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«Jeder von uns kann die Energiezukunft aktiv mitgestalten»

Fritz Bächi 22.10.2015

Laut der Energiestrategie 2050 des Bundes müssten Sonne, Wind und Geothermie nach dem dereinst erfolgten Atomausstieg zehnmal mehr Energie liefern als heute. Dies ist zwar möglich, nur weiss niemand, wie der in riesigen Schwankungen anfallende Strom ohne Störung ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann. Während auf politischer und regulatorischer Ebene im Dunklen getappt wird, liefern Wissenschaftler und Praktiker spannende Lösungsansätze. Ein Anlass auf dem Lilienberg zeigte gangbare Auswege aus dem Dilemma. Es referierten Dr. Daniel Bächi und Jan Schibli.

«Jeder von uns kann die Energiezukunft aktiv mitgestalten»
Moderator Fritz Bächi (Mitte) begrüsst seine Referenten Jan Schibli (rechts) und Dr. Daniel Bächi.

Referent Dr. sc. techn. Daniel Bächi, Dipl. Masch. Ing. ETH, stellte fest: «Die Politik kümmert sich hauptsächlich um die Subventionierung der aus erneuerbaren Energien erzeugten Elektrizität. Dies obschon die Erstellungs- und Betreibungskosten für die pro Watt installierte Leistung von Solar- und von Windkraftwerken heute bereits günstiger sind als bei den nuklearen oder kohlebefeuerten Pendants.» Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien werden aber die Energiespeicherung und die Senkung des Eigenverbrauchs in Gebäuden das wichtigste Thema werden, so Bächi.

Auch wenn bereits seit einigen Jahren Lösungen für Endverbraucher von grossen Anbietern verfügbar sind und noch weitere auf den Markt kommen werden, sind diese komplex, in der Anschaffung sehr kostspielig, und sie brauchen fast alle viel Platz. Sie bieten in der Regel auch keinen netzgetrennten Betrieb. Dieser ist aber wichtig, wenn das Leben auch bei Stromunterbrüchen im Netz wie gewohnt weitergehen soll.

Verantwortung für sauberen Energiemix übernehmen

Eine kleine Batterie mit weniger als einem Viertel Quadratmeter Bodenfläche kann – mit intelligentem Power-Management und einer Photovoltaikanlage kombiniert – schon heute einen Haushalt rund um die Uhr in der Spitze mit bis zu 3 kW Leistung versorgen, erklärte Daniel Bächi. «Das reicht für Beleuchtung, Unterhaltungselektronik, IT und Kühlen. Selbst leistungsstärkere Haushaltsgeräte wie eine Waschmaschine, ein Staubsauger oder eine Mikrowelle können so problemlos betrieben werden.» Wenn auch im Winter oder bei längeren sonnenarmen Perioden ein netzunabhängiger Betrieb möglich sein soll, muss sorgfältig zwischen einer grösseren Batterie und mehr Photovoltaik abgewogen werden. An Stelle von hocheffizienten, heute noch teuren Spezialbatterien können auch gebrauchte Traktionsbatterien aus Elektrofahrzeugen verwendet werden, die als Speichermedium noch eine Restlebensdauer von etwa zehn Jahren haben und zudem sehr kostengünstig sind.

Mit der Home Battery präsentierte Dr. Bächi eine Plug & Play-Lösung, mit der Eigentümer selber Verantwortung für einen sauberen Energiemix übernehmen können, ohne die heute übliche und in Spitzenzeiten äusserst problematische Rückspeisung ins Netz.

Transferschaltung als geniale Innovation

Als herausragende Innovation sticht dabei die Transferschaltung heraus, die in engem Austausch mit Fachleuten des Eidgenössischen Starkstrominspektorates entstanden ist und  als funktionstüchtig, sicher und gesetzeskonform abgenommen wurde. Dieser Schalter trennt das hauseigene Netz von der öffentlichen Einspeisung, sobald und solange die eigene Batterie genügend Strom für den Eigenverbrauch produziert, führte Bächi aus. Eine Rückspeisung ins Netz werde dabei verhindert. Die gesamte Anlage umfasst Photovoltaikmodule, Wechselrichter, ein Ladegerät, eine 3kWh Bleibatterie sowie die nötigen Anpassungen der Hausinstallation durch einen konzessionierten Elektriker. Sie soll für weniger als 10‘000 Franken erhältlich sein.

Photovoltaik als tragende Energiesäule?

Der zweite Referent, Jan Schibli, CEO der Hans K. Schibli AG und erfahrener Elektrotechnik-Unternehmer, betonte, dass die Wahl einer alternativen Energie zuerst eine Sinnfrage sein soll: Seine Kunden müssten überzeugt sein vom Ende der fossilen Energie, da die Sonne der bei weitem beste Energielieferant ist. Zudem sollten sie stolz darauf sein, einen ökologisch sinnvollen Beitrag zu leisten und selber Verantwortung für die künftige Energieversorgung zu übernehmen, auch wenn dies vorderhand immer noch teurer ist als der herkömmliche Strom aus der Steckdose.

Die Umstellung auf Solarenergie bedingt laut Schibli eine sorgfältige und breit angelegte Planung. Stichworte sind dabei etwa: Bewilligungen, Meldepflicht, Vorschriften, Brandschutz, Denkmalschutz, Einsprachen von Nachbarn, Förderprogramme, Statik, Modulauswahl, Montageart, Platzierung der Anlage, Ausbaufähigkeit, Kombination mit thermischer Solaranlage etc.

Die Einbindung ins Gebäudesystem stelle nochmals besondere Anforderungen, so Jan Schibli: Er nannte in diesem Zusammenhang: Messung, Platzierung von Wechselrichter und Speicherelementen, Leitungsführung, Anlageüberwachung und - auswertung, Eigenverbrauchsquote das heisst Teil- oder Ganzautonomie sowie intelligente Gebäudetechnik. «Eine Solarlösung bringt zudem wenig, wenn die Gebäudehülle schlecht isoliert ist, Energiefresser nicht ersetzt werden oder unnötige Verbraucher nicht abgeschaltet werden», sprach Schibli Klartext. Ganz wichtig sei es, das eigene Verbraucherverhalten kritisch zu hinterfragen und sich von geprüften und erfahrenen Fachpartnern beraten zu lassen!

Schibli ist überzeugt: «Im Zusammenspiel von Energieeffizienz und intelligenten Steuerungs- und Speichersystemen kann die Photovoltaik zu einer tragenden Energiesäule in der Schweiz werden. Diese Lösungen werden zwar finanziell erst dann richtig interessant werden, wenn die Energiepreise deutlich steigen.»

Die anschliessende, lebhaft geführte Diskussion lieferte viele wertvolle Gedankenanstösse und zeigte auf, wie wichtig eine sachliche und verantwortungsvolle schweizerische Energiepolitik ist. Fakt ist aber auch, dass jeder von uns als Verbraucher die Zukunft in Sachen Energieversorgung selber gestalten und mitverantworten kann.

Zyklus «Innovationen im Energie- und Umweltbereich – Ja, aber wie?»; Unternehmerisches Gespräch vom 19. Oktober 2015 «Intelligente Solaranwendungen – Ja, aber wie?»; mit Dr. Daniel Bächi, Dipl. Masch. Ing. ETH, Inhaber Baechi Home Batteries, Haag, und Jan Schibli, CEO Hans K. Schibli AG, Zürich; Moderation und Zusammenfassung: Fritz Bächi (Aktionsfeld Gesundheit & Umwelt); Redaktion: Stefan Bachofen.

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Moderator Fritz Bächi (Mitte) begrüsst seine Referenten Jan Schibli (rechts) und Dr. Daniel Bächi.
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