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Mit Fairness raus aus der Wertekrise

02.02.2015

Claude R. Cornaz von der Vetropack und Tomas Prenosil von der Confiserie Sprüngli gehen in der Unternehmensführung mit gutem Beispiel voran. Nur so gelingt der Schritt aus der Wertekrise. Wichtig ist für Cornaz das Gespräch mit den Mitarbeitern, für Prenosil eine menschliche Unternehmensführung.

Mit Fairness raus aus der Wertekrise
Fast 40 Interessierte folgten gebannt den Referaten von Claude R. Cornaz und Tomas Prenosil.

Im vierten und letzten Kolloquium zum Thema «Gelebte Werte in der unternehmerischen Praxis» traten Claude R. Cornaz von der Vetropack Holding AG und Tomas Prenosil von der Confiserie Sprüngli AG auf. Beide CEOs stellten sich der öffentlichen Diskussion über Abzocker, zeigten auf, welche Werte in ihren Unternehmen gelten und wie sie mit Mitarbeitenden umgehen.

Cornaz plädierte für Menschenverstand im Unternehmertum. Der CEO des traditionsreichen Unternehmens von Glasverpackungen erinnerte an die «guten, alten Zeiten», wo respektvolles und anständiges Handeln der Unternehmer Ehrensache war. Er bedauerte, dass sich die Berichterstattung der Medien immer wieder um einige wenige Abzocker gedreht hatte. Das hatte dem Image des gesamten Unternehmertums geschadet. Er zeigte kein Verständnis, wenn junge Mitarbeiter einen Grundlohn von 100'000 Franken verdienen und dazu als Bonus das Vier- bis Fünffache einstecken.

Fortschritt trotz Tradition bei der Confiserie Sprüngli

Tomas Prenosil befürwortet Veranstaltungen wie diese auf Lilienberg, wo Unternehmer Wertediskussionen führen. Wenn er sein Unternehmen gut leite, heisse das auch, dass er es menschlich führe. Diese Haltung erleben seine Mitarbeitenden und diese seien Multiplikatoren, die bei Bekannten über faires Unternehmertum berichten. Tomas Prenosil kann sich in seiner Branche und mit seinem traditionsreichen Familienunternehmen keine negativen Schlagzeilen erlauben, weil sich diese rasch auf den Geschäftsgang auswirken würden.

Der Erfolg des Unternehmens ist stark mit der Geschichte von der Confiserie Sprüngli verbunden. Tomas Prenosil und sein Bruder Milan führen das Unternehmen seit 1994 in sechster Generation. Die beiden Brüder sind Neffen von Richard Sprüngli, der das Unternehmen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts während 40 Jahren erfolgreich geführt und geprägt hatte. Die beiden Brüder ruhen sich nicht auf den Leistungen ihres Onkels aus. Mit neuen Produkten und einem modernen Auftritt führten sie die Confiserie zu neuem Erfolg. Laut Tomas Prenosil besteht der Fortschritt nicht darin, das Gestern zu zerstören. Es geht vielmehr darum, die Essenz zu bewahren, welche die Kraft hat, eine bessere Gegenwart und Zukunft zu schaffen. Der CEO sagte: «Die Fähigkeit sich mit Wandel auseinanderzusetzen, ist für ein Traditionsunternehmen von existenzieller Bedeutung.»

Was den Frauenanteil im Betrieb anbelangt, ist die Confiserie Sprüngli der Zeit voraus; das Unternehmen hat einen Frauenanteil von 80 Prozent. Die Firmenleitung unterstützt den Kinderwunsch bei den Mitarbeiterinnen und sieht auch keine Probleme im Kader. Mütter können problemlos Teilzeit arbeiten, im Kader darf das Pensum nicht unter 60 Prozent fallen, weil Kaderleute eine Mindestpräsenz aufweisen müssen.

Ein attraktives Arbeitsumfeld sowie die Zusammenarbeit im Team stehen bei der Confiserie im Zentrum. Prenosil sieht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den regelmässig stattfindenden Anlässen. Selbst Pensionäre haben monatlich ihre Treffen am Paradeplatz.

Bei Vetropack ist Verhaltenskodex vorgegeben

Für Claude R. Cornaz sind die Mitarbeiter, Kunden und Aktionäre die wichtigsten Partner der Firma. Das unternehmerische Handeln richtet sich danach, ihren Ansprüchen bestmöglich gerecht zu werden. Die Unternehmensleitung hält sich an ein Leitbild, in dem die Unternehmenskultur, Strategie, Führung, der Verhaltenskodex sowie die Geschäfts- und Sachpolitik geregelt sind. Im Verhaltenskodex stehen Haltungen, die auf den ersten Blick als selbstverständlich angesehen werden. So sind etwa die Anerkennung der Menschenrechtserklärungen, die Bedeutung der Sicherheit am Arbeitsplatz sowie das Verbot von Belästigungen, Zwangs- und Kinderarbeit aufgeführt. Laut Cornaz ist dieser Kodex wichtig gegenüber Kunden wie Coca-Cola. Die Firma muss in den USA beweisen, dass bei der Produktion keine Kinder am Werk waren.

Die Mitarbeiter sprechen Claude R. Cornaz in den Betrieben spontan an und erzählen von ihren Problemen. Es ist dem CEO wichtig, zu verstehen, was sie beschäftigt. Würden CEOs ihre Mitarbeiter öfters anhören, könnten im Betrieb Verbesserungen in kleinen Schritten erzielt werden, ist Cornaz überzeugt. Er verlangt von seinem Kader einen situativen Führungsstil, das heisst, die Vorgesetzten müssen ihre Personalführung gegenüber den Mitarbeitern anpassen. Er denkt an Neueintretende, denen mehr geholfen werden muss als Kollegen, die schon viele Jahre im Betrieb sind.

Vetropack hatte sich während einiger Zeit für Leute mit einer Behinderung engagiert. Gemeinsam mit der Pro Infirmis führten sie das Projekt «Hilfe durch Arbeit als Weg aus der Isolation» (Hawai) durch. Dank dieser Arbeit bekam das Leben der Behinderten einen neuen Sinn und die Mitarbeiter hörten von völlig anderen Lebensbiografien.

Zwei Firmen mit Tradition

Claude R. Cornaz ist CEO und Mitglied des Verwaltungsrates der Vetropack Holding AG mit Sitz in Bülach. Er leitet in vierter Generation einen der führenden Verpackungsglasproduzenten Europas. 2012 gewann er den sogenannten «Entrepreneur Of The Year»-Family Business-Award, einen weltweit ausgerichteten Unternehmerpreis. Die Vetropack Holding AG wurde 1966 gegründet. Heute gehören Werke aus Österreich, Tschechien, Kroatien, Slowakei und Ukraine dazu. 

Tomas Prenosil ist der CEO und Delegierte des Verwaltungsrates und verantwortlich für Marketing und Entwicklung. Er hat an der Uni Zürich ein Jus-Studium absolviert. Die Gründung des Unternehmens erfolgte 1836, als David Sprüngli die Conditorei Vogel übernommen hatte. Die Confiserie Sprüngli ist nicht zu verwechseln mit dem Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli.

Zyklus  «Die Leistungen der Unternehmer für die Gesellschaft – raus aus der Wertekrise»; Lilienberg Kolloquium vom 12. Januar 2015, «Gelebte Werte in der unternehmerischen Praxis», mit Claude R. Cornaz, CEO und VR-Mitglied der Vetropack Holding AG in Bülach und Tomas Prenosil, CEO und VR-Delegierter der Confiserie Sprüngli AG in Zürich; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum; Zusammenfassung: Bruno Fuchs.

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