Gehirn braucht Vorbilder

Der Austausch mit Vorbildern fördert die Entwicklung des menschlichen Gehirns

Regionalgruppe Fünfländerblick engagiert sich für eine bessere Interaktion der Menschen im unternehmerischen Kontext

Manager und Banker fälschen Bilanzen, damit sie hö­here Bonuszahlungen erhalten. Wirtschaftskapitäne stellen sich nicht ihrer Verantwortung und verlassen als erste das sinkende Schiff, und Filmproduzenten missbrauchen ihre Macht. An diese oder ähnliche Schlagzeilen haben wir uns längst gewöhnt. Die Liste des Fehlverhaltens der sogenannten gesellschaftlichen Elite liesse sich beliebig fortsetzen. Die Frage, ob es überhaupt noch Menschen gibt, die bereit sind, öffentlich als Vorbild Verantwortung zu übernehmen, ist also mehr als berechtigt. Für die Lilienberg Regionalgruppe Fünfländerblick steht fest: Vorbilder sind vor allem für die Entwicklung des menschlichen Gehirns von zentraler Bedeutung.

 Yvette-Marina Reinberger     23.11.2017

Kleine Kinder versuchen mittels Identifikation mit ihren El­tern innerpsychische Konflikte, beispielsweise die Frage, was richtig oder falsch ist, zu lösen. Sie versetzen sich quasi in die Rolle der Bezugsperson. Dafür braucht es Empathie. Erst später, wenn Heranwachsende ihre eigenen Verhal­tensweisen reflektieren können, wird das Verhalten der Bezugspersonen kritisch hinterfragt. An die Stelle der Eltern treten dann alternative Vorbilder. Die Identifikation mit diesen «Jugend-Idolen» läuft meistens unterbewusst ab. Eigenschaften werden nicht eins zu eins übernommen, sondern situationsabhängig «aufgerufen» - je nach dem, was gerade angesagt ist. Die Wahl eines oder mehrerer Vorbilder hängt in dieser Phase sehr eng mit dem sozialen Umfeld des Jugendli­chen zusammen.

Kleine Zellen – grosse Gefühle: die Spiegelneuronen

Ob wir einen Menschen sympathisch finden und als Vorbild sehen oder uns gar in ihn verlieben - das entscheidet sich in Bruchteilen von Sekunden. Es sind unbewusste Erfahrungen, die schneller als der Verstand Empfindungen auslösen. Oft reicht bereits ein Gedanke, ein kurzer Moment einer beliebigen Sinneswahrnehmung, und wir erkennen die Lösung für ein langjähriges Problem. Der äussere Reiz ist dabei nur der Auslöser für ein inneres Bild. Wir empfinden solche genialen Momente als Gedankenblitz, als Bauchgefühl oder inneres Wissen.

Woher sie kommen, wissen wir nicht. Wenn wir dann gefragt werden, weshalb wir unsere Entscheidung so und nicht anders getroffen haben, sagen wir, dass es Intuition war. Eine Mutter spürt ohne nachzudenken, wenn ihr Baby Kummer hat. Das Kind wiederum «liest» im Gesicht seiner Mutter jedes Gefühl ab und reagiert darauf unbewusst. Es spiegelt das Verhalten der Mutter und daraus entwickelt sich bereits ein Teil seiner Persönlichkeit.

Professor Joachim Bauer erklärt dieses Phänomen wie folgt: «Intuition ist eine biologische Resonanz, die in uns entsteht, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken und ohne dass wir das kontrollieren können. Wir haben Spiegelnervenzellen, die in uns eine Intuition auslösen.»

Gehirnentwicklung durch gelingende Beziehungen – das Social Brain

Thomas Fuchs, der angesehene Medizinprofessor und Neurowissenschaftler am Lehrstuhl für Psychiatrie und Philosophie von der Universität Heidelberg, sagt: «Das Gehirn ist der Mediator, der uns den Zugang zur Welt ermöglicht, der Transformator, der Wahrnehmungen und Bewegungen miteinander verknüpft.» Zentral sei «nicht nur der Austausch mit seiner natürlichen Umwelt, sondern vor allem die Interaktion mit anderen Menschen, mit Vorbildern.»

Sich dieser Verantwortung bewusst wird die Lilienberg Fünfländerblick-Gruppe auch im 2018 mit dem U_Wert-Anlass im Bereich Bildung. Der Regionalgruppe ist es ein Anliegen, die Interaktion mit verschiedenen Menschen, im unternehmerischen Kontext, und damit die Entwicklung des Gehirns durch gelingende Beziehungen mit Vorbildern weiterhin aktiv zu fördern.

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