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Das Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung wächst, die Sicherheitsbranche boomt

Andreas Widmer 20.02.2017

Auf Grund der wachsenden Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung sind in der Schweiz immer mehr Unternehmen im Sicherheitssektor tätig. Dies schafft eine höhere Präsenz, erfordert aber auch entsprechende Koordination mit den staatlichen Einsatzkräften. Zur Frage, inwiefern private Sicherheitsorganisationen eine Konkurrenz zur Polizei bilden oder diese sinnvoll ergänzen, nahmen die Chefs von zwei direktbetroffenen Organisationen auf Lilienberg Stellung.

Das Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung wächst, die Sicherheitsbranche boomt
In voller Aktion auf dem Lilienberg-Podium (von links): Moderator Andreas Widmer, Jürg Monhart und Urs Alig.

Der Sicherheitsbereich ist eine Boombranche, die ein jährliches Wachstum von rund 5 Prozent ausweist. Schweizweit sind etwa 900 Unternehmen in diesem Bereich tätig, wobei es sich bei den meisten um Kleinstbetriebe handelt. Die Hälfte der Sicherheitsfirmen beschäftigt weniger als zehn Mitarbeitende und nur zwei davon über 1‘000. Die Zahl der privaten Sicherheitskräfte hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt: Insgesamt sind nun rund 20‘000 Personen in der Uniform eines privaten Sicherheitsdienstes unterwegs - gegenüber 18‘000 regulären Polizisten. Die Löhne für Sicherheitspersonal sind in der Schweiz vergleichsweise hoch und betragen mehr als das Doppelte jener in den Nachbarstaaten.

Gewaltmonopol in Gefahr?

Private Sicherheitsfirmen übernehmen zunehmend auch subsidiäre Sicherheitsdienstleistungen für die Behörden. Diese Auslagerung erfolgt primär aus Kostengründen und betrifft beispielsweise die Überwachung von Asylsuchenden, das Verteilen von Parkbussen, den Gefangenentransport oder die Bewachung staatlicher Gebäude. Juristen sehen in der Auslagerung von Zwangsmassnahmen und durch das Wachstum der privaten Sicherheitsdienste das Gewaltmonopol des Staates zunehmend bedroht. Dieses sei der Kern der Polizeiarbeit und dürfe nicht angetastet werden, denn dafür fehlen die rechtliche Grundlage und oftmals auch die entsprechende Ausbildung. Grundsätzlich haben private Sicherheitsdienste die gleichen Befugnisse wie jede Privatperson auch: Sie dürfen Gewalt nur in Situationen der Notwehr oder des Notstands anwenden, Festnahmen oder Einvernahmen bleiben staatlichen Behörden vorbehalten. 

Wie die Erfahrungen aus Grossanlässen wie etwa dem WEF oder der Fussball-EM zeigen, ist eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen privaten Sicherheitsorganen und der Polizei durchaus möglich. Wichtig ist dabei eine klare Kompetenzregelung. Das Gewaltmonopol muss bei der Polizei bleiben und die privaten Sicherheitsdienste können auf Basis der gesetzlichen Vorgaben und Möglichkeiten subsidiär unterstützen.

Konkordat zur Qualitätssicherung

Eigentlich hätte zu Beginn dieses Jahres ein schweizweites Konkordat über die private Sicherheit in Kraft treten sollen. Damit hätten einheitliche Regeln für den Einsatz privater Sicherheitsdienstleister geschaffen werden sollen. So hätte sich die Sicherheitsbranche auch gegen schwarze Schafe in ihren eigenen Reihen schützen können. Die Westschweizer Kantone besitzen bereits ein derartiges Konkordat, schweizweit ist es vorerst gescheitert, denn die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren hat im November 2016 beschlossen, dieses Konkordat über private Sicherheitsdienstleistungen vorerst zu sistieren und ein Gutachten bei der Wettbewerbskommission einzufordern. Dadurch ist die Situation unübersichtlicher denn je, und mittlerweile haben sich verschiedene Sicherheitsfirmen zu einem zweiten Branchenverband zusammengeschlossen.

Securitas als Branchenleader

Die Securitas AG, gegründet im Jahr 1907, ist das älteste und mit 13‘000 Mitarbeitenden auch das grösste Sicherheitsunternehmen der Schweiz. In der Bevölkerung ist es die bekannteste sicherheitsgenerierende Organisation - noch vor Polizei, Armee oder Feuerwehr. Das Unternehmen bietet neben der nächtlichen Kontrolle von Liegenschaften eine umfassende Palette weiterer Sicherheitsdienstleistungen an, wie Urs Alig, COO und Direktor der Securitas AG, erläuterte. «Securitas legt Wert auf eine sorgfältige Rekrutierung und einsatzbezogene Ausbildung ihrer Mitarbeitenden», so Alig. Geführt werden die Einsätze mit modernsten Kommunikationsmitteln und ab einer hochmodernen Einsatzzentrale. Davon profitieren letztlich die Kunden, welche über eine SecuriCity-App verfügen können, mit der Notrufe oder die Verbindung zur nächstgelegenen Patrouille erfolgen können.

Transportpolizei mit wachsenden Herausforderungen

Die Transportpolizei ist der SBB angegliedert. Diese sieht sich im Sicherheitsbereich wachsenden Herausforderungen gegenüber. Bei einer rudimentären Bedrohungsanalyse kommt jedermann – insbesondere nach den jüngsten Vorfällen auch im Ausland – zur Einsicht, dass der öffentliche Verkehr und die grösseren der insgesamt 800 Bahnhöfe ein lohnendes Ziel für Terroranschläge sind. Aber auch der gesellschaftliche Wandel zur 24-Stunden-Gesellschaft mit Grossveranstaltungen und extensivem Ausgehverhalten, insbesondere am Wochenende oder die Fanzüge zu Sportveranstaltungen sind mit grossen Herausforderungen an die Sicherheit im öffentlichen Verkehr verbunden.

Die Transportpolizei sorgt mit über 250 Polizeiangehörigen auf den Bahnhöfen und in den Verkehrsmitteln für Sicherheit und Ordnung. Als spezialisierte Sicherheitspolizei erfüllt sie ihre Aufgaben in allen Landesteilen der Schweiz und arbeitet eng mit dem Zugpersonal und anderen Polizeikorps zusammen. Wie der Kommandant der Transportpolizei, Jürg Monhart, in seinem Referat ausführte, haben alle Angehörigen der Transportpolizei eine Polizeischule absolviert und sind seit 2012 auch mit Schusswaffen ausgerüstet. Unterstützt werden sie mit modernster Kommunikationstechnik und von Diensthunden. Wichtiges Ziel des Kommandanten ist eine möglichst hohe Präsenz der Einsatzkräfte vor Ort. «Mit 75 Prozent erreicht die Transportpolizei dabei einen Wert, der von keinem anderen Polizeikorps erreicht wird. Nur so können die rund 500 Hilferufe, die täglich auf der Notrufnummer der Transportpolizei unter 0800 117 117 eingehen, effizient bearbeitet werden.»

Zyklus «Innere Sicherheit der Schweiz»; Unternehmerisches Gespräch vom 7. Februar 2017 «Sicherheitsdienstleister im privaten und öffentlichen Bereich: Aufgaben und Herausforderungen»; mit Urs Alig, COO/Direktor Securitas AG, Schweizerische Bewachungsgesellschaft, und Jürg Monhart, Kommandant Transportpolizei SBB; Moderation und Zusammenfassung: Andreas Widmer (Aktionsfeld Sicherheit & Armee); Redaktion: Stefan Bachofen.

Urs Alig: im Einsatz für die öffentliche Sicherheit und den Thurgau

Der 50-jährige Urs Alig besitzt eine wirtschaftliche Grundausbildung und hat bereits im Alter von 26 Jahren einen privaten Sicherheitsdienst im Thurgau gegründet sowie viele Jahre geleitet. Er wechselte dann zur Securitas AG und war später Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz sowie Stabschef des kantonalen Führungsstabes TG. Seit einem Jahr ist er zurückgekehrt zur Securitas und dort als COO und Direktor tätig. In der Armee bekleidet er den Rang eines Obersten und ist eingeteilt im Stab Operative Schulung. Als Präsident der Thurgauer Winkelriedstiftung setzt er sich ausserordentlich ein für die Milizbelange.

Jürg Monhart führt die Transportpolizei von der Front aus

Den 53-jährigen Urs Monhart erreicht man eigentlich nur via Mobiltelefon, da er häufig unterwegs ist an den Hotspots der Bahnpolizei. Als Grenzwachtoffizier verfügt er über eine langjährige Einsatzerfahrung. Er besuchte anschliessend die Mitteleuropäische Polizeiakademie in Wien. Seine Vielsprachigkeit beurteilt er als grossen Vorteil für die seine Führungsfunktion. Für ihn sind die Präsenz und der rasche Einsatz vor Ort ausserordentlich wichtig - jedes Kadermitglied der Bahnpolizei arbeitet deshalb auch an der Front.  

In der Armee leistete Jürg Monhart als Major Dienst bei der Infanterie, als Kommandant der Transportpolizei bekleidet er den Rang eines Obersten.

Das Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung wächst, die Sicherheitsbranche boomt
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