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«Ich war immer Unternehmerin»

Ernst Hilfiker 21.11.2019

174. Lilienberg Gespräch mit Dr. Regula Pfister, ehemalige Geschäftsführerin und Verwaltungsratspräsidentin ZFV-Gastro-Unternehmungen

Sie war Angestellte, Firmeninhaberin, CEO und Verwaltungsratspräsidentin – doch im Herz und Handeln immer Unternehmerin. Was sie dabei so machte und wie sie einen grossen Betrieb vor dem Untergang bewahrte, erzählte Dr. Regula Pfister auf Lilienberg. 

«Ich war immer Unternehmerin»
Dr. Regula Pfister: «Die Sanierung des Unternehmens war alles andere als eine lustige Sache!»

«Sie ist eine bedeutende Unternehmerin aus dem Gastronomiebereich», kündigte Gesprächsleiter Christoph Vollenweider den Lilienberg Gast vom 19. November an. Dass  Dr. Regula Pfister eine erfolgreiche Wirtschaftsfrau wurde, führt sie selbst vor allem auch auf ihre Jugendzeit «in Kilchberg am schönen Zürichsee» zurück. Schon als Mädchen sei sie nämlich geprägt geworden durch zwei Aspekte: «Werte wie Fleiss und Zuverlässigkeit, die mir meine Eltern mitgaben» und dass sie schon damals realisiert habe, dass es Vorteile habe, wenn man selbständig, also unabhängig, tätig sein könne. Eine Idealvorstellung, die sie später auch umsetzte: «Ich war immer Unternehmerin», sagt sie rückblickend. Für sie sei das «eine Haltungsfrage» geworden.

Mit 42 Schritt in Selbständigkeit

Doch vor ihrer ersten unternehmerischen Tätigkeit stand unter anderem noch ein Studium, im vorliegenden Fall eines der Ökonomie. «In meinem Leben ist mir sehr vieles einfach zugefallen» – auch dieses Studium, denn eigentlich wollte sich Pfister der Philosophie widmen, wie sie verriet. Danach war sie als angestellte Lehrerin tätig, bevor sie dann, als 42-Jährige, mit der Gründung einer eigenen PR-Agentur den Schritt in die Selbständigkeit wagte. In der Agentur befassten sich die bis zu zehn Mitarbeitenden vor allem mit politischer PR. Kein Wunder, war doch ihre Chefin mittlerweile auch auf dem politischen Parkett unterwegs. Die FDP-Vertreterin war zuerst im  Zürcher Gemeinderat aktiv, später wurde sie in den Kantonsrat gewählt.

Sanierung war «keine lustige Zeit»

Den Hauptteil ihres beruflichen Lebens verbrachte Regula Pfister jedoch als Leiterin der ZFV-Unternehmungen. Dort startete sie, als es der Firma finanziell schlecht ging, weil es mehrere Betriebe hatte, «die überhaupt nicht performten», zum Beispiel ein Hotel mit horrend steigenden Personalkosten. Eigentlich sollte sie nur für den wirtschaftlichen Turnaround sorgen, «doch dann hat es mir den Ärmel reingenommen», und sie blieb noch viele weitere Jahre.

Obwohl sie letztlich das Unternehmen wieder auf Kurs brachte, war es damals «keine lustige Zeit». So musste man etwa ein bekanntes Restaurant schliessen, ein Hotel sanieren, «hämische Kommentare» in den Medien über sich ergehen lassen, und man hatte grosse Aufträge verloren. Den Weg aus der Krise habe sie gefunden, indem sie als erstes «einfach mal zugehört habe» und teure Berater «in die Wüste schickte». Dann habe sie auf die fähigsten Mitarbeitenden gesetzt, und zusammen wurde viel «Knochenarbeit» geleistet – und die Wende gelang. Innert einem Jahr konnten der Cash Drain gestoppt und drei neue Betriebe, darunter eine Grossbank, als Kunden gewonnen werden. Anschliessend habe man das Unternehmen Schritt für Schritt weiterentwickeln können, mit Zielsetzungen, die eben nicht utopisch, sondern realistisch gewesen seien.

Grösste rein schweizerische Hotelgruppe

Heute stellen die ZFV-Unternehmungen die grösste rein schweizerische Hotelgruppe dar. Aber «kann man mit Hotels überhaupt noch Geld verdienen?», fragte Moderator Vollenweider. «Ja», antwortete Pfister. Die ZFV-Häuser seien an guten städtischen Adressen gelegen, ausstattungsmässig etwa im Drei-Sterne-Bereich und hätten zwischen 50 bis 100 Zimmer. Und da man über mehrere Hotels verfüge, könne man Synergien nutzen, beispielsweise im gemeinsamen Einkauf.

Ein absolut zentraler Bereich des Unternehmens sei die Gastronomie in Schulen und Kantinen: «ein harter Markt», wo ein Verdrängungskampf herrsche. Entsprechend müsse man für die Offertierung für einen Grossauftrag mittlerweile «einen enormen Aufwand betreiben, das glaubt man kaum». So füllten beispielsweise die Bewerbungsdokumente zur Übernahme einer Bank-Kantine derart viele Ordner, dass man einen Lieferwagen benötigt habe, um die Papiere zu transportieren.

Lilienberg Gespräch vom 19. November 2019 mit Dr. Regula Pfister, ehemalige Geschäftsführerin und Verwaltungsratspräsidentin ZFV-Gastro-Unternehmungen; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Zur Person Regula Pfister

Dr. Regula Pfister (Jahrgang 1948) promovierte als Ökonomin, arbeitete als Lehrerin, später dann in der Gastronomie- und Hotel-Management-Gruppe SV-Service, führte eine eigene PR-Agentur und übernahm 1995 schliesslich die Geschäftsführung der ZFV-Unternehmungen.

Der Name der in Zürich domizilierten Gesellschaft geht auf die Gründerinnen zurück, die aus den Reihen des Zürcher Frauen-Vereins (ZFV) stammen. Zusammen mit der damaligen Verwaltungsratspräsidentin Rosemarie Michel reorganisierte Pfister die in eine tiefe Krise gerutschte Gruppe und brachte sie in der Folge zum Blühen. 2012 gab sie die operative Leitung altershalber an Andreas Hunziker weiter, dem erst zweiten Mann in dieser Funktion. Von 2001 bis 2019 hatte sie das Verwaltungsratspräsidium inne. Der ZFV führt heute verschiedene Hotels und Restaurants, ist schwergewichtig jedoch im Catering in Schulen und beispielsweise auf Flughäfen tätig. Die Firma mit 2800 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über 284 Millionen Franken feiert 2019 ihr 125-Jahr-Jubiläum.

Regula Pfister war auch politisch aktiv. So gehörte sie von 1978 bis 1987 dem Zürcher Gemeinderat an, und von 1987 bis 1999 sass sie als Vertreterin der FDP im Zürcher Kantonsrat.

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