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«Die hohe Kunst des Grenzwächters ist es, die richtigen Stichproben zu ziehen»

Andreas Widmer 23.11.2016

Das Grenzwachtkorps ist der bewaffnete und uniformierte Verband der Eidgenössischen Zollverwaltung und das grösste nationale zivile Sicherheitsorgan der Schweiz. Die Aufgaben des Grenzwachtkorps werden von Jahr zu Jahr komplexer, wie Oberstleutnant Thomas Zehnder, Kommandant der Grenzwachtregion II, berichtete. Dies auch deshalb, weil kriminelle Gruppierungen und Organisationen weltweit vernetzt sind und immer professioneller agieren.

«Die hohe Kunst des Grenzwächters ist es, die richtigen Stichproben zu ziehen»
Stabsadjutant Frank Feldmann demonstriert, wie gefälschte Ausweise mit modernsten technischen Geräten sofort erkannt werden.

Die Schweiz ist in vier Zollkreise und sieben Grenzwachtregionen eingeteilt. Die Grenzwachtregion II umfasst neben den Grenzkantonen Thurgau, Schaffhausen und Zürich auch weite Teile der Zentralschweiz bis hin zum Kanton Uri. Der Grund dafür liegt im Umstand, dass ein Teil der importierten Waren – beispielsweise verderbliche Güter - nicht an der Grenze, sondern erst am Bestimmungsort überprüft wird.

Die beim Warenimport erhobene Mehrwertsteuer von jährlich über 21 Milliarden Franken entspricht rund 40 Prozent der Einnahmen des Bundes. Da es sich im Einzelfall, insbesondere bei wertvollen Waren, um grosse Beträge handeln kann, ist die kriminelle Energie in diesem Bereich hoch. Die Verzollung eines Produkts als Baumwolle statt Seide ergibt für den Delinquenten einen sehr hohen Gewinn. «Dies ist einer der Gründe, dass die Grenzwächter bewaffnet sind», sagte der Kommandant des Grenzwachtkorps (GWK) II, Thomas Zehnder. Neben den reinen Zollaufgaben vollzieht das GWK über 160 Gesetze und Verordnungen für die verschiedenen Bundesämter. Meist geht es um Anliegen der Sicherheit oder der Gesundheit.

Dynamik des Grenzverkehrs

Der umsatzstärkste Schweizer Zollübergang befindet sich in Thayngen im Kanton Schaffhausen, denn darüber führt die direkteste Verbindung vom Osten in den Wirtschaftsraum Zürich. Pro Minute passieren dort im Schnitt zwei Lastwagen die Grenze, zu Spitzenzeiten gar sechs. Gesamtschweizerisch ergibt dies rund 21‘000 Lastwagen, 350‘000 Personenwagen und 700‘000 Personen.

Es versteht sich, dass nicht jedes Fahrzeug kontrolliert werden kann. Zehnder: «Die hohe Kunst des Grenzwächters ist es, die richtigen Stichproben zu ziehen.» Dabei haben die erfahrenen Beamten aber ein gutes Gespür und können sich auf aktuelle nachrichtendienstliche Erkenntnisse stützen. Sie verfügen über modernste technische Ausrüstungen wie etwa Röntgengeräte, die ganze Lastwagen durchleuchten.

Gemeinsamer Einsatz

Die Kontrollen unmittelbar an der Grenze werden durch Kontrollen im grenznahen Hinterland ergänzt. Diese werden an wechselnden Orten durchgeführt und sind sehr effizient. Vermehrt sind die Grenzwächter auch im Bahnverkehr oder sogar auf den Seen im Einsatz.

Der organisierte, bandenmässige Schmuggel und die grenzüberschreitende Kriminalität sind grosse Herausforderungen für Staat und Gesellschaft. Kriminelle Gruppierungen und Organisationen sind weltweit vernetzt und agieren immer professioneller. Diese kriminellen Aktivitäten schaden beiden Staaten an der Grenze. Deshalb sei die Zusammenarbeit naheliegend, sagte Thomas Zehnder. Seit einiger Zeit gehen gemischte Patrouillen - also Schweizer Grenzwächter und deutsche Bundespolizisten - gemeinsam in den Einsatz. Dabei wird der «Gast» jeweils dem «Hausherrn» formell unterstellt. Dies ergibt grosse Effizienzgewinne und im Bedarfsfall kann auf die Daten der Fahndungssysteme beider Staaten zurückgegriffen werden. Diese Zusammenarbeit ist europaweit einzigartig und besteht in dieser Tiefe nicht einmal unter den EU-Staaten.

Die vier «Produktegruppen» des Grenzwachtkorps

  • Die Erhebung von Abgaben auf importieren Gütern und die Unterbindung des Schmuggels;
  • Der Schutz von Gesundheit und Umwelt, etwa durch Verhinderung des Imports von nicht zugelassenen Medikamenten, Giftstoffen, ungeimpften oder gefährlichen Tieren (Spinnen Reptilien) oder Betäubungsmitteln;
  • Unterstützung des internationalen Handels, indem etwa gefährliche Produkte oder Markenfälschungen eliminiert werden;
  • Sicherheit und Migration.

Die Kreativität der Bösewichte kennt laut Kommandant Zehnder keine Hemmnisse. So werde beispielsweise versucht, teure exotische Papageien über die Grenze zu schmuggeln. «Dabei wird aber nicht ein lebendes Tier benutzt, sondern die Schmuggler transportieren die Papageieneier in den Unterhosen und die Eier werden dann später ausgebrütet.»

Migration als zunehmende Herausforderung

Durch die zunehmenden Migrationsströme, insbesondere aus dem Mittelmeerraum ist auch das GWK vermehrt gefordert. Zehnder: «Es gilt, rechtswidrige Einreisen in die Schweiz zu verhindern sowie Schleppertätigkeit und Menschenhandel zu bekämpfen.» Dabei macht die Grenzwacht eine Triage, indem sie die Aufgegriffenen nach deren Befragung entweder dem für das Asylverfahren zuständigen Staatssekretariat für Migration zuführt oder - falls ein Transit ohne korrekte Papiere beabsichtigt ist – an der Grenze zurückweist. Kriminelle werden zudem an die Kantonspolizei überstellt.

Die Grenzwacht entscheidet also weder über die Asylberechtigung noch betreut sie Asylsuchende im Verfahren. Auf Grund der aktuellen Belastung an der Südgrenze sind derzeit auch vermehrt Grenzwächter aus der Ostschweiz im Tessin im Einsatz. Je nach Lage kann dies aber auch rasch wieder wechseln. Zudem könnte das Grenzwachtkorps im Fall steigender Migrationsströme auf die subsidiäre Unterstützung der Armee zurückgreifen.

Es ist beeindruckend, mit welch grossem Engagement unsere Grenzwächter ihre schwierigen Aufgaben bewältigen. Der Kontakt mit den Betroffenen zeigt klar auf, dass sie dies sehr verantwortungsbewusst und mit grossem Augenmass machen. Für ihren Einsatz zum Schutz der Landesgrenze und letztlich zum Schutz von uns allen gebührt ihnen grosser Dank und Anerkennung.

Zyklus «Innere Sicherheit»; Unternehmerisches Gespräch vom 17. November 2016 «Schutz unserer Landesgrenze - eine komplexe Aufgabe mit wachsenden Heausforderungen»; mit Oberstleutnant Thomas Zehnder, Kommandant Grenzwachtregion II, und Stabsadjutant Frank Feldmann, Dienstchef und Ausbildner des Bereichs Dokumente; Moderation und Zusammenfassung: Andreas Widmer (Aktionsfeld Sicherheit & Armee); Redaktion: Stefan Bachofen.

Erkennung von Dokumentenfälschungen

Am Anlass zu den Aufgaben des Grenzwachtkorps erlebten die Besucher eine besondere Demonstration. Stabsadjutant Frank Feldmann, Dienstchef und Ausbildner des Bereichs Dokumente, erläuterte das Handwerk der Ausweisfälscher. Dabei zeigte er gefälschte Dokumente und erklärte fachkundig, wie Fälschungen erkannt werden können. So kann ein Ausweis zunehmend auch mit technischen Mitteln überprüft werden und sein Nutzer bei einer Fälschung aus dem Verkehr gezogen werden. 

«Die hohe Kunst des Grenzwächters ist es, die richtigen Stichproben zu ziehen»
«Die hohe Kunst des Grenzwächters ist es, die richtigen Stichproben zu ziehen»
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