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«Das Gesundheitssystem möchte günstige Preise, die Medikamentenhersteller hohe»

Ernst Hilfiker 09.07.2018

163. Lilienberg-Gespräch mit Walter Oberhänsli, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates,
Zur-Rose-Gruppe

Medikamente zu einem günstigen Preis vertreiben: Mit dieser relativ einfach tönenden Idee hat die Schweizer Grossapotheke «Zur Rose» Erfolg. Erfolg, obwohl die Mitbewerber sich streng gegen jeden «Eindringling» abschotten. «Ein Trauerspiel», wie der CEO der Zur-Rose-Gruppe, Walter Oberhänsli, am äusserst interessanten Juli-Lilienberg-Gespräch sagte.  

«Das Gesundheitssystem möchte günstige Preise, die Medikamentenhersteller hohe»
Gut gelaunt: Zur-Rose-CEO Walter Obershänsli (links) und Moderator Christoph Vollenweider.

«Ich habe es nicht weit gebracht.» Mit dieser Feststellung eröffnete Gast Walter Oberhänsli das 163. Lilienberg-Gespräch. Nur: Die Feststellung bezog sich lediglich auf seinen Wohnort Steckborn, den Ort, in dem er aufwuchs und eben heute noch lebt.

Was die berufliche Tätigkeit Oberhänslis betrifft, hat er es nämlich sehr weit gebracht. Der Mann, der Diplomat werden wollte, dann aber Jura studierte und sein Geld schliesslich als Rechtsanwalt verdiente, ist heute CEO der Zur-Rose-Group AG. Die Gesellschaft bezeichnet sich selbst als «Europas grösste Versandapotheke und eine der führenden Ärztegrosistinnen der Schweiz».

Firmengründung war «verrückte Idee»

Die Gründung des Unternehmens basiere auf «einem trivialen Umstand». Dieser habe ihn dann zur «verrückten, um nicht zu sagen absurden Idee» geführt, in einem historischen Haus in Steckborn, dem namensgebenden «Haus zur Rose», eine Apotheke zu eröffnen und 21 selbstdispensierende Ärzte in der Region mit Medikamenten zu beliefern. Aus dieser Idee «und mit Biss» entstand das Unternehmen, das im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Franken Umsatz machte, wie Oberhänsli auf ebenso prägnante wie verständliche, offene und immer wieder mit Humor durchsetzte Art den rund 50 Zuhörern erzählte.

Kampf gegen traditionelle Markt-Beherrscher

Das Geschäftsmodell der Zur-Rose-Gruppe sei eigentlich eine einfache Sache: auf effiziente Art  Medikamente zu einem günstigen Preis vertreiben. Empfänger dieser Medikamente sind einerseits Ärzte, andererseits Patienten direkt. Die Patienten erhalten ihre Arzneien auf dem Versandweg, können sie aber auch in den in jüngster Zeit eröffneten vier Geschäften der Gruppe kaufen. Die Bezüger profitieren dabei von Preisen, die laut Oberhänsli in der Schweiz um etwa 12 Prozent günstiger sind, in Deutschland, wo die Gruppe auch aktiv ist, um etwa 5 Prozent.

Dass überall, wo jemand mit tieferen Preisen operiert, Widerstand bei den bisherigen Verkäufern ausgelöst wird, erfuhr auch die Zur-Rose-Gruppe. Die Tätigkeit seiner Firma sei von Anfang an etwas wie «ein Kampf gegen das Pharma-Establishment» gewesen, sagte Oberhänsli. Denn man kam sowohl dem äusserst dicht abgeschotteten Geschäftsfeld der Apotheker in die Quere wie den Medikamentenproduzenten. In Oberhänslis direkter Art ausgedrückt bedeutet das: Bei vielen Dingen im Schweizer Gesundheitswesen «geht es nur um die Erhaltung von Pfründen». Und das sei «ein Trauerspiel». Oder zusammengefasst: «Das Gesundheitssystem möchte günstige Preise, die Medikamentenhersteller hohe.»

Tiefe Nachfrage nach Generika

Immerhin: Im Gegensatz zur Anfangszeit erhält die Zur-Rose-Gruppe heute alle Medikamente, die sie vertreiben möchte. Für Aussenstehende vermutlich eine absolut logische Sache, die keiner Erwähnung bedarf – doch möglich sei das erst geworden, nachdem man sich dieses Bezugsrecht iuristisch erstritten hatte, wie der Lilienberg Gast sich erinnerte.

«Weshalb kauft denn heute eigentlich noch jemand Originalmedikamente?», fragte dann Moderator Christoph Vollenweider. Das sei «nicht einfach zu beantworten», meinte Oberhänsli. Klar sei einfach, dass der Anteil der gegenüber dem Originalpräparat günstigeren Generika-Medikamente in der Schweiz noch sehr tief sei. Auch das zeige, dass hier «noch Effizienzreserven», sprich Sparpotenzial, vorhanden ist. Und zwar ein recht hohes Sparpotential, wie der CEO andeutete.

Es wird weiter Laden-Apotheken geben

Der Frageteil nach dem Gespräch mit Walter Obehänsli wurde von den Gästen rege genutzt. Es ging um die Medikamentenabgabe, aber auch um die Zukunft des Versandhandels, wo die Zur-Rose-Gruppe ihre Stellung weiter ausbauen will. Nicht zuletzt aufgrund dieser Ankündigung von Oberhänsli fragte Christoph Vollenweider zum Schluss des Anlasses, ob denn nun die herkömmliche Apotheke bald am Ende sei. «Nein, ich glaube nicht!», konnte der Gast die Besucher beruhigend in den wunderschönen Sommerabend entlassen. 

Aufwändige Investoren-Pflege

Die Zur-Rose-Group AG wird von mehreren hundert Aktionären getragen. Seit dem Sommer 2017 ist das Unternehmen an der Börse – eine Umstellung, die laut CEO Walter Obehänsli einiges geändert habe, und zwar «im Positiven wie im Negativen». So sei zum Beispiel die Beziehungspflege zu den Investoren «schon sehr aufwändig». Dennoch: An der Richtigkeit des Entschlusses, die Firma an die Börse zu bringen – in diesem Sommer zusätzlich noch mit einer Anleihe – habe er nie gezweifelt.

163. Lilienberg Gespräch vom 4. Juli 2018 mit Walter Oberhänsli, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates, Zur-Rose-Gruppe; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Zur Person Walter Oberhänsli

Walter Oberhänsli (Jahrgang 1958) ist seit 2005 Delegierter des Verwaltungsrats und CEO der Zur-Rose-Group AG, laut Eigendefinition «Europas grösster Versandapotheke» mit operativem Sitz in Frauenfeld. Von 1996 bis 2011 amtete Oberhänsli auch als Präsident des Verwaltungsrats. Er gründete das Unternehmen, das heute zusammen mit der Tochter Doc Morris in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Holland über 1000 Mitarbeitende beschäftigt, im Jahr 1993 gemeinsam mit 21 Ärztinnen und Ärzten. 

Oberhänsli selbst ist nicht etwa Apotheker, sondern Jurist. Bis 2004 war er als selbstständiger Rechtsanwalt tätig. 

Die Zur-Rose-Gruppe erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2017 im Schweizer Markt einen Betriebsgewinn von 12 Millionen Franken. Insgesamt, also mit dem Geschäft im Ausland,  schrieb sie jedoch einen Verlust von 36 Millionen Franken. Seit Juli 2017 ist die Zur-Rose-Gruppe an der Börse.

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