Zur unternehmerischen Freiheit gehört Verantwortung

Valentin Vogt und Franz Grüter setzen sich für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft ein. Damit brechen sie das Schweigen vieler Unternehmer, die nicht zu den Abzockern gehören und neue Akzente setzen. Wie sie die Entfremdung zwischen der breiten Öffentlichkeit und dem Unternehmertum überwinden möchten, zeigen ihre Referate auf.

 Bruno Fuchs     18.07.2014

Am Kolloquium über «Gelebte Werte in der unternehmerischen Praxis» sagte der Referent Franz Grüter, CEO von green.ch: «In der Schweiz haben wir in den vergangenen Jahren eine starke Entfremdung zwischen Bürger und der Wirtschaft erfahren.» Es gehe nun darum, dass Unternehmer wieder Vertrauen in der Öffentlichkeit herstellen. Noch klarer drückte es Valentin Vogt von der Burckhardt Compression Holding AG aus: «Unternehmer haben eine besondere Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft. Zur unternehmerischen Freiheit gehört Verantwortung.» Einige wenige hätten diese Freiheit ausgenutzt, und nun würden viele Unternehmer dafür büssen.

Das Kolloquium vom 8. Juli ist der Auftakt eines Zyklus mit dem Titel «Die Leistungen der Unternehmer für die Gesellschaft – raus aus der Wertekrise». Diesem Thema liege zugrunde, dass das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Gesellschaft in einer Krise steckt, sagte einleitend Moderator Christoph Vollenweider. Die Initianten des Zyklus stützen sich auf die breite Frustration der Bevölkerung, die sich in Volksinitiativen der jüngsten Vergangenheit ausdrückt. Das lange Schweigen von grossen Teilen der Unternehmer, die nicht masslos abzocken, soll ein Ende nehmen.

Verschiedene Formen von Gewinnbeteiligung

«Mitarbeitende müssen erleben, dass man es als Arbeitgeber mit ihnen gut meint und dass man die Prinzipien des Unternehmens vorlebt», sagte Valentin Vogt. Damit die Mitarbeitenden am Erfolg beteiligt sind, erhalten alle 4000 Franken. Sie sind frei, wie sie das Geld verwenden. Die Firma bietet ihnen eigene Aktien, damit sie am Erfolg des Unternehmens beteiligt sind. Der 13. Monatslohn, der in Form von Gewinnbeteiligung überwiesen wird, ist eine weitere Form, um gute Leistungen zu honorieren.

Vorbild sein, einfache Abläufe, Kontinuität und Pragmatismus sind wichtige Werte bei Burckhardt Compression. Das Durchschnittsalter von 44 Jahren ist ein Hinweis dafür, dass sich die Mitarbeitenden im Betrieb wohl fühlen und über längere Zeit dort arbeiten. Derzeit bildet das Unternehmen 40 Lernende aus, von denen 30 bis 40 Prozent nach Lehrabschluss in der Firma bleiben.

Burckhardt Compression unterstützt Frauen, die im Beruf weiterkommen wollen. Derzeit sind 15 Frauen in Führungsposition, und im Verwaltungsrat liegt die Frauenquote bei 20 Prozent. Das Unternehmen bietet Teilzeitarbeit für Männer und Frauen an, besonders wenn sie Familie haben. Leider sei es aber so, dass viele Frauen nur eine 30- bis 40 Prozentstelle annehmen, was für die Firma unbefriedigend ist, sagte Valentin Vogt.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Unternehmens nimmt einen wichtigen Platz in der Philosophie von Burckhardt Compression ein. Mitarbeiter, die sich in einer Behörde engagieren, werden unterstützt. Da sieht Valentin Vogt eine Chance, um Anliegen und Meinungen von Unternehmern gegenüber Politikern zu vertreten. Beteiligt sich ein Mitarbeiter in einem Verein, zahlt die Firma 250 Franken in die Vereinskasse.

Verlässlichkeit, Vertrauen und Verantwortung

Auch Franz Grüter ist die gesellschaftliche Bedeutung von green.ch ein wichtiges Anliegen. Die Firma unterstützt kleinere Vereine und sponsert einen grossen Fussballklub. Dass das Unternehmen auf reges Interesse stösst, zeigen die jährlich 1500 Besucher, die das Rechenzentrum von green.ch aus der Nähe sehen wollen. Franz Grüter führte auf Lilienberg aus, dass die Firma im Kanton Aargau bestens integriert sei.

Der CEO von green.ch ist seit gut drei Jahren Luzerner Kantonalpräsident der SVP. Dieses Amt und die Arbeit im Unternehmen fordern ihn rund um die Uhr. Mit seinem Engagement in der Politik sieht er keinen direkten Nutzen für sein Unternehmen. Man könne sich im Leben nicht immer fragen, wie viel man verdient, wenn man eine Aufgabe übernimmt. Es brauche Leute, die einen Teil ihres Lebens der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, sagte er.

green.ch profitierte von einer schnellen Entwicklung in der Informationstechnik. Der Bedarf an sicheren Datencentern wuchs und die Schweiz stieg international zu einem attraktiven Standort auf. Um Erfolg zu haben, steht aus diesem Grund ein Punkt im Zentrum: Verlässlichkeit gegenüber dem Kunden. 

Zu den weiteren Werten in der Firma zählt Franz Grüter das Vertrauen gegenüber dem Kunden, aber auch die Kontinuität, die in der IT-Branche nicht selbstverständlich ist. Vorbildfunktion, Verbindlichkeit und eine gute Kommunikation sind weitere wichtige Faktoren. Grüter fasste die Werte der Firma in einem Satz zusammen: «Wir sagen, was wir tun – und wir tun, was wir sagen.»

Zyklus  «Die Leistungen der Unternehmer für die Gesellschaft – raus aus der Wertekrise»; Lilienberg Kolloquium vom 8. Juli 2014, «Gelebte Werte in der unternehmerischen Praxis», mit Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes und Präsident des Verwaltungsrates Burckhardt Compression Holding AG, und Franz Grüter, CEO green.ch; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum; Zusammenfassung: Bruno Fuchs

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