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«Der Regulierungswahn führt dazu, dass weitere Banken in ihrer Existenz bedroht sind»

06.09.2017

«Die zunehmende Regulierungsdichte in der Finanzbranche fordert uns heraus», sagt Gian Rossi, Leiter Geschäft Schweiz bei der Bank Julius Bär. Rossi betonte an der Lilienberg Veranstaltung von Ende August, dass die Tätigkeit im sich verändernden Umfeld aufgrund zahlreicher regulatorischer Einflüsse sehr anspruchsvoll geworden sei. 

«Der Regulierungswahn führt dazu, dass weitere Banken in ihrer Existenz bedroht sind»

Gian Rossi beleuchtete am zweiten Anlass der Gesprächsreihe, die Lilienberg in Kooperation mit der Bank Julius Bär durchführt, das Thema «Das Private Banking in der Schweiz - Bedeutung und aktuelle Herausforderungen».

Vor seinem Referat beantwortete Rossi die Frage, ob sich der Beruf des Bankers verändert habe. Früher, sagte er, habe die Bankbranche ein hohes Ansehen genossen und Respekt verspürt. «Inzwischen, nicht zuletzt wegen wenig vorteilhafter Verhaltensmuster einzelner Institute und Führungskräfte, hat die Branche jedoch viel an Reputation eingebüsst», führte Rossi aus.

Viel politische Hintergrundarbeit

Der Referent legte dar, dass er sich öfters in Bern aufhalte, dort, wo die politischen Entscheidungsträger zusammenkommen. «Ich bin stark mit politischer Hintergrundarbeit beschäftigt und lote aus, inwieweit unser Unternehmen von den einzelnen Vorstössen oder Abstimmungsvorlagen konfrontiert sein könnte», sagte Rossi.

Die Bank Julius Bär lege viel Wert darauf, dass ihre Mitarbeitenden die politischen Zusammenhänge nachvollziehen könnten. Deshalb würden vor Abstimmungen alle Parteien eingeladen, ihre Sichtweisen zu Vorlagen zu erläutern. Rossi: «Diese Anlässe dienen der Meinungsbildung unserer Mitarbeitenden.»

«Wir brauchen Innovation und Effizienz»

Bezüglich Wettbewerbsfähigkeit schätzt Rossi das Private Banking in der Schweiz als unschlagbar ein. «Um diesen Status zu wahren, sind jedoch Innovation und Effizienz dringend nötig.» In Sachen Innovation sei die Schweiz Weltmarktführerin. Daraus gelte es Profit zu schlagen. Die Schweizer Finanzbranche stütze ihr Wirken zudem auf viele Werte, um sich im internationalen Vergleich positiv behaupten oder gar abheben zu können. «Die anhaltenden geopolitischen Probleme sollten den Kundenzufluss stärken», führte er aus.

Rossi meinte, dass der Schutz der Privatsphäre nach wie vor einen hohen Stellenwert habe. Vermögende Kunden wollten nicht zeigen, was sie besitzen. «Dies wiederum fordert uns heraus», meinte er. Die in den vergangenen Jahren massiv zugenommenen regulatorischen Vorgaben würden dem Kunden wenig bis nichts bringen. «Für die Finanzinstitute bedeuten sie aber einen enormen Kostenaufwand», folgerte er und machte ein konkretes Beispiel: Auf 70 Anlageberater kämen 35 Stellen, welche die Prozesse überwachen. Dies könne nicht kostenneutral sein. «Wir sollten bessere Technologien forcieren, um die Abläufe in der Administration zu optimieren und unser Wissen über unsere Kunden gewinnbringend einsetzen zu können.»

Der Referent vermutet, dass die hohe Regulierungsdichte über kurz oder lang dazu führen werde, dass weitere Banken in ihrer Existenz bedroht sind und von der Bildfläche verschwinden. 70 Prozent der anfallenden Kosten im Finanzwesen hierzulande würden in Schweizer Franken verbucht, jedoch nur rund 30 Prozent der Erträge in dieser Währung. Diese Diskrepanz mache den einheimischen Finanzinstituten zu schaffen.

«Mitarbeiter sind das Kapital»

Der Redner gab zu verstehen, dass die Bank Julius Bär derzeit mit der Ausarbeitung des Projekts «Vision 2020» beschäftigt sei. Die darin enthaltenen Bestrebungen zielten darauf hin, die Digitalisierung voranzubringen. «Standardisierte Kontoeröffnungsprozesse wären wichtig», betonte Rossi.

Trotz aller Veränderungen, die angesichts der regulatorischen Vorgaben notwendig würden, blieben gute Mitarbeiter das eigentliche Kapital im Finanzdienstleistungssektor. Es sei von grosser Bedeutung, dass die Finanzbranche ihren verloren gegangenen guten Ruf wieder zurückgewinnen könne. Hierzu gelte es durch die Bankangestellten in der täglichen Arbeit viel in den Vertrauensaufbau zu investieren. Es gelte, das teils arg ramponierte Berufsbild auf Vordermann zu bringen. Rossi verneinte nicht, dass es vielen in der Finanzbranche noch zu gut gehe.

«Nicht unter einer halben Million Franken»

Auf die Frage, ob die Privatbank Julius Bär nur eine Bank für Reiche sei und wo denn die Mindest-Vermögenslimite liege, meinte Rossi, dass ein Kunde schon über halbe Million Franken verfügen müssen. «Schlichtweg darum, um sinnvoll diversifizieren zu können.»

In der Diskussion wollte ein Gast vom Finanzfachmann wissen, ob die Finanzbranche angesichts der technologischen Entwicklung, zum Beispiel anhand von Industrie 4.0, für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet sei, um künftig auf gewisse Prozesse verzichten zu können. «Wir sind diesbezüglich noch hinter dem Mond», meinte Rossi. Manchmal staune er, wie mangelhaft gewisse Prozesse ablaufen. «Wir hinken klar hinter der Industrie her und haben einen riesigen Aufholbedarf.»

Zyklus «Der Bankenplatz Schweiz und seine Zukunft»; Unternehmerisches Gespräch vom 28. August 2017 «Das Private Banking in der Schweiz – Bedeutung und aktuelle Herausforderungen» mit Gian A. Rossi, Leiter Geschäft Schweiz, Bank Julius Bär; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen; Zusammenfassung: Marcel Vollenweider.

Zur Person Gian Rossi

Gian Rossi ist ein ausgewiesener Finanzfachmann. Der 47-Jährige hat an der Fachhochschule für Wirtschaft den Bachelor in Finanz- und Bankwissenschaften erworben. Seit November 2006 ist er für die Bank Julius Bär tätig. Anfänglich wirkte er während zehn Jahren als CEO Private Banking Deutschschweiz sowie für die Regionen Nord-, Zentral- und Osteuropa. Seit rund einem Jahr obliegt ihm die Verantwortung für den Markt Schweiz. Rossi ist Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Julius Bär und ein enger Vertrauter von CEO Boris Collardi. Gemäss einem Ranking der Zeitschrift Bilanz vom September 2016 gehörte Rossi zu den «Top 100 der wichtigsten Geldmanager in der Schweiz». «Darauf bilde ich mir aber rein gar nichts ein», antwortete er auf eine Frage aus dem Publikum. Er generiere seine Befriedigung im Berufsleben vielmehr aus erfüllenden Kundenkontakten. «Das ist das Schöne an diesem Beruf.»

«Der Regulierungswahn führt dazu, dass weitere Banken in ihrer Existenz bedroht sind»
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