Oberste Personalchefin

Personalchefin von 37‘000 Bundesangestellten

149. Lilienberg Gespräch mit Dr. Barbara Schaerer, Direktorin des Eidgenössischen Personalamtes

Dr. Barbara Schaerer hat den Grossteil ihres Berufslebens in der Bundesverwaltung verbracht. Heute ist sie als Direktorin des Eidgenössischen Personalamtes (EPA) Personalchefin von rund 37‘000 Bundesangestellten. Auf Lilienberg erzählte sie dem Publikum von ihrem Werdegang und stand Moderator Christoph Vollenweider Red und Antwort. Ob man beim Bundespersonal nicht vermehrt sparen könnte und müsste, war eine der Fragen, die ihr der Lilienberg-Programmleiter stellte.

 Stefan Bachofen     22.03.2017

Bereits zwei Jahre nach Abschluss ihres Studiums trat Barbara Schaerer im Sommer 1983 in die Bundesverwaltung ein, als wissenschaftliche Adjunktin im Bundesamt für Justiz. Seither wirkte die promovierte Juristin in den verschiedensten Funktionen unter der Bundeshauskuppel. In der Privatwirtschaft war sie nie – anders als ihr Vater, der in Mexiko, wo die heute 61-Jährige ihre Kindheit verbracht hatte, für die Firma Wander AG tätig gewesen war.

Beamtenstatus abgeschafft

Etwas überspitzt formuliert könne man das Eidgenössische Personalamt als HR-Abteilung der Bundesverwaltung bezeichnen, sagte Moderator Christoph Vollenweider. Doch habe das zentrale Personalamt der Bundesverwaltung vor allem strategische Aufgaben, ergänzte Barbara Schaerer. «So entwickelt es Grundlagen und Instrumente zur Steuerung, Weiterentwicklung und Koordination des Personalwesens in der Bundesverwaltung. Und es stellt das Aus- und Weiterbildungsangebot für die Bundesangestellten sicher.» Seit 2002 spricht man im Zusammenhang mit den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung übrigens nicht mehr von Beamten, sondern von Angestellten im öffentlichen Dienst – dies nachdem das Schweizer Stimmvolk vor 17 Jahren an der Urne den Beamtenstatus auf Bundesebene abgeschafft hatte.

Viertgrösster Arbeitgeber

Die Bundesverwaltung ist nach den Detailhändlern Migros und Coop sowie der Post die viertgrösste Arbeitgeberin der Schweiz. Sie beschäftigt heute rund 37‘000 Personen, wobei der Anteil der Frauen in der Verwaltung vergleichsweise hoch ist. Der Personalaufwand des Bundes ist in der Vergangenheit Jahr für Jahr gestiegen. Zwischen 1995 und 2015 hat die Zahl der Staatsangestellten um 40 Prozent zugenommen. Allein beim Bund stiegen die Personalkosten bis heute auf rund 5,7 Milliarden Franken, bestätigte die EPA-Direktorin.

Mal abgesehen von spektakulären Freistellungen von Amtsdirektoren durch den zuständigen Bundesrat kommen Entlassungen in der Bundesverwaltung eher selten vor, konstatierte der Moderator, «auch wenn der finanzpolitische Druck auf die Bundesverwaltung gross ist und die Ausgaben im sogenannten Eigenbereich, zu dem auch die Personalkosten zählen, in den beiden nächsten Jahren um 240 bis 250 Millionen Franken tiefer ausfallen sollen als bisher geplant.» Nur wenige Tage vor dem Lilienberg Gespräch wurde zwar bekannt, dass das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) 57 seiner 1100 Vollzeitstellen abbaut, was in linken Kreisen und bei den Personalverbänden Empörung auslöste. Allerdings: Mehr als die Hälfte der Jobs werden in private Unternehmen ausgelagert, weshalb sich der Personalabbau im BIT finanziell möglicherweise gar nicht auswirkt, da der Bund das, was er an Lohnkosten einspart, nun einfach an die Privatfirmen bezahlt.

Ständige Vorwürfe: überdotiert und zu wenig kostenbewusst

Vor allem von bürgerlicher Seite taucht immer wieder der Vorwurf auf, dass der öffentliche Sektor im Allgemeinen (mit rund 563‘000 Stellen), und die Verwaltung im Speziellen (mit 37‘000 Stellen) aufgebläht sind. Der frühere Bundesrat Christoph Blocher sprach einst in seiner Funktion als Justizminister im Zusammenhang mit der Bundesverwaltung sogar von einer geschützten Werkstatt, die überdotiert sei und zu wenig kostenbewusst und realitätsbezogen handle, eine Aussage, gegen die sich Barbara Schaerer entschieden wehrt. Auch eine Verwaltung dürfe nur dann zusätzliche Mitarbeitende einstellen, wenn konkrete neue Aufgaben vorliegen, was zuletzt beispielsweise in den Bereichen Migration, Amtshilfe und Sicherheit der Fall gewesen ist. So gesehen sei das Wachstum in der Bundesverwaltung durchaus gerechtfertigt, so die oberste Personalchefin. 

Ein weiteres Thema, das der Moderator an diesem Anlass anschnitt, war der erst kürzlich auf Lilienberg von einem Referenten der Denkfabrik Avenir Suisse erhobene Vorwurf, dass die Verwaltungen – auf Bundesebene gleichermassen wie auf Kantons- und Gemeindeebene – in Bezug auf die Regulierungen gerne mit vorauseilendem Gehorsam arbeiten, dazu auch noch den so genannten «Swiss finish» hinlegen und das übergeordnete Regelwerk in allen Details den Schweizer Begebenheiten anpassen, «so dass wir in den Augen der Bürger schneller, gründlicher und strenger sind als die meisten EU-Staaten, wenn es um die Umsetzung von übergeordneten europäischen Vorschriften geht.» Barbara Schaerer bemerkte dazu, dass das Parlament dabei nicht ganz unschuldig sei, indem es jeweils den Grundstein für die Regulierungen selber legt.

149. Lilienberg Gespräch vom 16. März 2017 mit Dr. Barbara Schaerer, Direktorin des Eidgenössischen Personalamtes;  Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum.

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