Lernen, in der globalisierten Welt zu bestehen

Nachdem im Juni die Verantwortlichen der Schulen ihre Prioritäten zur Volksschule der Zukunft dargelegt hatten, kamen im August ein Berufsschüler, ein Student der Fachhochschule und eine Absolventin der Universität und Nachdiplomstudentin der ETH zu Wort. Pointiert brachten sie ihre Vorschläge zur Volksschule auf den Punkt. Die Elternvertreterin ergänzte und differenzierte die Aussagen in idealer Weise.

 Heinrich Wirth     20.08.2014

Die junge Generation begründete scharfsinnig, wo sie Defizite sieht und zeigte ein eindrückliches Mass an Reflexion und Professionalität. Ganz offensichtlich haben sie alle, so jung sie auch sind, in ihrer Bildungsbiografie schon viel gelernt. Sie sind - insbesondere was Auftrittskompetenz und Debattierfähigkeit betrifft – älteren Generationen teils um mehr als eine Nasenlänge voraus.

Förderung von Hochdeutsch hat hohe Priorität

ETH-Absolventin Fabienne Odermatt betonte, dass die Volksschule mehr erreichen muss als Kompetenzen in den Leistungsbereichen. «Die Volksschule muss Kindern auf ihrem Weg zu einem (eigen-) verantwortlichen, selbständigen Leben helfen, und sie muss soziale und emotionale Kompetenz fördern.» Inhaltlich sollte sich die Volksschule vor allem auf das Fach Deutsch konzentrieren, neben der Förderung in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) und spezifischer Förderung überfachlicher Kompetenzen.

Auch Philipp Lattmann, Student an der ZHAW, sieht Hochdeutsch als eines der wichtigsten Fächer. Dazu erachtet er die Entwicklung eines mathematischen Verständnisses und solide Englischkenntnisse als zentrale Aufgaben der Volkschule - besonders im Hinblick auf die globalisierte und dynamische Welt.

Für den 17-jährigen Berufsschüler Mattia Ferrari ist ebenfalls ein stärkerer Akzent auf Hochdeutsch nötig, aber auch auf Mathematik und Englisch. Ganz allgemein solle sich die Volkschule um essentielle Bildung kümmern, «dort, wo es drauf ankommt.» Dazu gehöre auch das, was er mit Gegenwartsgeschichte umschreibt, wo es um Orientierungswissen geht, um Hintergründe und Zusammenhänge von Konflikten, von Umweltproblemen und um Einblick in politische Zusammenhänge.

Eigene Stärken kennenlernen

Für Maya Mulle, Geschäftsführerin Elternbildung CH, ist es wichtig, dass die Volksschule einen Bildungserfolg anstrebt und nicht nur einen Schulerfolg. Dazu gehöre in erster Linie, dass Kinder und Jugendlichen lernen zu lernen. Wichtig sind Sprachen, vor allem Hochdeutsch, aber auch solide Grundlagen für Fremdsprachen, wobei eine erste Fremdsprache wirklich gut erlernt werden muss. Denn auf dieser Basis lassen sich später weitere Fremdsprachen aufbauen. Ebenso sind ihr auch die MINT-Fächer wichtig, wobei ein Erfolg jedoch nur gelinge, wenn die Schule konkrete Fragen der Schülerinnen und Schüler aufnimmt und so Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik als Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen fassbar werden.

Was die jungen Vorredner streiften, präzisierte Maya Mulle: Ohne Reformen – insbesondere eine intelligente Tagesschulstruktur und -kultur, - ist das Ziel nicht zu erreichen: «Schule muss die Schüler befähigen, in der Welt teilzunehmen und an ihr teilzuhaben.» Dass dazu auch gehört, dass die Schule den Schülern hilft, eigene Stärken kennen zu lernen, betonte Mattia Ferrari, «denn darin liege das Entwicklungspotenzial jedes Individuums.»

An der Veranstaltung mit den Vertretern der Schulen wurde im Juni von einem Teil der Referenten und Teilnehmer auch der Ruf nach «Back to Basics» laut. Diese Forderung schimmerte wohl auch am August-Kolloquium mit den Schülern und Studenten immer wieder durch, allerdings in einer Art, welche die klassische «Back to Basics - Bewegung»differenziert: Es brauche wieder eine Konzentration auf die für Berufsausbildung und Studium wichtigsten Grundlagenfächer, so der Tenor. Ebenso gelte es, Akzente vermehrt auf die Sozial- und Methodenkompetenzen zu setzen. Verlangt wird schliesslich ein tieferes Verständnis für die heutige Lebenswelt in der Globalisierung und Internationalisierung. Gerade für junge Leute ist dies nicht einfach nur ein leeres Schlagwort.

Zyklus  «Volksschule der Zukunft: Alle wissen es besser – gibt es trotzdem einen Konsens?»; Lilienberg Kolloquium vom 12. August 2014, «Was wollen Schüler, Auszubildende, Studenten an der Volksschule lernen und was sagen die Eltern dazu?», mit Mattia Ferrari, Schreinerlehrling, Lehrwerkstätte für Möbelschreiner, Philip Lattmann, School of Management, ZHAW, Fabienne Odermatt, ETH-Absolventin, Projektleiterin Schweizer Jugend forscht, und Maya Mulle, Geschäftsführerin Elternbildung CH; Moderation: Dr. Heinz Bachmann und Prof. Heinrich Wirth (Aktionsfeld Bildung & Sport); Zusammenfassung: Prof. Heinrich Wirth; Redaktion: Stefan Bachofen.

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