«Ich habe zuerst nicht gewusst, in wen ich mich verliebte»

136. Lilienberg Gespräch mit Björn Graf Bernadotte und Sandra Gräfin Bernadotte, Insel Mainau

Vieles klang wie aus einem Märchen, als Graf und Gräfin Bernadotte vom Schloss und ihrem Leben erzählten. Spätestens als sie aber vom Tourismus und dem Café «Vergissmeinnicht» sprachen, spürten die Besucher die harte Realität, mit der das Grafen-Paar konfrontiert ist. 

 Bruno Fuchs     14.09.2015

Ein Chauffeur fuhr Björn Graf Bernadotte und Sandra Gräfin Bernadotte in einer Audi-Luxus-Limousine auf den Lilienberg-Parkplatz. Dort stiegen sie aus und begaben sich ohne Begleitung in die Aula. Würde man sie nicht kennen, hätte man meinen können, dass sie zwei «gewöhnliche» Lilienberg Besucher und nicht Graf und Gräfin sind. Auch der berufliche Werdegang von Graf Björn und Gräfin Sandra hat wie ihre Ankunft auf dem Lilienberg nichts Spektakuläres.

Gräfin Sandra bildete sich zur Pharma-Assistentin aus, doch bald merkte sie, dass sie in ihrem Beruf nicht richtig glücklich wird. Es fehlte ihr der tiefere Kontakt zu den Menschen. Sie entschloss sich, an der Pädagogischen Hochschule in Rorschach Sozialpädagogik zu studieren und lernte dort Graf Björn kennen. «Ich habe zuerst nicht gewusst, in wen ich mich verliebte», antwortete sie Moderator Christoph Vollenweider, als dieser sie auf den märchenhaften Werdegang ansprach. 

Alles andere als ein Märchen ist das Leben der Menschen, mit denen sie in ihren Praktika arbeiteten. Meist waren es junge, verhaltensauffällige Menschen, die keinen richtigen Bezug zum Leben haben. Graf Björn sagte, es sei seinen Eltern wichtig gewesen, dass er sich einmal in ehrenamtlichen Bereichen engagiere.

Schloss Mainau zieht Tausende an

Heute ist Björn Graf Bernadotte Geschäftsführer der Mainau GmbH, die mit dem Schlossbetrieb eine Mischung aus Garten- und Tourismusbetrieb ist. Die Mainau müsse man immer wieder neu erfinden, ohne Bewährtes zu vernachlässigen, sagte Graf Björn zu den Herausforderungen der Betriebsführung. Früher seien Personen im Alter von über 75 Jahren im Car zur Mainau gekommen, und heute fahren 85-Jährige alleine mit dem Personenwagen zur Blumeninsel und verursachen Mehrverkehr. Für ihn ist wichtig, dass der Bodensee als Tourismusanbieter Lösungen in der Logistik sucht und preislich konkurrenzfähig bleibt.

Die Kosten spielen auch im Schlossbetrieb eine Rolle, denn die Mainau wird staatlich nicht subventioniert. «Wir erhalten keinen Cent. Das hat den Vorteil, dass wir unabhängig sind und unsere eigenen Preise machen können», so Graf Björn. Schloss Mainau verschlingt mit Renovationsarbeiten eine Menge Geld, und in Kreisen des Grafen sagt man bezüglich den hohen Unterhaltskosten: Wenn Gott jemanden strafen will, dann schenkt er ihm ein Schloss.

Verständnis, aber auch Kopf schütteln gegenüber Schweizern

Die Mainau sieht er in 30 Jahren als einen Ort der Ruhe. Das Leben werde immer hektischer, deshalb sei es wichtig, dass es für Menschen Orte der Erholung gibt. Ihm geht es darum, die Region am Bodensee zu stärken, und er denkt an den Schweizer Detailhandel, der mit dem starken Franken zu kämpfen hat. «Ich bedauere die Unternehmer in Kreuzlingen.» Er verstehe sie, wenn sie sagen, es bliebe ihnen nur der Staub und die Abgase, weil der Verkehr über die Grenze rollt. Graf Björn findet aber auch in anderer Hinsicht klare Worte: Er versteht die Bau- und Zonenordnung auf helvetischem Boden nicht, die Privatgrundstücke am Ufer des Bodensees erlaubt oder Bahnlinien entlang dem Bodensee zulässt. Bei seinen Ausführungen spürte der Zuhörer, dass das Herz des Grafen für beide Länder schlägt. 

Auch Gräfin Sandra hat ein grosszügiges Herz. Sie leitet den Verein «Gärtnern für Alle», der im Fachbereich «Pro Integration» förderbedürftige Jugendliche auf das Arbeitsleben vorbereitet. Diese finden im Café «Vergissmeinnicht» eine Beschäftigung. Die Sozialpädagogin gibt jungen Menschen Strukturen in ihrem Leben, lehrt sie «Danke» und «Bitte» zu sagen und vermittelt ihnen Regeln im Zusammenleben. In der Ausbildung spiele die konsequente Haltung den Lernenden gegenüber eine wichtige Rolle, sagte sie zu den Unternehmern. Wenn einer eine Regel nicht befolge, erhalte er drei Chancen. Nütze er diese nicht, müsse er mit Konsequenzen rechnen.

Mit ihrem Café und der «Grünen Schule», einer erlebnisorientierten Naturerziehung, die allen Kindern offen steht, leistet die Gräfin wertvolle pädagogische Arbeit. Man könne die Welt nicht verändern, doch sei es möglich, bei den Kindern und Jugendlichen ein Feuer zu entfache. Gräfin Sandra ist überzeugt: «Die jungen Menschen sind nicht faul. Sie wollen wie alle anderen lernen». Sie sieht sich in diesem Prozess mit den Jugendlichen als Vorgesetzte, beste Freundin, Mutter und Gräfin. Völlig unspektakulär. Und doch bewundernswert.

136. Lilienberg Gespräch vom 8. September 2015 mit Björn Graf Bernadotte und Sandra Gräfin Bernadotte, Insel Mainau; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Unternehmertum; Zusammenfassung: Bruno Fuchs.

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