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┬źIch brauche Herausforderungen f├╝r K├Ârper und Geist┬╗

14.10.2016

145. Lilienberg Gespräch mit Kariem Hussein, Europameister über 400 Meter Hürden und angehender Mediziner

Kariem Hussein blickt, mitten in der Sportlerlaufbahn stehend, auf eine bisher fulminante Leichtathletik-Karriere zurück. Der Thurgauer, auch angehender Mediziner, schaffte es nach einer ungewöhnlichen Leistungsentwicklung über die 400-Meter-Hürdendistanz gar, Europameister zu werden. «Ich bin sehr ehrgeizig und will vieles möglichst schnell erreichen», umschrieb der 27-Jährige bei seinem Besuch auf Lilienberg seine markantesten Merkmale.

┬źIch brauche Herausforderungen f├╝r K├Ârper und Geist┬╗
Kariem Hussein: ┬źIch bin sehr ehrgeizig und will vieles m├Âglichst schnell erreichen.┬╗

Kariem Hussein hat erst mit knapp 20 Jahren zur Leichtathletik gefunden. Und dies auch eher zufällig. «Als ich mit einigen Kollegen in Zürich im Ausgang weilte, bin ich Sprintstar Usain Bolt begegnet. Als ich seinen Körperbau genauer unter die Lupe nahm, sagte ich zu meinen Begleitern: Jungs, der sieht ja aus wie wir!» Noch am gleichen Abend habe er angekündigt, an den Olympischen Spielen 2012 in London dabei sein zu wollen - als Leichtathlet natürlich, nicht als Zuschauer!

«Ich habe es einfach gemacht»

Diese wegweisende Episode geht ins Jahr 2008 zurück. Fortan konzentrierte er sich voll und ganz auf seine Entwicklung als Leichtathlet. «Ich war schlank, hatte lange Beine, aber eine schlechte Körperspannung», blickt Hussein zurück. Seine Trainer hätten jedoch schnell gesehen, dass seine Hebel für einen 400-Meter-Hürdenläufer vorteilhaft sein könnten. Er habe zuvor eigentlich damit geliebäugelt, als Zehnkämpfer in der Leichtathletikszene voranzukommen.

Beginn des kometenhaft anmutenden Aufstieges des Leichtathleten Hussein war ebenfalls im Jahr 2008. Damals nahm der talentierte Sportler an den Mittel- und Berufsschulmeisterschaften in Frauenfeld teil. Ohne Spikes und nur in Turnschuhen ist der Thurgauer 2,01 Meter hoch gesprungen. Von Moderator Georg Leumann, ehemaliger Prorektor der Pädagogischen Maturitätsschule Thurgau, auf diese Marke angesprochen, antwortete Hussein, wie noch des öftern im Verlauf dieses Lilienberg Gesprächs: «Ich habe es einfach gemacht.»

Auf Sport und Job fokussiert

Das Medizinstudium gilt als anspruchsvoll. Kariem Hussein hatte seine Studienzeit an der Universität Fribourg begonnen. Vor vier Jahren habe er, der Athlet des LC Zürich, endlich nach Zürich wechseln und hier seine Studien fortsetzen können.

Ihm scheint es gut zu gelingen, die immensen Anforderungen im Studium und die Ansprüche an einen Spitzensportler unter einen Hut zu bringen. «Den Sport kann ich gut um das Studium herum planen», betonte er.  «Als Spitzensportler muss ich ja nicht jeden Tag zehn Stunden trainieren. Das Geheimnis liegt vielmehr in der Qualität der Trainings - vor allem aber auch in der Erholung.» Es sei immer klar, dass er, wenn er im Final eines Wettkampfes stehe, um den Sieg laufen wolle. «Wenn die Vorbereitung stimmt, muss ich als Athlet am Tag X nicht unbedingt 100 Prozent meiner Möglichkeiten abrufen können, um ein Rennen zu gewinnen.»

Dem Druck gewachsen sein

Hussein bezeichnete sich im Gespräch als einen, der zwar Druck benötige, der aber auch gut mit Druck umgehen könne. «Ich wusste schon früh, dass ich mich zum Mediziner ausbilden lassen wollte. Hierfür benötigt man aber eine Matura. Das zehnte Schuljahr, in dem mein Knopf erst so richtig aufging, neigte sich dem Ende zu, und ich hatte die Aufnahmeprüfung ans Gymi zuvor zweimal nicht bestanden. Nun aber war der Zeitpunkt gekommen, dass ich definitiv bestehen musste, sollte mein Berufstraum nicht platzen», erinnerte sich Hussein.

Die Kantonsschule selber habe er dann doch eher locker gemeistert und dabei auch den ersten Zugang zu Leichtathletikdisziplinen erhalten. Dass er es derart schnell an die Spitze einer Leichtathletikdisziplin schaffen würde, habe ihm viel Befriedigung gebracht. «Ich bin diesen Weg einfach gegangen und habe daran geglaubt, dass das möglich ist», tönte es aus seinem Mund ziemlich einfach. Er ist sich bewusst, dass es viele Verbandsfunktionäre wohl lieber gesehen hätten, wenn er in seiner «besten Wettkampfzeit» nur auf den Sport gesetzt hätte. «Ich benötige aber Herausforderungen sowohl für Körper als auch Geist», legte er dar.

«Mentaltraining? Für mich zählen andere Dinge!»

Hussein offenbarte, dass er vor einem Rennen keine besonderen Strategien verfolge. «Ich habe noch nie ein mentales Training gemacht. Mir ist der Austausch mit einer Bezugsperson wichtiger», sagte er. Dann sei er im Gleichgewicht. Seit seinem EM-Erfolg 2014 könne er sich jedoch auf ein Management verlassen und so das machen, was ihm am Herzen liege: Sport treiben und seine Studien zu Ende bringen.

Aus dem Publikum wurde Hussein zu seinem Lebensziel befragt. Er wirke bescheiden, obwohl er ein Top-Sportler und angehender Mediziner sei. «Ich bin so erzogen worden», betonte er. Angesprochen auf seine unterschiedlichen Tätigkeitsfelder liess er die Zuhörer wissen, dass er ein sehr interessierter, dynamischer Mensch sei. «Ich habe an vielem Freude, und ich will meine Zeit nicht nur mit Lernen verbringen», betonte er. Wenn er auch mit 50 oder 60 Jahren noch sagen könne, dass er etwas mit Freude mache, dann erfülle es ihn. «Ich strebe aber sicher nicht nach einer 100-Stunden-Woche als Mediziner!»

145. Lilienberg Gespräch vom 5. Oktober 2016 mit Kariem Hussein, Europameister über 400 Meter Hürden und angehender Mediziner; Moderation: Georg Leumann, ehemaliger Leiter Aktionsfeld Bildung & Sport; Zusammenfassung: Marcel Vollenweider.

Zur Person Kariem Hussein

Kariem Hussein wurde am 4. Januar 1989 als Sohn eines ägyptischen Vaters und einer Schweizer Mutter geboren. Er hat seine Jugendzeit in Tägerwilen verbracht. Hussein ist 1,91 Meter gross und 77 Kilogramm schwer. Der angehende Mediziner spielte einst als leidenschaftlicher Fussballer beim FC Tägerwilen. Als er sein Studium in Medizin aufnahm, wandte er sich wegen der individuelleren Trainingsmöglichkeiten der Leichtathletik zu.

Sein erstes Rennen über 400-Meter-Hürden lief er am 18. Juli 2009 in Bern. Zwischen 2011 und 2015 errang er fünfmal in Folge den Schweizermeistertitel in dieser Disziplin. 2012 qualifizierte er sich erstmals für die Olympischen Spiele, musste aber aus Verletzungsgründen passen. 2016 scheiterte der Thurgauer an den Olympischen Spielen in Brasilien aufgrund eines Trainingsrückstandes nach einer Verletzung bereits im Vorlauf. Der EM-Titel 2014 in Zürich ist das bisherige Glanzlicht in Husseins Leichtathletik-Karriere. 

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