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Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen

10.11.2014

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zupfen an der Schule herum mit dem Resultat, dass die Bildung ihre Grenzen erreicht. Lehrpersonen geraten ans Limit. Jeder stelle Ansprüche an die Schule und das könne nicht gut herauskommen, meinte  Dr. Ellen Ringier.  Die Präsidentin der Stiftung Elternsein war zusammen mit Anne Varenne und Michael Schönenberger Gast eines Podiumsgesprächs.

Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
Podiumsleiter Christoph Vollenweider (Zweiter von rechts) diskutierte mit Anne Varenne (links), Dr. Ellen Ringier und Michael Schönenberger die Grundsatzfrage, in welche Richtung die Volksschule ihres Erachtens gehen sollte.

Die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum hatte sich in den vergangenen drei Jahren mit der Frage beschäftigt: In welche Richtung soll die Volksschule gehen? Personen aus der Wirtschaft bekräftigten, was Lehrbetriebe von den Absolventen der Volksschule verlangen und ob der Lehrplan 21 geeignet sei, um die Erwartungen zu erfüllen. Personen aus dem Umfeld der Bildung diskutierten darüber, wie die Volksschule der Zukunft aussehen soll. In einem abschliessenden Podiumsgespräch befragte Christoph Vollenweider Dr. Ellen Ringier, Anne Varenne und Michael Schönenberger, nach ihrer Sicht der Schule.

Der Lehrplan 21 steht stark im Gegenwind. Moderator Vollenweider wollte von seinen Gästen wissen: Stehen wir in der Bildung vor einem Scherbenhaufen? «Ja, die Schule ist in der Krise!», sagte Ellen Ringier, die Gründerin und Präsidentin der Stiftung Elternsein und Herausgeberin des Schweizer Elternmagazins «Fritz + Fränzi» ist. Die Schule sei immer auch ein Teil der Gesellschaft und deshalb könne man die Schule nicht gesondert betrachten. Der Gesellschaft stellt die Juristin und Anwältin kein gutes Zeugnis aus. Sie sagte: «Der soziale Zusammenhalt in der Gesellschaft schwindet.» Heute würden sich alle in der Schule einmischen, selbst die Wirtschaft habe die Schule entdeckt. Jeder Teil der Gesellschaft stelle seine Ansprüche an die Schule und das könne nicht gut herauskommen. Ringier blickte in die Vergangenheit, wo der Lehrer eine Autorität gewesen war und Eltern ihm zumuteten, dass er seine Arbeit richtig macht.

Ob die Schule in der Krise sei, wollte Anne Varenne, Präsidentin von Bildung Thurgau, nicht mit einem klaren Ja beantworten. «Nicht die Schule ist in einer Krise, sondern die Schule ist im Umbruch», klärte sie. Laut der ausgebildeten Primarlehrerin waren die Aufträge an die Schule früher klarer formuliert. Zudem nahmen die Aufgaben in den vergangenen zehn Jahren massiv zu.

Lehrer mit Herzblut

Die Schule sei nicht in einer Krise, findet Michael Schönenberger, Inlandredaktor der NZZ mit den Themenschwerpunkten Sozialstaat, Sozialversicherung, Bildung und Parteien. Als Vater und Redaktor erlebt er sehr engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die in der Schule mit den Kindern viel erreichen. Wenn er in seine Schulzeit zurückblickt, findet er, dass seine Lehrpersonen nicht die Hälfte an Engagement zeigten. Die Gesellschaft und Wirtschaft stellen viele Ansprüche an die Schule, die diese gar nicht immer erfüllen können. So zum Beispiel bei der Frage von Ausländern. 

Mit der Integration von Kindern aus anderen Sprachräumen und Kulturen würden die Schulen an Grenzen stossen, sagte Schönenberger, der vor seiner Zeit bei der NZZ massgeblich am Aufbau der Zürcher Landzeitung beteiligt war. Das von Ellen Ringier angesprochene Autoritätsproblem gegenüber der Schule sieht er als ein Problem der Eltern. Diese hinterfragen die Arbeit der Lehrpersonen und sind verunsichert, ob ihre Kinder die berufliche Zukunft meistern werden. 

Christoph Vollenweider bat seine Gesprächspartner anschliessend um ein Statement, wo denn die Schule heute besser geworden sei als gegenüber früher. «Die Kinder sind heute selbstständiger im Denken und Verhalten», stellte Anne Varenne fest. Laut der Bildungspolitikerin wissen die heutigen Kinder mehr als früher und fordern Hilfe an, wenn sie nicht weiterkommen. Trotzdem kam sie auf eine Entwicklung zu sprechen, die ihr zu denken gibt: «Unsere jungen Menschen werden immer einsamer.» Diesen Umstand führt sie auf die Digitalisierung der Gesellschaft zurück. Sie ging gar soweit und sagte, es werde einmal eine Zeit kommen, wo die Menschen die Mimik und Gestik nicht mehr lesen können.

Hoheit der Kantone hat ihre Grenzen

Aus Aktualitätsgründen ging Christoph Vollenweider auf den Lehrplan 21 ein. Anne Varenne begrüsst den neuen Lehrplan, anerkennt die Hoheit der Kantone, aber fragte sich, wo die Grenze dieser Hoheit ist. Für die unterschiedlichen Schulen in den Kantonen braucht es eine Harmonisierung bezüglich den Stundentafeln und Kompetenzen bei den Fächern. Für Varenne ist der Lehrplan 21 nicht gescheitert. Sie wünscht sich von den Politikern, dass sie den Lehrplan nicht zerpflücken, sondern sich stattdessen Gedanken machen, wie man die Harmonisierung der Schweizer Bildung weiterbringen kann. Auch Ellen Ringier befürchtete, dass sich die Politiker am Lehrplan 21 reiben werden. «Der Lehrplan 21 darf nicht zum Spielball der Politik werden», mahnte sie.  

Gelassen und zuversichtlich gab sich Michael Schönenberger. Die einzelnen Schulsysteme und deren Strukturen würden sich immer mehr annähern, meinte er. Die Lehrerverbände waren bei der Ausarbeitung des Lehrplans 21 von Anfang an dabei und konnten ihre Ideen einbringen. Für den NZZ-Redaktor muss in der Schule nicht alles gleich sein und er sagte: «Eine Vereinheitlichung in der Schule ist nicht automatisch gut. Die Lehrpläne dürfen ruhig auch Konkurrenz zueinander sein.»

Zyklus «Volksschule der Zukunft: Alle wissen es besser – gibt es trotzdem einen Konsens?»; Ausserordentliches Gespräch vom 3. November 2014 «In welche Richtung soll die Volksschule gehen?», mit Dr. Ellen Ringier, Präsidentin der Stiftung Elternsein, Zürich, Anne Varenne, Präsidentin Bildung Thurgau, Frauenfeld, und Michael Schönenberger, Inlandredaktor NZZ, Zürich; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum; Zusammenfassung: Bruno Fuchs.

Gute Lehrpersonen sind gefragt

Dr. Ellen Ringier, Anne Varenne und Michael Schönenberger waren sich in einem Punkt einig: Die Qualität der Schule hängt von der Lehrperson ab. Um gute Lehrerinnen und Lehrer in der Schule zu beschäftigen, müsse diesen auch ein anständiger Lohn bezahlt werden, sagte Schönenberger. Ringier wünschte sich Lehrpersonen, die offen gegenüber Eltern und Kinder seien und für diese ein Herz haben. Varenne meinte, es sei für die Lehrpersonen wichtig, wenn diese wieder einen klaren Auftrag erhalten würden.

Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
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Die Schule hat das Problem, sich abzugrenzen
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Podiumsleiter Christoph Vollenweider (Zweiter von rechts) diskutierte mit Anne Varenne (links), Dr. Ellen Ringier und Michael Schönenberger die Grundsatzfrage, in welche Richtung die Volksschule ihres Erachtens gehen sollte.
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