Stern am Flötenhimmel

Daniela Koch – der strahlende Stern am Flötenhimmel

Flötenkunst eines aussergewöhnlichen Talents genossen rund 120 Lilienberg Freunde anfangs März am Frühlingsrezital. Daniela Koch machte ihrem Ruf als leuchtender Stern am Flötenhimmel alle Ehre. Die Tirolerin gilt als eine der weltbesten Künstlerinnen ihres Fachs. Klavierpartner Martin Klett aus Deutschland begeisterte mit gleichermassen kraftvollem wie einfühlsamem Spiel.

 Stefan Bachofen     08.03.2017

Flötisten haben es grundsätzlich nicht einfach. Während Pianisten und Geiger auf ein schier unerschöpfliches Repertoire hervorragender Literatur aus allen Epochen zurückgreifen können, sind die Kompositionen für Flöte eher rar gesät. Daniela Koch und Martin Klett eröffneten das Rezital vom 7. März mit einer Sonate, die Wolfgang Amadeus Mozart mit 21 Jahren in Mannheim als Sonate für Klavier und Violine in G-Dur geschrieben hatte. Die Tiroler Flötistin transkribierte das Werk für Flöte und Klavier. Zart setzte sie in ihrem Spiel ein Vibrato ein, der Ton sass körperreich und doch schwerelos auf dem Atem. Das Publikum spürte es von der ersten Minute an: Daniela Koch beherrscht ihr Instrument virtuos.  

Reineckes «Undine»: Highlight des romantischen Flöten-Repertoires

Auf Mozart folgte als Konzert-Höhepunkt eines der bekanntesten Werke aus dem romantischen Flöten-Repertoire, die Sonate «Undine» von Carl Reinecke, die den jungfräulichen Wassergeist Undine zu konzertantem Leben erweckt.  Die Zuschauer hörten in der Flöte ruhig dahingleitende Melodielinien, umsprudelt von leichtfingrigen Klangpartien im Klavier. Beeindruckend schildert die Sonate das ursprüngliche Leben der Nixen im Wasser; dann werden als Kontrast die erwachenden Gefühle der Liebe zelebriert – bishin zum dramatischen Finale, bei dem alles durcheinander zu geraten scheint. Lebensecht gestalteten die beiden Künstler diese tragische Geschichte ohne Happy End.

Den musikalischen Abschluss machte die vom französischen Flötisten und Komponisten François Borne kreierte klangvolle Interpretation der Erfolgsoper Carmen. Borne interessierte sich als Tüftler auch stark für die Weiterentwicklung der Flötentechnik, und man vermutet, so Moderatorin Eva Oertle, dass er einen wichtigen Beitrag zur Verfeinerung der so genannten Klappenmechanik leistete, was den Flötisten fortan eine deutlich virtuosere Spieltechnik ermöglichte als dies bisher der Fall gewesen war. Mit brillanter Flötenklangpracht variierte Borne in seiner «Fantaisie brillante sur des airs de Carmen», die er für einen Wettbewerb am Pariser Konservatorium komponiert hat, geschmackvoll drei Opernthemen und liefert damit das Portrait einer leidenschaftlichen wie humorvollen Carmen. Daniela Koch, die Carmen an der Flöte, begeisterte in diesem Schaustück für Virtuosen mit atemberaubend artikulierten Figuren und durch ein makelloses Zusammenspiel mit ihrem Klavierpartner.

Klangvielfalt und grosse Spannungsbögen

Das Fazit des Konzertabends: Die Klangvielfalt und der reine Ton, den Daniela Koch ihrer Querflöte entlockte, waren beeindruckend – mal weich und verträumt, dann wieder zupackend und strahlend, ja zeitweise fast spitz. Gepaart wurde diese technische Perfektion durch grosse Spannungsbögen, ein breites dynamisches Spektrum – von Tönen an der Grenze der Hörbarkeit bis hin zu sehr lauten Passagen. Auch die Virtuosität der Flötistin, selbst in Stellen mit atemberaubender Höhe, liess die Zuhörer immer wieder staunen. Daniela Koch und Martin Klett gelang es, das Publikum von ihrem Enthusiasmus für die Musik anzustecken, auch ganz zum Schluss, als sie als Zugabe die Aria des ungarischen Komponisten und Pianisten Ernst von Dohnányi spielten. Gastgeber Daniel Anderes brachte es bei der Verabschiedung des Publikums auf den Punkt: «Musik ist Nahrung für die Seele – nun dürfen Sie den Saal gut genährt wieder verlassen!» Wie recht er doch hatte: Das Rezital war schlicht ein Hörgenuss – von A bis Z!

Lilienberg Rezital vom 7. März 2017 mit Daniela Koch (Flöte) und Martin Klett (Klavier); Gastgeberin: Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, vertreten durch Daniel Anderes, Leiter Unternehmerforum; Moderation: Eva Oertle Zippelius.

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