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«Der Brexit ist tragisch – Grossbritannien ist ein gespaltenes Land»

01.11.2019

Lilienberg Talk mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter und ihrem Bruder Bernhard Sutter

Karin Keller-Sutter und ihr Bruder Bernhard Sutter diskutierten im Talk über den Brexit, plädierten für mehr Eigenverantwortung in der Schweiz und äusserten sich über das Los der Frauen in der Politik. Die Geschwister trennen neun Jahre Altersunterschied, zeigten aber ihre gegenseitigen Sympathien. 

«Der Brexit ist tragisch – Grossbritannien ist ein gespaltenes Land»
Ein Höhepunkt in der 30-jährigen Geschichte des Lilienberg: Bundesrätin Karin Keller-Sutter und ihr Bruder Bernhard im lockeren Gespräch mit Moderator Dr. Matthias Wipf.

Das Gespräch mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter und ihrem Bruder Bernhard Sutter war ein spezieller Talk, ein Highlight in der 30-jährigen Geschichte von Lilienberg, und zog dementsprechend viele Gäste nach Ermatingen. Der grosse Vortragssaal war restlos ausgebucht. Es wurde viel gelacht, erzählt, aber auch ernsthaft debattiert. Als zuerst die Pianistin Margareth Schicker auf dem Flügel ein Medley mit Klängen aus der Wiler Fasnacht vortrug, hätten die Geschwister am liebsten mitgesungen. Doch: «Ich kann nicht singen», bekannte die Bundesrätin, und «wir sind hier nicht alleine», stellte der ehemalige Banker Bernhard Sutter fest.

Diese lockere und offene Haltung der beiden Gäste war dem Moderator Matthias Wipf zu verdanken. Er warf gekonnt kurze Bemerkungen oder Inputs ins Gespräch ein und hielt so die Spannung hoch.

Karin Keller-Sutter (siehe Textbox) ist die Jüngste in der Familie und hat drei ältere Brüder. Der Umgang mit diesen sei nicht immer einfach gewesen, sie habe bei ihnen gelernt, wie Männer ticken. Am meisten Kontakt hatte sie mit Bernhard, der neun Jahre älter ist als sie. Als Mädchen teilte sie mit ihm das Zimmer, und später verbrachten sie dann beide beruflich eine gewisse Zeit in London, was die Geschwister sehr prägte.

Ihre Eltern führten in Wil ein bekanntes Restaurant. Bernhard Sutter meinte: «In unserer Stube und Gastwirtschaft stand einer der ersten Schwarz-weiss-Fernseher. Wir mussten die Schulaufgaben meist im Schlafzimmer machen.» Da das Restaurant während 365 Tagen im Jahr offen war, kam das Privatleben zu kurz. Karin Keller-Sutter erinnerte sich: «Die Eltern haben mir manchmal gefehlt, obwohl sie sagten, dass sie immer für uns da sind.» Als Kind habe sie das nicht verstanden, doch heute sieht sie, dass sie eine Verantwortung gegenüber der Familie und den Angestellten hatten und Geld verdienen mussten.

Das Los der Frauen in der Politik

Karin Keller-Sutter und Bernhard Sutter schmunzelten über ihre gemeinsame Kindheit und überboten sich mit Anekdoten. Im Gespräch mit Matthias Wipf war kaum nachvollziehbar, dass bei den Bundesratswahlen einmal von einer unnahbaren Politikerin die Rede war. Sie meinte, eine Frau erfahre, dass gewisse Männer nicht damit umgehen können, wenn sie sich als Frau etwas anders verhalte als diese erwarten würden. Ihr Bruder sagte dazu: «Viele Leute kennen meine Schwester nicht persönlich. Karin ist gesellig, aufgestellt und eine Frau, die man einfach gern haben muss.» Sie denke grosszügig, sei interessiert und könne in der Politik komplexe Zusammenhänge einfach ausdrücken. Als Politiker werde man von der Öffentlichkeit und den Medien angefeindet, das gehöre zu diesem Amt.

«Der Brexit ist tragisch – Grossbritannien ist ein gespaltenes Land»
Das zahlreich anwesende Publikum war begeistert.

«Wie lernt man denn mit Kritik umgehen?», wollte Matthias Wipf wissen. «Distanz haben», sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD). Im Gegensatz zu einigen Bundesratskollegen befasse sie sich mit den Medien, hätte aber Mühe, wenn sie am Samstag in der Zeitung lese, was der Bundesrat in der kommenden Woche an seiner nächsten Sitzung beschliessen werde. Eine «schwierigste Rolle» als Bundesrätin nannte sie nicht, denn «ich mache die Arbeit unheimlich gerne». Die sieben Exekutivmitglieder versuchen, wenn immer möglich, eine Einigung bei den Geschäften zu finden.

Brexit bremst die Briten in allen anderen Fragen

Alles andere als einen Konsens haben die Briten in der Frage des Austritts aus der EU gefunden. «Der Brexit ist tragisch. Grossbritannien ist ein gespaltenes Land. Weil es momentan auf der Insel nur Brexit gibt, kommen die Briten in allen anderen Fragen nicht weiter», sagte Karin Keller-Sutter. «Es wird viele Jahre dauern, bis die Briten wieder vereinigt sind», meinte Bernhard Sutter. Laut der Bundesrätin hat die Schweiz für verschiedene Szenarien ein Abkommen in der Schublade. Das nerve die EU, fügte sie an. Grossbritannien hinterlasse in der EU eine grosse Lücke.

Einig sind sich die Geschwister auch über eines: Beide plädieren für mehr Eigenverantwortung und weniger Reglementierung in der Schweiz. Die Bundesrätin sagte: «Wir haben bei uns eine starke Bevormundungskultur. Wenn wir mehr miteinander sprechen würden, wäre vieles einfacher.» Und der Banker meinte: «Es regt mich auf, wenn wir heute für alles ein Gesetz brauchen. Auf der Bank gibt es tausende von Regulatoren.» Die Geschwister zeigen nicht nur Einigkeit, sondern sie sind sich sympathisch. Karin Keller-Sutter sagte über ihren Bruder: «Wir sprechen viel miteinander. Beni wirkt sehr motivierend auf mich. Er geht direkt auf die Leute zu und packt an.»

Lilienberg Talk vom 25. Oktober 2019 mit Bundesrätin Karin Keller-Sutter und ihrem Bruder Bernhard Sutter; Moderation: Dr. Matthias Wipf, stellvertretender Leiter Programm und Publikationen. 

Zur Person Karin Keller-Sutter und Bernhard Sutter

Karin Keller-Sutter (*1963) arbeitete nach ihrer Ausbildung in der Schweiz sowie in England und Kanada als Konferenzdolmetscherin und später als Berufsmittelschullehrerin. Politisch war sie als Gemeinderätin ihres Heimatortes Wil (1992 bis 2000), als Regierungsrätin im Kanton St. Gallen (2000 bis 2012), als Ständerätin (2011 bis 2018) und nun seit 2019 als Bundesrätin (EJPD) tätig. Zudem hatte Karin Keller-Sutter während mehreren Jahren Einsitz in die Verwaltungsräte der NZZ-Gruppe und der Baloîse-Versicherung.

Bernhard Sutter (*1954) ist, wie seine jüngere Schwester, in Wil aufgewachsen. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann wirkte er u.a. als Leiter der Migros Bank Winterthur (1984 bis 1989), als Direktor der SKA Schaffhausen (1990 bis 1995), als Leiter Region Schaffhausen/Thurgau bei der Credit Suisse (1995 bis 2002) sowie zuletzt als Leiter Privatkundengeschäft Region Ostschweiz (Managing Director) der Credit Suisse (2003 bis 2012). Dazwischen folgten berufliche Auslandaufenthalte in England und den USA.

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