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Bei der Integration der Muslime ist die ganze Gesellschaft gefragt

Publiziert am 23.1.2019
Bei der Integration der Muslime ist die ganze Gesellschaft gefragt

338‘000 Muslime wohnen heute in der Schweiz, mit nur fünf Prozent der Gesamtbevölkerung deutlich weniger, als viele Leute meinen, sagte der Journalist und Theologe Norbert Kössmeier. Die Verbundenheit mit dem Land sei in der Schweiz enorm hoch und der Erwerbsstatus in etwa gleich wie bei der restlichen Bevölkerung. Dennoch hätten rund ein Drittel Diskriminierungserfahrungen gemacht. Für die Integration ein echtes Hindernis.

Dabei sind Migranten extrem wichtig. «Ohne diese Menschen könnten wir hier die Pflege in der Schweiz gar nicht mehr aufrechterhalten», sagt die Rektorin des Bildungszentrums für Gesundheit und Soziales in Weinfelden, Beatrice Gregus. Etwa ein Drittel ihrer Schüler und Studierenden habe einen Migrationshintergrund. 

Eine Ausbildung zur Pflegefachfrau absolvierte auch Zulkjeflije Nuredini. Sie erzählte auf Lilienberg vom Alltag einer Muslima in der Schweiz.

Als Bindeglied zwischen Schule und Elternhaus spielt der Imam eine wichtige Rolle. Immer wieder komme es vor, dass Eltern ihn um Rat fragen, berichtete Rehan Neziri, der Iman der albanisch-islamischen Gemeinschaft Kreuzlingen am Lilienberg Anlass. Dann sage er ihnen, dass die Mädchen zum Schwimmen gehen müssen, weil es Teil des Unterrichts ist. Als ein Vater sein Kind nicht zum Fasnachtsumzug schicken wollte, weil es glaubte, dass es ein heidnischer Brauch sei, stellte Neziri klar, dass Fasnacht eine Tradition sei und das Kind mitmachen muss. Um solche Gepflogenheiten zu kennen, müsse ein Imam dauerhaft im Land leben, findet Rehan Neziri. 

Gute Bildung und Wertschätzung sind für die Integration wichtig. Umso irritierender, dass sich auch aus der Schweiz immer wieder gut integrierte und ausgebildete Muslime in den Dschihad, also den sogenannten Heiligen Krieg, aufmachen. Gemäss der Extremismus-Forscherin Myriam Eser Davolio sind besonders Menschen mit wenig religiösem Wissen gefährdet.

Unser Bild zeigt (von links) Andreas Osner, Konstanzer Sozialbürgermeister, und die Referentinnen Myriam Eser Davolio, Beatrice Gregus und Zulkjeflije Nuredini.

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