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«Die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA sind auch mit Trump als US-Präsident grundsätzlich gut.»

06.12.2019

175. Lilienberg Gespräch mit Dr. Martin Dahinden, ehemaliger Botschafter in den USA

Bis Ende August 2019 war Dr. Martin Dahinden Schweizer Botschafter in den USA. Er bekam Einblick in viele Bereiche, die der Öffentlichkeit verwehrt blieben. Umso spannender war das Lilienberg Gespräch mit ihm, weil offen über alles gesprochen werden konnte. Als Pensionär konnte er aber die diplomatischen Antworten noch nicht immer ganz ablegen und neigte zu vorsichtigen Äusserungen.

«Die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA sind auch mit Trump als US-Präsident grundsätzlich gut.»
Dr. Martin Dahinden: «Ein eisernes Prinzip der Diplomatie ist, dass wir keine Sympathien haben dürfen.»

In der Kindheit und Jugend von Martin Dahinden deutete wenig darauf hin, dass der studierte Betriebswirtschafter einmal Schweizer Botschafter in den USA werden würde. «Mein Vater arbeitete als Handwerker. Ich interessierte mich speziell für Geschichte, Kunst und andere Kulturen», sagte Dahinden. Er habe sich überlegt, einmal die Kunstgewerbeschule zu besuchen – doch sein Vater meinte, er solle zuerst einen «richtigen» Beruf erlernen. 1987 trat er in den diplomatischen Dienst ein (siehe Textbox). Von 2014 bis Ende August 2019 war er Schweizer Botschafter in den USA.

Obwohl Martin Dahinden heute im Ruhestand ist, gab er auf teils kritische Fragen von Moderator Christoph Vollenweider nach wie vor diplomatische Antworten. Vollenweider  wollte wissen, wie das Verhältnis der Schweiz und der USA sei. Dahinden: «Mit einzelnen Kratzern pflegen die beiden Staaten eine gute Beziehung.» Welch grosses Gewicht die kleine Schweiz in den USA einnimmt, zeigt sich unter anderem daran, dass gegenseitig grosse Investitionen in die beiden Länder getätigt werden. Zudem wurde auf politischer Ebene die Schweizer Verfassung zwar nicht vollkommen kopiert, aber immerhin einzelne Teile davon wurden übernommen. Martin Dahinden erwähnte das Zweikammersystem mit dem Senat und dem Repräsentantenhaus.

Das aus Schweizer Sicht angespannte Verhältnis während der Bankenkrise mochte der ehemalige Botschafter nicht überbewerten. «Die Schweiz hatte den Eindruck, dass die USA es auf uns abgesehen hätte. Doch den Amerikanern ging es nie darum, gegen die Schweiz als Nation vorzugehen.»

Barack Obama versus Donald Trump

Martin Dahinden hatte in Washington eine interessante Zeit. Als Botschafter erlebte er zwei Präsidenten, die vollkommen gegensätzlich sind. Zum einen die Administration vom Demokraten Barack Obama, die laut Dahinden intensiv an Konzepten arbeitete und diese umsetzen wollten. Zum andern der rustikale Republikaner Donald Trump, der viele Leute aus der Privatwirtschaft in die Regierung holte. Obama habe viele Experten beigezogen – Trump hingegen heuere immer wieder Neue an und sei so entsprechend unberechenbar, führte Martin Dahinden aus. Für die Regierungen anderer Nationen ist die USA zu einem schwer einschätzbaren Partner geworden.

«Es ist sehr ungewöhnlich, wenn eine Administration so viele Wechsel hat wie das bei Trump der Fall ist. Ich halte das für schädlich», drückte sich der ehemalige Diplomat klar aus. Das habe seine Arbeit als Botschafter ständig gefordert, weil er immer wieder zu neuen Mitgliedern der Administration Vertrauen fassen musste, so Dahinden. Zuerst habe er für die Wechsel in der Administration ein gewisses Verständnis gehabt, weil viele Leute in der Regierung noch unbekannt waren und sich erst einmal finden mussten. Doch Martin Dahinden betonte: «Die grundsätzlich guten Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA haben sich mit der Wahl von Donald Trump nicht geändert.»

Wahlkampf bestimmt Trumps Entscheide

«Donald Trump ist von der weissen Unterschicht gewählt worden. Was hat er für diese gemacht?», wollte Christoph Vollenweider wissen. «Nicht sehr viel», sagte der ehemalige Botschafter. Immerhin sei die Arbeitslosigkeit in den USA gesunken, auch bei den Afroamerikanern. Trump betreibt laut Dahinden permanent Wahlkampf, wenn es um Entscheide geht wie beim Truppenrückzug aus Syrien oder der Verlegung der israelischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. So gewinnt er immer wieder eine stattliche Anzahl von Wählern, die diese Lösungen begrüssen.

Bei Martin Dahinden spürt man bei gewissen Antworten immer noch den Diplomaten, auch wenn er in den Ruhestand getreten ist. Diese Haltung verstärkte er mit der Äusserung: «Ein eisernes Prinzip der Diplomatie ist, dass wir keine Sympathien haben dürfen.» Was macht denn den guten Diplomaten aus? Laut Dahinden muss ein guter Botschafter beobachten, beobachten, beobachten. Er muss die Sichtweise einer Regierung analysieren und verstehen. Als zweiten Punkt nennt er die Kommunikation. Ein Diplomat müsse wissen, was er mit wem kommuniziert. Und drittens muss er ein gutes Händchen für Verhandlungen haben.

Diplomaten kennt man aus Spielfilmen mit einem Glas Champagner in der Hand in lockerer Atmosphäre an einer Party auf einer Sonnenterrasse. Martin Dahinden sagte zu diesem Bild: «Der Cocktail in der Hand dient dazu, dass man an Leute herankommt und sie etwas fragen kann, was man sie sonst nicht fragen kann. Diplomatie hat nichts mit Lockerheit zu tun.»

Lilienberg Gespräch vom 28. November 2019 mit Dr. Martin Dahinden, ehemaliger Botschafter in den USA; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Zur Person Martin Dahinden

Martin Dahinden war während fünf Jahren Schweizer Botschafter in den USA. Er übernahm diesen Posten in Washington während der Amtszeit von Präsident Barack Obama im Oktober 2014 und trat Ende August 2019 in den Ruhestand. Der heute 64-Jährige stieg 1987 in den diplomatischen Dienst ein, unter anderem in den Botschaften in Frankreich und Nigeria. Ausserdem vertrat er die Schweiz bei der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und der NATO. Von 2008 bis 2014 leitete er die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Martin Dahinden hat eine Liebe zur Schweizer Küche. Er hat 2016 ein Kochbuch mit dem Titel «Schweizer Küchengeheimnisse – Gesichter und Geschichten hinter bekannten Gerichten» herausgegeben.

«Die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA sind auch mit Trump als US-Präsident grundsätzlich gut.»
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