die Saiten hallen. Kurz: Alexander Boldachev ist einer der weltweit bedeutendsten Harfenspieler. Das war auch im Lilienberg Zentrum deutlich zu spüren.

Lilienberg Rezital vom 11. Juni 2019 mit Alexander Boldachev (Harfe); Gastgeber: Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Susanne Rau-Reist; Moderation: Eva Oertle Zippelius.

Der Künstler

Der 29-jährige Alexander Boldachev, ursprünglich aus Sankt Petersburg (Russland) stammend, erhielt die erste musikalische Ausbildung im Musik-Lyzeum beim Sankt Petersburger Konservatorium in der Klasse «Harfe» und «Komposition». Er war später Absolvent der Zürcher Hochschule der Künste. Eine Ausbildung absolvierte er auch bei verschiedenen Meistern der Harfenspielkunst.

Die Konzerttätigkeit begann Sasha Boldachev im zarten Alter von fünf (!) Jahren an einem Kinderweichnachts-Festival, und kurz darauf schuf er auch seine ersten kompositorischen Werke. Als 9-Jähriger startete er mit einem Konzert mit dem Litauischen Staatlichen Sinfonieorchester seine internationale Karriere.

Er ist Preisträger von zahlreichen internationalen Wettbewerben für Harfenspieler und Komponisten, wurde mehrfach gewürdigt mit Auszeichnungen auf dem Gebiet der Kultur, darunter mit dem British Brilliant Talent und dem Europäischen Förderpreis für junge Künstler der Europäischen Kulturstiftung Pro Europa. 2015 gewann er den «Kleinen Prix Walo» des Schweizer Fernsehens.

Das kompositorische Hauptschaffen von Boldachev konzentriert sich auf die Erweiterung des Harfen-Repertoires durch eigene Werke und Bearbeitungen für Harfe.

Boldachev unternahm in den vergangenen Jahren mehrere Tourneen und unterrichtet Meisterklassen in Europa, Südamerika und Asien. Im Sommer 2018 wirkte er mit einer eigenen Komposition für Harfe solo bei der Eröffnungsfeier der Fussball-Weltmeisterschaft in Moskau mit.

Alexander Boldachevs Harfenklänge bezauberten das Lilienberg Publikum
Alexander Boldachevs Harfenklänge bezauberten das Lilienberg Publikum
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