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«Ich esse jeden Tag Schoggi»

Ernst Hilfiker 23.05.2019

Lilienberg Talk mit Monica Müller, Geschäftsführerin Chocolat Bernrain AG, Kreuzlingen

Schokolade: ein Produkt wie ein Synonym für die Schweiz. Wer und was hinter einer Thurgauer Firma steckt, die dieses süsse Produkt für Kunden auf der ganzen Welt herstellt, welche Rolle Swiss made dabei spielt und nicht zuletzt, wie das Genussmittel schmecken kann, das alles erfuhren die Besucher des Lilienberg Talks mit Monica Müller, der Geschäftsführerin des Familienunternehmens Chocolat Bernrain AG.  

«Ich esse jeden Tag Schoggi»
Der Talk mit Monica Müller (links) begann mit einer Degustation. Die Geschäftsführerin von Chocolat Bernrain hatte mehrere Sorten hochwertiger Schokolade aus ihrem Unternehmen mitgebracht. Die Testesser aus dem Publikum mussten erraten, was in den verschiedenen Schokoladen enthalten ist.

Es war gleich eine doppelte Premiere, welche die Besucherinnen und Besucher des Lilienberg Talks vom 22. Mai erwartete: Erstmals sass Moderator Dr. Matthias Wipf vor ihnen, der designierte Nachfolger von Christoph Vollenweider als Leiter Programm und Publikationen beim Lilienberg-Unternehmerforum. Und erstmals begann der Anlass mit einer Degustation. Der Gast Monica Müller hatte mehrere Sorten hochwertiger Schokolade aus der von ihr geführten Kreuzlinger Chocolat Bernrain AG mitgebracht. Und damit verbunden ein recht schwieriges Rätsel. Zu erraten gab es nämlich, was denn wohl in der zum Probieren angebotenen, aromatischen weissen Schokolade drin ist. Niemand erriet, dass es gesalzene Pommes-Chips sind – die Idee eines amerikanischen Kunden, die man am Bodensee in Realität umsetzt. «Wir machen Nischenschoggi», erklärte Müller den verdutzten «Testessern», beruhigte sie dann aber auch gleich, dass trotz solch spezieller Aromen Milch- und Nussschokolade noch immer die beliebtesten Sorten seien.

Über 3000 Rezepte

Wer dachte, die Chips-Schoggi sei doch schon sehr aussergewöhnlich, wurde kurz danach eines Besseren belehrt: Im Gespräch verriet Monica Müller, dass man sogar einmal Schokolade mit Lebertrankapseln hergestellt habe, was spontan ein vielstimmiges «uah!» im Publikum auslöste. Diese Sorte wurde übrigens «nachher nie mehr gemacht» – im Gegensatz zu vielen anderen, anfänglich zum Teil noch belächelten Sorten wie vegane oder laktosefreie Schokolade, die heute sehr wohl ihre Abnehmer finden. Mittlerweile verfügt die Firma über einen Fundus von mehr als 3000 Rezepten.

Die Bernrain AG, die wegen ihrer Zweitfirma Stella SA zuweilen als Stella Bernrain auftritt, stellt primär sogenannte Private Labels her, sprich Fremdmarken. Natürlich «ist es cooler, Schoggi unter der eigenen Marke zu produzieren», gab Müller zu, doch man habe sich nun halt auf Produkte spezialisiert, die dann unter dem Namen anderer Firmen in den Verkauf gelangen. Prinzipiell kann jede Firma oder jeder Private bei Stella Bernrain produzieren lassen – vorausgesetzt, er nimmt dann mindestens eine Tonne Schokolade ab.

Keine Verlagerung ins  Ausland

Dass Stella Bernrain die Herstellung ins kostengünstigere Ausland verlagert, ist für Müller absolut kein Thema. Denn «die Schweiz ist eine wunderbare Marke für Schoggi. Davon profitieren wir extrem.» Nicht nur, weil unser Land bei der Erfindung der Schokolade eine bedeutende Rolle spielte, sondern auch, weil man gute Arbeitskräfte finde und wirtschaftliche und politische Stabilität herrsche. So ist es nur logisch, dass die Firma hier im überschaubaren Rahmen wachsen will und derzeit auch gerade eine bauliche Erweiterung der Fabrikation läuft.

Dennoch hat das Unternehmen vielerlei Verbindungen ins Ausland: zu den Kunden in gegen 50 Ländern und zu Kakao-Anbauern. Es werden mehrere Kooperativen, beispielsweise in Peru und Costa Rica, unterstützt, die diesen Grundstoff der Schokolade kultivieren. Und Monica Müller macht sich etwa alle zwei Jahre persönlich vor Ort ein Bild davon, wie die Kakao-Anbauer arbeiten.

Von der Lehrerin zur Unternehmerin

Dass Monica Müller heute Kleinbauern in Südamerika hilft und eine Schokoladefirma leitet, war nicht von langer Hand geplant, ja, diese Karriere «konnte ich mir nicht vorstellen». Als ausgebildete Primarlehrerin, die ihren Beruf liebte, «weil ich extrem gerne mit Kindern arbeite», war sie im Alter von 36 Jahren in die Firma eingestiegen – ermuntert vom Vater, der den Betrieb führte, aber ohne Druck der Familie.

«Ich esse jeden Tag Schoggi»
Eine gelungene Premiere: Erstmals moderierte Dr. Matthias Wipf einen Lilienberg Anlass.

Dass man als Quereinsteigerin ohne Wirtschaftsausbildung, einfach als Familienmitglied, ein Unternehmen führen könne, «ist schön, dass es funktioniert». Die Familie besitzt auch weiterhin alle Aktien der Chocolat Bernrain AG, während im Verwaltungsrat ausser Müller nur externe Personen sitzen. Und nein, das Thema Schokolade, das sie nun seit Jahren tagein tagaus begleitet, sei ihr noch nie verleidet: «Ich esse jeden Tag Schoggi – nicht tafelweise, aber etwa, wenn ich durch die Fabrik laufe.»

Keine Sorgen um Nachfolge

Die Fragerunde am Schluss des von Matthias Wipf äusserst flüssig und angenehm geführten Talks wurde rege genutzt. Unter anderem wollte ein Besucher wissen, wie sich Stella Bernrain auf dem chinesischen Markt behauptet. Man sei seit 15 Jahren im Land präsent, antwortete Müller, aber trotzdem «noch nicht wirklich drin». Das Thurgauer Unternehmen erwartet jedoch in den nächsten Jahren eine Absatzzunahme in China, wo es eine riesige potenzielle Kundschaft gibt.

Eine Absatzzunahme, die dann vermutlich die nächste Generation der Familie freuen wird. Denn in der jüngsten, vierten Generation gebe es insgesamt neun Kinder, «und die meisten von ihnen haben Interesse, in die Firma einzusteigen». Monica Müller ist deshalb «sehr zuversichtlich», dass das Familienunternehmen ein Familienunternehmen bleiben wird.

Lilienberg Talk vom 21. Mai 2019 mit Monica Müller, Geschäftsführerin Chocolat Bernrain AG, Kreuzlingen; Moderation: Dr. Matthias Wipf, stellvertretender Leiter Programm und Publikationen.

Zur Person Monica Müller

Monica Müller ist Geschäftsführerin der Chocolat  Bernrain AG in Kreuzlingen. Die ausgebildete Primarlehrerin trat 2001 in die Firma ein. 2007 übernahm sie dann von ihrem Vater die Geschäftsführung des Familienbetriebes, der vor Jahrzehnten aus zwei Unternehmen hervorging. In der Chocolat Bernrain AG und der 1980 erworbenen Chocolat Stella SA in Giubiasco arbeiten gegen 160 Personen. Die 54-jährige Monica Müller ist verheiratet und hat einen Sohn. Sie ist in Kreuzlingen aufgewachsen und wohnt noch heute dort – nur zwei Gehminuten von ihrer Fabrik entfernt. 

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