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«Der Banker von heute hat Rückgrat und eine eigene Meinung»

29.05.2018

161. Lilienberg-Gespräch mit Raymond J. Bär, Ehrenpräsident der Julius-Bär-Gruppe

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe, die den Bankenplatz Schweiz und aktuelle Entwicklungen im Finanzsektor beleuchtete, gastierte mit Raymond J. Bär der Ehrenpräsident der Julius-Bär-Gruppe auf Lilienberg. Der 59-jährige Finanzfachmann zeigte sich in Bezug auf das Bankinstitut Julius Bär selbstkritisch. «Bei allen Regulierungen in der Vergangenheit und trotz den gegen unsere Bank ausgesprochenen Bussen war uns stets wichtig, keinen Jahresverlust ausweisen zu müssen», betonte Bär.

«Der Banker von heute hat Rückgrat und eine eigene Meinung»
Der Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe, Raymond J. Bär (Mitte), im Lilienberg Park, um-geben von der Lilienberg Geschäftsführung Daniel Anderes (links) und Christoph Vollenweider.

«Ich kehrte zu Zeiten der grossen Finanzkrise im Jahr 2008 oftmals nach Krisensitzungen innerhalb der Bankführung oder auf Einladung der Nationalbank nach Hause zurück und dachte mir: So, nun ist es vorbei», gab Raymond J. Bär Einblick in seine damalige Gefühlswelt. Der Patient, eben die Bankinstitute, sei «eher tot» gewesen, doch dies sei der Welt so nicht kommuniziert worden, führte er vor einem beeindruckten Publikum aus. Der Patient Bank sei damals quasi aus der Intensivstation geholt worden.

Banken benötigen «Sauerstoff»

Angesprochen auf die Regulierungsflut der vergangenen Jahre entgegnete der Gesprächspartner von Moderator Christoph Vollenweider, dass Finanzinstitute «Sauerstoff» im System benötigen würden. Damit meine er weniger Regulierungen und mehr Geld. «Die Banken müssen Geld haben und mit diesem arbeiten können», sagte Bär. Er sei deshalb auch überzeugt, dass die Nationalbank eine unabhängige Institution bleiben sollte.

Bär bezweifelte, ob es in der Sinn mache, eine risikofreie Gesellschaft anzustreben. «Da bin ich absolut konträrer Meinung. Das Leben birgt doch grundsätzlich Risiken, die Frage ist einfach, wie viele Risiken wir zu tragen bereit sind», sagte er.

Der heutige Arbeitsplatz des Bankers biete nach wie vor viel Spannendes. «Die Jungen sind gleich stark motiviert wie wir damals», glaubt Bär. Die Interaktionen mit Menschen seien eine tolle, motivierende Sache.

Ein guter Banker müsse vor allem ein integrer Gesprächspartner für den Kunden sein. Von ihm werde nicht erwartet, einen Blick in die Kristallkugel zu wagen. «Vielmehr stehen Ehrlichkeit und Transparenz an erster Stelle», führte Bär aus. Doch Banker dürften ein eigenes Profil und damit eine eigene Meinung haben.

Kulturelle Aspekte sind beim Führen wichtig

Als Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe sei der Rat von Raymond J. Bär bestimmt oft gefragt, mutmasste der Moderator. Ein klares Pflichtenheft für seine Funktion als Ehrenpräsident gebe es nicht. Er lese auch die Protokolle nicht, sei aber nach wie vor sehr gut vernetzt. «Der Verwaltungsrat trägt die Verantwortung, aber wenn einmal ein Rat von mir gefragt ist, dann weiche ich dem nicht aus», erzählte er.

Als es darum gegangen sei, einen neuen CEO in der Julius-Bär-Gruppe zu ernennen, habe sich letztlich der interne Kandidat durchgesetzt. Bär: «Die kulturellen Aspekte sind bisweilen höher zu gewichten als die Finanzkompetenz. Wenn denn das Potenzial zum Lernen vorhanden ist.» Externe Kandidaten, so Bär, müssten deshalb «mindestens einen Drittel besser sein als interne.»

Digitale Währung kommt bald

Angesprochen auf die Entwicklungen im Bereich digitaler Währungen ist Bär überzeugt, dass solche schon bald an der Tagesordnung sein werden. «Cash im Hosensack zu haben, wird dann der Vergangenheit angehören», glaubt er.

Wenn Innovation Einzug halte, sei man anfänglich immer skeptisch. Neid, Skepsis und Zweifel würden aufkommen. «Die Wahrheit liegt dann wohl in der Mitte», betonte Bär. Wo die Reise mit Kryptowährungen hinführe, wisse man nicht. Es gelte deshalb, die Entwicklungen kritisch zu beobachten. «Unsere Kunden sollen aber in Kryptowährungen handeln können», hielt er fest.

Zu hohe Bussen

Für Raymond J. Bär ist es auch heute noch nicht nachvollziehbar, weshalb der Bank Julius Bär im Zuge der Massnahmen der USA auch gegen Schweizer Finanzinstitute eine derart hohe Busse auferlegt worden sein. «Klar, auch unsere Bank hatte da einige Sünden, die es aufzuarbeiten galt. Da stand vor allem die Steuerthematik im Vordergrund. Aber 500 Millionen Franken Busse? Das war enorm viel Geld, und auch wir litten darunter», betonte er. Man habe wähend fünf Jahren kooperativ verhandelt, «aber ein Discount wurde uns nicht gewährt». Aufgrund der plötzlich als aggressiv erlebten Vorgehensweise der USA sei ein bisher als Kavaliersdelikt einzustufendes Vergehen plötzlich kein Kavaliersdelikt mehr gewesen.

Raymond J. Bär ist davon überzeugt, dass die nächste Finanzkrise kommen wird. «Das Gute ist aber, dass die Banken viel weniger Schulden haben, es hat mehr Kapital im Finanzhaushalt.»

161. Lilienberg Gespräch vom 15. Mai 2018 mit Raymond J. Bär, Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Progamm und Publikationen.

Zur Person Raymond J. Bär

Raymond J. Bär wurde als Urenkel des Firmengründers in eine traditionsreiche Bankiersfamilie hineingeboren. «Es war aber keinesfalls vorgesehen, dass ich eine Laufbahn als Banker einschlagen würde, schon gar nicht bei der Bank Julius Bär», erklärte er. Vieles sei auf einem Lebensweg sowieso an Zufälle gebunden und alles andere als gradlinig. Bei Bär sah dies so aus: Am Tag der Diplomübergabe nach erfolgreich abgeschlossenem Studium in Rechtswissenschaften an der Universität St. Gallen sass er bereits im Flieger Richtung Amerika. Bär: «Ich wollte in die freie Welt, weg von der Schweiz, und die USA war da immer mein Traum.» An der renommierten Columbia Law School ging sein Weg weiter zum Master of Laws, und dann auf direktem Weg an die Wallstreet. Dort habe er sich entwickeln können. «In den Staaten schenkte man den jungen Berufsleuten enorm viel Vertrauen», blickte Bär zurück.

Bär wurde nach einer steilen Karriere im Familienunternehmen zum Präsidenten des Verwaltungsrates der Bank Bär ernannt. Dieses Amt versah er von 2003 bis 2012. Bär sagt, dass die Regulierungswelle in der Finanzwelt, die mit der Börsen- und Wirtschaftskrise 2008 ihren Anfang genommen habe, nicht alleine von der USA ausgelöst worden sei. «Kleinkunden zu schützen ist eine gute Sache. In Bezug auf grosse Kunden sei dies aber unsinnig, weil es viel zu kostenintensiv ist», glaubt Bär.

Seit 2012 ist Bär Ehrenpräsident der Julius Bär Gruppe. Er bringt seine Erfahrungen zudem in mehreren Verwaltungsräten ein.

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