see_1920x370-(1).jpg

Der Anti-Ackermann

13.05.2019

171. Lilienberg Gespräch mit Bernhard Hodler, CEO Bank Julius Bär

Die Privatbank Julius Bär zählt zu den grössten Vermögensverwaltern Europas. Auf Lilienberg verriet CEO Bernhard Hodler, wie er das Risiko einer neuen Weltwirtschaftskrise einschätzt, was ein Vermögensberater mit dem Hausarzt zu tun hat und warum das Bankgeschäft mitunter Detektivarbeit erfordert. 

Der Anti-Ackermann
Wohin steuert die Finanzwelt? Mit Bernhard Hodler, dem CEO der Privatbank Julius Bär (Mitte), war einmal mehr ein Top Banker auf Lilienberg. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit Daniel Anderes, Leiter des Lilienberg Unternehmerforums (links) und Moderator Christoph Vollenweider. (Bild: Kerstin Conz)

Bernhard Hodler eilt ein Ruf voraus. Der Spezialist für Risikomanagement gilt als der Feuerlöscher von Julius Bär. Als er dann auf der Bühne sitzt, sind einige Zuhörer überrascht. «Irgendwie habe ich ihn mir eher ein bisschen wie Ackermann vorgestellt. Oder zumindest mehr wie ein Verkäufer», sagte ein unabhängiger Vermögensverwalter, der wie knapp 50 Julius-Bär-Kunden auf den Lilienberg gekommen war, um den Top Manager zu hören.

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. Der ehemalige Deutsche Bank- Chef war erst im vergangenen Jahr zu Gast auf Lilienberg. Jovial gab Ackermann damals Schülern Karrieretipps und verriet, wie er zusammen mit Angela Merkel in letzter Minute einen globalen Wirtschaftskollaps verhindert hatte. Bernhard Hodler brüstet sich nicht mit spektakulären Aktionen. Wenn er die Publikumsfragen vorsichtig abwägend beantwortet, wirkt er eher wie ein Anti-Ackermann.

Gefährlicher Handelskonflikt

Wann die nächste Finanzkrise kommt? «Gute Frage. Die höre ich oft», sagt Hodler vorsichtig. Noch sei das wirtschaftliche Umfeld recht stabil. Gefährlicher als der Brexit ist seines Erachtens der Handelskrieg zwischen USA und China. Allerdings hätten die Märkte eingepreist, dass sich USA und China einigen. Wenn nicht, könnte es einen ziemlich steilen Absturz geben.

Jahrelang war Hodler oberster Risikomanager bei Julius Bär. Nach dem überraschenden Wechsel von Boris Collardi wurde er Ende 2017 zum CEO berufen. Hodlers Amtszeit verlief bislang nicht ohne Turbulenzen. Vorläufiger Höhepunkt war gerade die Entdeckung 700 heikler Konten in Venezuela. Der Verdacht lautet auf Geldwäscherei. Doch Moderator Christoph Vollenweider bringt den Manager nicht aus der Ruhe als er danach fragt. «Ich bin immer froh, wenn ich das etwas erklären kann», sagt Hodler gelassen. Auch er sei über die Verhaftung des ehemaligen Mitarbeiters Mathias Krull überrascht gewesen. «Wir haben aber sofort eine Untersuchung eingeläutet», so Hodler. Die sei fast abgeschlossen. Gefunden habe man nichts. Die Geschäfte seien offenbar nicht über Julius Bär abgewickelt worden.

Zum Glück. Denn das Vertrauen sei im Bankgeschäft zentral. «Wir müssen schmutzige Geschäfte unbedingt verhindern können», betont der CEO. Für diese Detektivarbeit habe man in den vergangenen Jahren viele Leute eingestellt. «Es ist nicht in unserem Interesse, Kunden zu haben, die Geldwäscherei betreiben, und es ist auch nicht im Interesse unserer Kunden. Die wollen eine Bank, die einen sehr guten Ruf hat. Trotzdem gibt es immer wieder Unfälle. Nicht nur bei Julius Bär.»

Die Entdeckung der verdächtigen Konten in Venezuela kam zur Unzeit. Denn Julius Bär stand nach dem Rechtsstreit mit dem USA im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung immer noch unter der Bewährung.

Spätestens seit dem Steuerstreit ist die Branche im Umbruch. «Mittlerweile gibt es einen automatischen Informationsaustausch. Alle Finanzplätze machen mit, mit einer Ausnahme, den USA», sagt Hodler. Anders als die anderen Länder würden die Amerikaner nicht den Besitzer, sondern nur den Kontoinhaber nennen. Für Hodler ein Trick. «Die USA sagen, wir tauschen aus, aber letztlich sieht man nicht, wem das Geld gehört.» Insbesondere lateinamerikanische Kunden, die nicht beweisen wollten, dass sie Steuern zahlen, seien in die USA gegangen.

Dennoch habe die Schweizer Bankenwelt den Tod des Bankgeheimnisses gut verkraftet, findet Top-Banker. In gewisser Weise machten die Veränderungen den Banken das Leben sogar leichter. «Wir müssen nicht mehr schauen, wer Steuertransparenz hat und wer nicht.»

Banken haben Kunden oft schlecht beraten

Seit der Finanzkrise von 2008 seien Banker sehr stark in der Kritik, so Hodler. Kunden hätten den Eindruck gehabt, dass sie von den Banken nicht richtig beraten wurden. Dieses Vertrauen müsse zurückgewonnen werden. Dafür habe die Bank alle Frontleute zertifiziert. «Die mussten wieder auf die Schulbank gehen und lernen. Das war nicht ganz einfach.»

Auch wenn die Welt schnelllebiger geworden ist, sei die Vertrauensbasis zwischen Kunden und Bankern nach wie vor sehr wichtig. Im Grunde sei das Finanzsystem ein bisschen wie das Gesundheitssystem: «Googeln bringt hier wenig», so Hodler. Am Ende gehe man doch lieber zum Arzt. Das Problem seien nicht die Informationen, sondern die Bewertung. «Wir sehen unsere Rolle wie der Hausarzt für die finanziellen Dinge.» Menschen hätten in Geldfragen immer noch das Bedürfnis nach einem Ansprechpartner. Das sehe er an seinen Söhnen. Obwohl beide digital viel mehr machen als er, bräuchten sie in Geldfragen menschlichen Kontakt.

Ob es in 20 Jahren noch eine Bank Julius Bär gibt, wollte Moderator Vollenweider wissen. Das Publikum lacht. Auch Hodler schmunzelt. Dann setzt der Fussballfan zum Konter an: «Ich glaube, es gibt sie noch in 130 Jahren.»

Lilienberg Gespräch vom 6. Mai 2019 mit Bernhard Hodler, CEO Bank Julius Bär; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen. 

Zur Person Bernhard Hodler

Bernhard Hodler ist seit Ende 2017 CEO der vor 130 Jahren gegründeten Privatbank Julius Bär. Aufgewachsen ist er am Bieler See. Ursprünglich wollte der Betriebsökonom Fussballprofi werden. Doch für eine Profikarriere habe es dann doch nicht gereicht. Die Eltern waren politisch aktiv und die Familie sei sehr interessiert gewesen an internationalen Reisen. «Ich glaube, das hat mich mitgeprägt», sagt Hodler, der zunächst bei der Credit Suisse und dem Schweizerischen Bankverein eine internationale Karriere in Zürich, London und Tokio gemacht hatte. Für Julius Bär hat der Spezialist für Risikomanagement und Compliance ab 1998 gearbeitet, zuletzt als stellvertretender CEO. Seit 2018 ist Hodler zudem Mitglied des Verwaltungsrates der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
Der Anti-Ackermann
< Zurück
facebook LinkedIn