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Auch kleinere Städte leiden unter dem Online-Handel

26.06.2018

Innenstädte werden in den nächsten Jahren nicht gerade veröden, aber sie werden sich stark verändern. Schuld daran sind der Online-Handel und der Wandel des Immobilienmarktes. Diese Veränderung birgt Gefahren, aber auch Chancen.

Auch kleinere Städte leiden unter dem Online-Handel
Der Frauenfelder Stadtpräsident Andreas Stokholm zeigte die städtebauliche Entwicklung von einer menschenleeren hin zu einer lebendigen Innenstadt.

Nationalrätin Diana Gutjahr, Vizepräsidentin des Thurgauer Gewerbeverbandes, bestätigte den Befund der ersten Veranstaltung zum Thema «Veröden unsere Innenstädte?», wenn sie sagte: «Der Einkauf im Ausland und der Onlinehandel beeinflussen unser Gewerbe. Zum Teil müssen Ladenbesitzer ihre Geschäfte schliessen.» Man dürfe sich dem Onlinehandel nicht verschliessen, und das Gewerbe müsse in gemeinsamen Auftritten versuchen, Einfluss auf Kunden zu nehmen, plädierte die SVP-Politikerin am Kooperationsanlass des Lilienberg Unternehmerforums und der Paulus Akademie Zürich.

Klaus Morlock, CEO der Hess Invest AG mit Sitz in Amriswil, ging einen Schritt weiter und wollte nicht unbedingt von einer Verödung der Innenstädte sprechen, sondern sagte pointiert: «Ich habe Ihnen eine gute und eine schlechte Nachricht: Der Online-Handel wird weiter ausgebaut, das Lädeli-Sterben ist noch nicht zu Ende. Die gute Nachricht: Die Mietpreise in den Innenstädten werden sinken, es findet eine Umstellung des Marktes statt.» Für diese Veränderung brauche es begleitende Massnahmen von den Gemeinden.

Die Umstellung in den Innenstädten beobachtet David H. Bon, Stadtpräsident von Romanshorn, seit längerem. Früher seien die Leute eher in die Aussenwohnquartiere gezogen. Heute suchten sie sich Wohnungen im Zentrum, sagte er. Das freut den Stadtpräsidenten, der selber mitten in der Stadt wohnt. Diese Wohnlage habe den Vorteil, dass der Bewohner ohne Auto auskomme und Einkäufe bequem zu Fuss erledigen könne. Die Lage habe aber auch den Nachteil, dass Bewohner mit etwas mehr Lärm rechnen müssen als in den Aussenquartieren, meinte er.

Verdichtet bauen

«Wir bauen dort, wo schon gebaut worden ist. Anders ist das heute gar nicht mehr möglich», sagte Hermann Hess, Verwaltungsratspräsident der Hess Invest AG. Der Thurgauer Unternehmer kennt den Detailhandel bestens, denn die Hess Investment Gruppe war bis 1991 eine Kleiderfabrik und im Detailhandel tätig. Infolge von Verlusten verliess das Unternehmen den Bekleidungssektor und konzentrierte sich auf Immobilien.

In der Regel legt das Unternehmen den Fokus auf Gewerbe-Immobilien, die aufgewertet und neu vermarktet werden. Dabei handelt es sich meist um bereits überbaute Grundstücke, deren Bauten teilweise oder ganz abgebrochen werden und neuen, modernen Gebäuden Platz machen.

Ganz auf den Abbruch verzichtet hingegen der Schweizer Heimatschutz (SHS), wie sein Geschäftsführer Adrian Schmid darlegte. Der Heimatschutz setzt sich dafür ein, dass Baudenkmäler aus verschiedenen Epochen vor dem Abbruch bewahrt werden. Eines dieser Denkmäler ist die Villa Patumbah in Zürich, die der Heimatschutz vor dem Rückbau rettete und heute dem Besucher Geschichte und Identität mit der heimischen Kultur vermittelt. Der Heimatschutz fördert aber auch zeitgemässe, gute Architektur bei Neubauten.

Mit dem Wakkerpreis hat der Schweizer Heimatschutz die Möglichkeit, Gemeinden mit einem Preisgeld von 20'000 Franken auszuzeichnen, welche bezüglich Ortsbild- und Siedlungsentwicklung besondere Leistungen vorzeigen können. In den 1970er Jahren zeichnete der SHS vor allem Gemeinden für die Erhaltung ihrer historischen Zentren aus. Heute stehen Gemeinden im Fokus, die ihren Siedlungsraum sorgfältig weiterentwickeln.   

Immobilienmarkt im Wandel

Die Zukunft der Innenstädte hat gemäss Hermann Hess immer zwei Seiten einer Medaille. Er machte drei Beispiele. Erstens: Grundsätzlich soll dort gebaut werden, wo bereits gebaut wurde. Da kann aber die Denkmalpflege ihre Bedenken haben. Zweitens: Verdichtetes Bauen ist grundsätzlich zu begrüssen, führt jedoch manchmal zu Widerstand in der Nachbarschaft. Und drittens: Die Veränderung des Marktes birgt Chancen, schafft aber unter Umständen zusätzliche Probleme.

«Die Digitalisierung wird die Welt immer schneller drehen lassen, und die Wohnformen werden sich ständig ändern. Es gibt bereits jetzt befristete Mietverträge von lediglich zwei Jahren», sagte Morlock zur Schnelllebigkeit der Zeit. Und Stadtpräsident Bon denkt: Die Begegnung in den Innenstädten wird nicht mehr am Dorfbrunnen sein, sondern in Chats.  

Zyklus «Veröden unsere Innenstädte?»; Unternehmerisches Gespräch vom 20. Juni 2018 «Wie bringen wir neues Leben in die Zentren?», Kooperationsanlass des Lilienberg Unternehmerforums und der Paulus Akademie, mit Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld, Adrian Schmid, Geschäftsführer Schweizer Heimatschutz, Hermann Hess, VR-Präsident der Hess Invest AG, Amriswil, Nationalrätin Diana Gutjahr, Vizepräsidentin Thurgauer Gewerbeverband, David H. Bon, Stadtpräsident Romanshorn und Klaus Morlock, CEO Hess Invest AG, AmriswilModeration: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen.

Lebendige Innenstadt

Am Beispiel von Frauenfeld zeigte Stadtpräsident Anders Stokholm die städtebauliche Entwicklung von einer menschenleeren hin zu einer lebendigen Innenstadt. Stokholm sieht eine Reihe von Massnahmen, die zu dieser Entwicklung nötig waren, und zählt dazu die Vernetzung der einzelnen Stadtteile, die Definition der Stadteingänge, die Aufwertung der Schlüsselstellen sowie eine Verbesserung der Verkehrskultur. Was das Gewerbe betrifft, denkt er an den Verkehr, eine gute Aufenthaltsqualität und eine optimale Gebäudenutzung des Erdgeschosses.

«Heute muss eine Diskussion stattfinden, was es braucht, damit eine Innenstadt lebendig bleibt», sagte Stokholm. Viele Einwohner würden heute städtebaulich keine Probleme in Frauenfeld sehen, sagte der Stadtpräsident. Doch was ist in zehn Jahren? Wie wirkt sich die Zunahme der Mobilität aus? Ziel der Altstadt-Aufwertung in Frauenfeld ist die Ausweitung der Begegnungszone, ein flexibel nutzbarer Strassenraum für Märkte, Konzerte und Open-Air-Kinos sowie die gute Erreichbarkeit der Altstadt.

Auch kleinere Städte leiden unter dem Online-Handel
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mime file icon Präsentation von Hermann Hess (4 MB)

mime file icon Präsentation von Anders Stokholm (9 MB)

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