Lilienberg Preis 2016 geht an Gründer von wirtschaftspolitischer Denkfabrik

Der Lilienberg Förderpreis 2016 in Höhe von CHF 10'000.-- geht an Dr. Alexander Barkawi. Als Gründer und Direktor des Council on Economic Policies veranschaulicht Barkawi die Zusammenhänge zwischen Nachhaltigkeit und Unternehmertum, und er betont die zentrale Rolle von Geld-, Handels- und Steuerpolitik für die Wirtschaftsordnung und damit für die langfristige Entwicklung der Schweiz. Er tat dies in den vergangenen Jahren auch an zwei Tagungen auf Lilienberg.

 Stefan Bachofen     16.03.2016

Seit ihrer Gründung vor 27 Jahren verleiht die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum in unregelmässigen Abständen Lilienberg Preise an beispielhafte unternehmerische Persönlichkeiten oder Institutionen. In feierlichem Rahmen erhielt Dr. Alexander Barkawi am 16. März den Förderpreis 2016 – als Verdienst für kreative Aufbauarbeit als Direktor der von ihm gegründeten und mitfinanzierten Organisation Council on Economic Policies (CEP). CEP ist ein wirtschaftspolitischer Think Tank für Nachhaltigkeit mit Fokus auf Fiskal-, Geld- und Handelspolitik. Barkawi ist der 31. Preisträger in der Geschichte von Lilienberg, wie Stiftungsratspräsident Dr. h.c. Walter Reist betonte.

Erlebnisse in Kairo als Inspiration

Stephan Illi, Mitglied des Lilienberg-Stiftungsrates, würdigte in seiner Laudatio das unternehmerische Wirken des 43-Jährigen. Alexander Barkawi, gebürtiger Deutscher, wohnte in seiner frühen Kindheit in Kairo, wo er auch die arabische Sprache lernte. «In Ägypten wurde er laufend mit Entwicklungen konfrontiert, die der Nachhaltigkeit teils diametral entgegenstehen», sagte Illi. Die Erlebnisse, die er während den elf Jahren in der heute 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole gemacht hatte, inspirierten Barkawi je länger je mehr, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Er zog in die Schweiz, studierte an der Universität St.Gallen (HSG) Ökonomie und promovierte an der HSG zum Thema «Social Change in Egypt in the 1990s».

Präsident der oikos-Stiftung…

Sein Engagement für die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in die Wirtschaftswissenschaften kam in einer ersten Phase in Barkawis Arbeit für oikos zum Tragen. Die 1987 in St.Gallen gegründete Studentenorganisation hat den Zweck, den Einbezug von Nachhaltigkeitsthemen in die wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Lehre zu fördern. 1998 internationalisierte Barkawi zusammen mit seinen Mitstreitern die Organisation oikos, deren Stiftungsratspräsident der frisch gekürte Lilienberg-Preisträger übrigens noch heute ist. Er weitete das Tätigkeitsfeld der Stiftung an weitere führende europäische Universitäten aus, so dass oikos fortan unter anderem auch in Köln, Prag, Stockholm und Wien wirkte. Heute umfasst oikos über 40 studentische Gruppen auf vier Kontinenten.

… Managing-Director bei SAM…

Ein anderer markanter Meilenstein in Barkawis beruflicher Laufbahn ist sein Engagement als Managing Director für das Indexgeschäft bei SAM (heute: Robecco SAM), dem ersten Vermögensverwalter mit exklusivem Fokus auf Nachhaltigkeits-Investments. In dieser Funktion leitete er während neun Berufsjahren den Dow-Jones-Sustainability-Index (DJSI). Das weltweite Marketing, Sales, Lizenzierung und die Medien- sowie die PR-Arbeit für die DJSI-Familie fielen in seinen Verantwortungsbereich. «Damit avancierte Barkawi zum weltweit marktgestaltenden Visionär für die Förderung nachhaltiger Finanzmarktentwicklung», hielt Illi fest. Unter Barkawis Leitung wurde das Indexangebot von SAM stetig ausgebaut und die auf Basis der Indizes verwalteten Vermögen von 1 Milliarde US Dollar auf über 8 Milliarden gesteigert.

Die Begeisterung für seine Tätigkeit bei SAM fand Alexander Barkawi dabei vor allem darin, dass mit den Dow Jones Sustainability Indexes eine Plattform etabliert wurde, welche die Bedeutung sozialer und ökologischer Verantwortung für langfristigen wirtschaftlichen Erfolg hervorhebt. Illi: «Nachhaltigkeit erfordert Unternehmertum, und langfristig erfolgreiches Unternehmertum setzt Nachhaltigkeit voraus. Klare und vorausschauende politische Rahmenbedingungen sind die Grundpfeiler dafür.»

 … und Gründer des CEP

Es war diese Überzeugung, die Dr. Barkawi dazu bewegte, nach der Internationalisierung von oikos und dem Aufbau der Dow Jones Sustainability Indexes, im Jahr 2012 eine weitere Organisation zu lancieren: Er gründete den nicht gewinnorientierten Council on Economic Policies (CEP). Der von ihm mitfinanzierte  wirtschaftspolitische Think Tank fokussiert schwerpunktmässig auf die Frage der ökonomischen Spielregeln – insbesondere auf die drei Bereiche der Geld-, Steuer- und Handelspolitik und deren Bedeutung für Nachhaltigkeit. Die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftspolitik und Nachhaltigkeit werden in Barkawis Augen zu wenig diskutiert und aufgezeigt. «Alexander Barkawi versteht Nachhaltigkeit stets in der Gesamtheit aller Dimensionen, sprich ökologisch, ökonomisch und sozial», so der Laudator Stephan Illi.

Ambitiöse Ziele gesetzt

Wie Illi betonte, würdigt die Stiftung Lilienberg Unternehmerforum das umfassende Wirken von Dr. Barkawi und dem CEP und zeichnet ihn deshalb mit dem Förderpreis 2016 aus. «Barkawi veranschaulicht die Zusammenhänge von Geld-, Handels- und Steuerpolitik auf der einen, und Unternehmertum und unternehmerischer Freiheit auf der anderen Seite. Er sorgt so massgeblich für eine nachhaltige Verbesserung der Wirtschaftsordnung der Schweiz.» 

Dr. Barkawi hat sich zusammen mit seinen Kollegen für CEP ambitiöse Ziele gesetzt – und in den wenigen Jahren seit Gründung der Organisation bereits beachtliche Meilensteine erreicht: Die Zusammenarbeit mit der Federal Reserve Bank of Atlanta und der Federal Reserve Bank of St. Louis zur Verteilungswirkung von Geldpolitik sowie die Kooperation mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen zur Rolle von Zentralbanken in Hinblick auf Nachhaltigkeit sind Beispiele dafür.

Heute beschäftigt das CEP mehrere Mitarbeiter und wird von anderen Stiftungen, darunter die Volkart Stiftung der Familie Reinhart und die AVINA Stiftung, mitgetragen. «Ohne das selbstlose Engagement von Dr. Barkawi würde es heute weder oikos in seiner internationalen Aufstellung noch den Council on Economic Policies geben», schloss Stephan Illi seine Laudatio.

Verleihung des Lilienberg-Förderpreises vom 16. März 2016 an Dr. Alexander Barkawi, Gründer und Direktor des Council on Economic Policies (CEP); Gastgeberin: Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Dr. h.c. Walter Reist, Präsident des Stiftungsrates; Laudatio: Stephan Illi, Mitglied des Stiftungsrates; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum.