Schüler-Start-ups: Veloschloss mit Fingerabdruck

Ein Veloschloss mit Fingerabdruck, individuell gestaltete Schnürsenkel und ein Partypack für Nachtschwärmer – das sind die Sieger bei einem deutsch-schweizerischen Start-up-Wettbewerb für Schüler im Lilienberg Unternehmerforum.

 Kerstin Conz     30.06.2015

«Habt ihr einen Prototypen? Ich würden den sofort kaufen.» Hauke Hansen von den Business Angels Switzerland ist vom Veloschloss mit Fingerabdruck begeistert. Einen Prototypen haben die Schülerinnen Alexandra Schmid und Maren Becker zwar nicht, aber sie haben schon mit einem Patentanwalt gesprochen. Ein angemeldetes Patent sei abgelaufen. Das Schloss könnte produziert werden. Ihre Erfindung sei kinderleicht und idiotensicher. Die Technologie des Fingerabdrucksensors werde bereits beim iPhone und von Automobilherstellern angewendet. 150 Euro würde es in etwa kosten. Nicht günstig, aber auch nicht so viel, wenn man bedenkt, was für Fahrräder heute ausgegeben wird, finden die Schülerinnen und schwingen sich auf ihr Rad.

Ja zur Masseneinwanderungsinitiative gab den Ausschlag

Alexandra Schmid und Maren Becker vom Konstanzer Ellenrieder Gymnasium sind mit ihrem cleveren Smartschloss die Sieger beim so genannten Elevator-Pitch, das im Lilienberg Unternehmerforum durchgeführt wurde. Fast ein Schuljahr lang hatten sich die Schüler der Kantonsschule in Kreuzlingen und des Ellenrieder Gymnasiums im Rahmen des Projekts «Jung am Start» mit dem Thema Unternehmensgründung beschäftigt. Zunächst hatten sie Gründer in der Region interviewt.

«Die Schüler sollten nicht nur über die Geschäftsideen Bescheid wissen, sondern auch erfahren, welche Schwierigkeiten beim Aufbau eines Unternehmens auftauchen können, und wie diese überwunden werden», erklärt Christine Scherer. Die Lehrerin des Ellenrieder Gymnasiums in Konstanz hatte das Projekt mit der Journalistin Kerstin Conz ins Leben gerufen. Grund war Frust über das schlechte nachbarschaftliche Verhältnis nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative im vergangenen Jahr. «Wir wollen die persönlichen Kontakte über die Grenze hinweg stärken», so Kerstin Conz. «Christoph Vollenweider vom Lilienberg Unternehmerforum hat uns dabei ganz toll unterstützt.»

Drei Minuten hatten die Teams Zeit, ihre Ideen zu präsentieren. Danach bohrte die Jury nach, nämlich Herbert Galda vom Swiss German Club, Hauke Hansen von den Business Angels Switzerland und Jens Freiter, Mitbegründer des Hotelbewertungsportals HolidayCheck. Die drei hatten sichtlich ihren Spass. «Man darf sich nicht entmutigen lassen», rief Jens Freiter den jungen Leuten zu.

Den zweiten Rang schaffte mit «AnNa’s Shoelaces» ein Schweizer Team. Anna König, Silvio Pöschel und Nevya Thotthan von der Kantonsschule Kreuzlingen produzieren Schnürsenkel auf Kundenwunsch. Individualisierbare Massenprodukte liegen im Trend. «Das sieht man an Internetportalen wie Dawanda. Ich würde die Schuhbändel erst einmal über diese Seite zu vertreiben», riet Freiter.

Der Retter für die Partynacht

Das Partypack auf dem dritten Platz ist eine deutsch-schweizerische Erfindung. Valérie Härle und Dusanka Miljic von der Kantonsschule Kreuzlingen hatten mit den Konstanzern Levin Eisenmann und Vincent Fietzek im Ausgang festgestellt, dass immer wieder Sachen fehlen. Den Mädels das Haarspray, bei den Herren könnte mitunter ein Deo nicht schaden. Alles zusammen bietet der «Partysaviour». Den Retter für die Partynacht soll es in Clubs in Automaten geben. «Das ist ziemlich teuer», gab Jurymitglied Herbert Galda zu bedenken. Zunächst könnte man gebrauchte Automaten kaufen, sagten die Schüler. Die gebe es ab 1000 Franken.

Mit dem PraktiOrdner wollen die Thurgauer Kantonsschüler Sandro Leone und Anina Eggimann sich und anderen das Leben leichter machen. Die beiden haben einen Ordner so «umgebaut», dass man alle Utensilien darin verstauen kann: Unterlagen, Stift und eine Schiefertafel für Notizen.

Einen Becher, der Getränke nicht nur warmhält, sondern auch aufheizt, haben Hanna Mayer und Leonie Schmutz erfunden. Sie hatten die lange Schlange an der Mensa und den lauwarmen Kaffee satt.

Auf den Trend zum grünen Start-Up springen die Kanti-Schüler Gabriel Engelhart und Stefan Rau auf. In weniger als fünf Minuten produzieren sie aus alten Dosen trendige Teelichter und Aschenbecher.

Einen Generator, mit dem Kunden in Fitnessstudio ihre Energie direkt wieder einspeisen können, haben die Konstanzer Carlo Martin, Nathalie Matern und Nina Becker erfunden.

«Wir sind sehr stolz auf unsere Schüler», sagte Arno Germann, Rektor der Kantonsschule. Auch ihr Wirtschaftslehrer Walter Schmid war begeistert. «Wir haben viel gelernt», sagte er über das Projekt «Jung am Start».

Grenze als Chance sehen, nicht als Hindernis

Ganz leicht war es allerdings nicht, die Kontakte über die Grenze zu knüpfen. Vor allem die unterschiedlichen Ferienzeiten machten die Organisation oft schwierig. Einige Schüler wollten jedoch auch nach dem Projekt noch in Kontakt bleiben. Auch die Jury warb dafür, die Grenze nicht als Hindernis, sondern als Chance zu begreifen. «Wir haben nicht nur eine geographische Grenze, sondern oft auch eine Grenze im Kopf», sagt Herberg Galda vom Swiss German Club. Selbst erfahrene Geschäftsleute würden sich dadurch viel entgehen lassen.

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