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Gesundheit und ihre Kosten – ein Thema, das alle etwas angeht!

05.11.2018

Das Gespräch mit Spitaldirektor Dr. Werner Widmer bot viel Anregendes: Gedanken darüber, was Gesundheit ist, Überlegungen zur Freitodbegleitung, ein Austausch, wie die Kosten im Gesundheitswesen gesenkt werden könnten und Hinweise dazu, was es braucht, um möglichst rasch wieder gesund zu werden. Wichtige Themen, die alle etwas angehen. 

Gesundheit und ihre Kosten – ein Thema, das alle etwas angeht!
Dr. Werner Widmer: «Wenn der Patient aktiv mitmacht, trainiert, seine Medikamente nimmt und sich über seine Gesundung informiert, bessert sich sein Befinden rascher.»

Mancher Besucher ging nach der Lilienberg Veranstaltung mit Dr. Werner Widmer mit einer anderen Einstellung über Gesundheit nach Hause. Vielleicht achtet er mehr auf gesunde Ernährung, überdenkt den Gesundheitsbegriff, oder nimmt sich vor, mehr für seine Fitness zu tun. Doch was heisst Gesundheit? Laut Werner Widmer nimmt jeder Mensch Gesundheit anders wahr. Er sagte: «Gesundheit ist sehr individuell. Über 80 Prozent der Menschen sagen, es gehe ihnen gut – doch mehr als ein Drittel hat chronische Schmerzen.» 

Wie gehen diese Aussagen auf? Letztlich wagte er, eine persönliche Definition des Begriffs Gesundheit abzugeben. «Sich körperlich wohl fühlen ist ein Teil, ebenso wichtig ist eine intakte psychische und soziale Komponente», meinte der Direktor der Stiftung Diakoniewerk Neumünster in Zollikerberg. 

Moderator Christoph Vollenweider hielt dieser Definition entgegen, dass immer wieder enger gefasste Grenzwerte auftauchten, etwa beim Blutdruck oder beim Cholesterin. Widmer winkte ab, das seien reine Marketingstrategien. Plötzlich seien laut einer Umfrage zwei Drittel der Norweger krank, obwohl sie das gesündeste Volk seien, sagte er.

Hohe Kosten im letzten Lebensjahr

Sorgen bereiten dem Ökonom die ständig steigenden Gesundheitskosten und er gab zu bedenken: «40 Milliarden Franken, also die Hälfte der gesamten Gesundheitskosten, verschlingt das letzte Jahr im Leben eines Menschen!» Etwas ketzerisch fragte er die Runde, ob es nicht sinnvoller wäre, dieses Geld in die Bildung zu investieren, also in die Lebensanfänge eines Menschen, statt in das letzte Lebensjahr. 

Seit dem Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechtes entscheiden immer mehr Menschen mittels Patientenverfügung selber, wann es Zeit ist, zu sterben. Zwischenzeitlich tun dies mehr als die Hälfte der Menschen. Damit müsse man aber zuerst lernen umzugehen, sagte Werner Widmer. Ebenso mit Exit. 1,3 Prozent der Menschen entscheiden sich für eine Freitodbegleitung.   

Viele Menschen wünschen laut Widmer eine palliative Spitex und wollen zu Hause sterben, doch nur eine Minderheit scheide zu Hause aus dem Leben. «Was läuft da falsch?». Einen Grund sieht Widmer im fehlenden Gespräch über das Sterben und darin, dass wir keine Sterbekultur haben. 

Kosten senken

Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, führte die Politik 2012 die Fallpauschalen ein und verabschiedete sich von den Kosten für Pflegetage im Spital. So sind die Anreize für Patient und Spital höher, die Kosten tief zu halten. Mit Blick in die Zukunft geht Widmer davon aus, dass möglichst viel Pflege, die jetzt noch im Spital geleistet wird, dereinst beim Patienten vollbracht werden könnte. Analog der Spitex würde dann ein Pfleger den Patienten zu Hause behandeln. Bereits heute werden viele Operationen ambulant durchgeführt.

Für Werner Widmer ist klar, wie Patienten schneller gesund werden: «Wenn der Patient aktiv mitmacht, trainiert, seine Medikamente nimmt und sich über seine Gesundung informiert, bessert sich sein Befinden rascher.» Er warnte aber vor einer Überversorgung. Das ist dann der Fall, wenn eine Operation gemacht wird, die nicht unbedingt nötig war. Denn jede Operation berge auch ein gewisses Risiko, sagte er. 

Gesunde zahlen für Kranke

Ein heikles Thema ist auch das Solidaritätsprinzip bei den Krankenkassen. Gesunde Menschen würden auf Kranke zeigen und sind der Meinung, diese müssten mehr auf ihre Gesundheit achten, weil die Krankenkassen-Prämien dann auch nicht so hoch wären, sagte Werner Widmer. Gemäss dem Referenten tun Menschen dann viel präventiv für die Gesundheit, wenn es ans eigene Portemonnaie geht. Er fügte das tägliche Zähneputzen als Prophylaxe an. Denn jeder zahlt seine Zahnbehandlung selber. 

Wie stark sich das Gesundheitswesen, die Pflege und Medizin verändert hat, zeigt die Geschichte der Stiftung Diakoniewerk Neumünster, Schweizerische Pflegerinnenschule. Als sie vor 160 Jahren gegründet wurde, kostete damals laut Widmer der Bodenpreis in Zollikerberg 5 Franken pro Quadratmeter. Das Diakoniewerk wurde zu dieser Zeit nur von Frauen getragen, die sich erstmals im Kanton Zürich zu Krankenpflegerinnen ausbilden konnten. Wie Widmer sagte, durfte um 1900 eine Frau Medizin studieren – sie konnte hingegen nicht als Ärztin arbeiten. Das war nur den Männern vorbehalten. Das Diakoniewerk ist heute ein Sozialunternehmen mit rund 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Im Gespräch mit Dr. Werner Widmer war oft von Gesundheit die Rede. Trotz allem genehmigten sich viele Besucher nach dem Anlass beim Apéro ein Glas Weisswein. Doch dieses genossen sie immerhin im sozialen Verbund, was sich ja positiv auf die Gesundheit auswirkt, wie zuvor zu hören war…

Unternehmerisches Gespräch vom 30. Oktober 2018 «Wieviel Gesundheit dürfen wir uns leisten?» mit Dr. Werner Widmer, Stiftungsdirektor Stiftung Diakoniewerk Neumünster - Schweizerische Pflegerinnenschule, Zollikerberg; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Musikalischer Direktor

Dr. Werner Widmer, Ökonom und Direktor der Stiftung Diakoniewerk Neumünster, gewann 2015 das Online-Voting für eine neue Nationalhymne. Er sei einmal an einer Feier gewesen und habe dort festgestellt, dass die Besucher den Text der zweiten Strophe der Schweizer Hymne nicht kannten. Das könne es doch nicht sein, habe er sich gedacht. Da fasste er den Entschluss, eine neue Hymne zu schreiben. Zudem sei der aktuelle Text zu religiös, und Jugendliche könnten mit dem Textinhalt nichts anfangen, meinte Widmer, der ein Lehrerdiplom für Musiktheorie hat. Er rechnet damit, dass in den nächsten Jahren die Hymne zu einem ernsthaften Thema werden wird.

Gesundheit und ihre Kosten – ein Thema, das alle etwas angeht!
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