«Den Erfolg muss man sich hart erarbeiten»

155. Lilienberg Gespräch mit Kurt Baumgartner, Inhaber und Gastgeber Belvédère Hotels Scuol

Kurt Baumgartner weiss, was es für eine optimale Erholung braucht. Seine Hotelgruppe liegt an schönster Lage im Scuol. Der Hotelier kommt ohne Mäzen aus und investierte rund 50 Millionen Franken in sein Unternehmen. Von seinem Wesen her bleibt er auf dem Boden und hat generell Freude an Menschen. Auf Lilienberg sagte er, was ihn so erfolgreich machte.

 Bruno Fuchs     19.09.2017

Vor dem Lilienberg Gespräch zeigte Moderator Christoph Vollenweider seinem Gast Kurt Baumgartner den Lilienberg mit den verschiedenen Skulpturen und dem Springbrunnen mitten auf dem kräftigen Rasen. Baumgartner bewunderte die Bauten und den Blick auf den Untersee und sagte später: «Ich bin beeindruckt von dieser Gegend. Nicht nur das Unterengadin ist schön, die Lilienberg-Anlage und die Umgebung sind es ebenfalls.» Seine  Worte zählen umso mehr, denn Baumgartner kennt sich mit Orten aus, an denen sich Menschen wohl fühlen können: Er ist Inhaber und Gastgeber der Belvédère Hotels in Scuol im Unterengadin.

Baumgartner baute ab 1999 die Hotelgruppe Belvédère Hotels Scuol mit den Häusern Belvédère, Belvair und Guarda Val, die er als Gastgeber und Besitzer erfolgreich führt. Jeden Franken, den er verdiente, investierte er in die Ausstattung der Hotels und zog beispielsweise eine 200 Meter lange Passerelle vom Hotel Belvédère zum Thermalbad Bogn Engiadina. Er baute auch Ferienwohnungen und Wohnhäuser für seine Mitarbeitenden. «Erfolg muss man sich erarbeiten», sagte er, fügte aber zugleich an: «Ich war wohl auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Mit dieser Aussage zu seinem Erfolg dachte Baumgartner etwa ans Thermalbad, das kurz bevor er das Hotel Belvédère übernahm, gebaut worden war. Er erwähnte auch den Vereina-Tunnel, der die Reise der Touristen ins Unterengadin massiv verkürzt. Er investierte geschickt ins Marketing, nannte aber auch Glück und Gesundheit, die für den Erfolg nötig sind. Kurt Baumgartner arbeitete 15 Jahre lang ohne längere Ferien zu machen und ohne Unterbruch.

Freud und Leid mit Stammgästen

Ein Ferienhotel komme nicht an Stammgästen vorbei, sagte Baumgartner. Diese Tatsache ist an ein Problem gekoppelt: Die Loyalität der Gäste nimmt ab. Diese wollen flexibel buchen und stornieren ihre Hotelbuchung nicht selten im letzten Moment – meist bei regnerischem Wetter – mit kuriosen Begründungen. Stammgäste seien auch kritisch und hätten Ansprüche an Haus und Personal. Einmal verlangte ein Gast an der Rezeption den Hotelier, es sei dringend, meinte er. Baumgartner unterbrach sofort eine Sitzung, denn der Gast hatte all die Jahre für ansehnliche Summen Übernachtungen gebucht. Als Baumgartner beim Gast war, wollte dieser wissen, was er ihm heute als Tagesausflug empfehlen könne. Der Hotelier nahm sich für ihn Zeit, so wie er das auch bei all seinen übrigen rund 40'000 Stammgästen gerne tut.

Stammgästen kommen an den gleichen Ort zurück, weil ihnen die Region gefällt. Obwohl sich die Preise für Zweitwohnungen in Scuol verdreifacht haben, neigen Stammgäste dazu, nach Jahren eine Ferienwohnung zu kaufen und kehren dem Hotel den Rücken zu. Hotels kämpfen in Bergregionen auch mit Tagestouristen, die keine Übernachtung buchen und sich mit einer Mahlzeit begnügen. So bleiben auch Gäste aus den USA oder China aus, weil für sie Zürich von der Distanz her mitten im Skigebiet liegt und sie von Zürich aus einen Tagesausflug in die eigentlichen Skigebiete wie das Engadin machen.

Die Gäste setzen sich zu 85 Prozent aus Schweizern, 10 Prozent aus Deutschen und 5 Prozent aus internationalen Gästen zusammen. Der Kanton Graubünden wünscht sich gemäss Baumgartner mehr Asiaten – doch der Hotelier runzelte die Stirn: «Bringen Sie Schweizer und Asiaten in den gleichen Ess-Saal.»

Reaktion auf den Misserfolg

Obwohl Kurt Baumgartner Erfolg an Erfolg reiht und 2010 zum «Bündner des Jahres» gekürt worden war, musste er auch Niederlagen einstecken. Auf die Frage eines Zuhörers, was sein grösster beruflicher Misserfolg war, antwortete er: «Vor sechs Jahren wollte ich in Scuol ein Jugendhotel bauen und unterlag an der Gemeindeabstimmung mit 49,8 Prozent Ja-Stimmen.» Er habe die Welt nicht verstanden, denn beim Bau des Hotels habe er einheimische Handwerker berücksichtigen wollen. Seine Reaktion auf die Pleite: Er will in Pontresina bauen – nur warten dort 27 Einsprachen. Jetzt holte der Unternehmer und Hotelier verbal aus und meinte, Bauen sei in der Schweiz beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. «Zum Glück habe ich eine Frau, die 150 Prozent hinter mir steht», sagte er augenzwinkernd.

Ein Jugendhotel hätte er gerne gebaut, um all die jungen Leute in die Berge zu bringen, die heute für 70 Franken lieber übers Wochenende einen Flug nach Berlin buchen oder nach Dublin fliegen, um dort einen Kaffee zu trinken, damit sie ihre nötigen Flugmeilen erreichen. Im Fokus liegen bei Baumgartner auch die Babyboomer, die in Rente gehen. Diese möchte er wieder auf die Skier bringen.

Man könnte Kurt Baumgartner lange zuhören, er spricht erfrischend, hat innovative Ideen und grosse Sachkenntnisse. Es verwunderte nicht, als er auf die obligate Frage zu den Visionen 2050 sagte: «Die Schweiz war immer ein teures Land. Das „Belvédère“ hat viel durchgemacht und wird viel durchmachen. Doch ich glaube an eine positive Zukunft. Das Engadin ist zu schön, als dass man es nicht mehr besuchen würde.»

155. Lilienberg Gespräch vom 12. September 2017 mit Kurt Baumgartner, Inhaber und Gastgeber Belvédère Hotels Scuol, «Hotelkönig des Unterengadins»; Moderation: Christoph Vollenweider, Leiter Programm und Publikationen; Zusammenfassung: Bruno Fuchs.

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