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Emotionalisierung des Abstimmungskampfes politisiert junge Bürger

Publiziert am 5.7.2016
Emotionalisierung des Abstimmungskampfes politisiert junge Bürger

Ein Fazit des ersten Kolloquiums des Zyklus «Demokratie mit neuen Medien» lautet: Politische Meinungsbildung ist noch immer auf die traditionellen Medien angewiesen, die neuen Medien holen aber mächtig auf.

Zurzeit wächst eine Generation auf, die sich fast ausschliesslich mit den neuen elektronischen Medien informiert. Wie beeinflusst dies die Meinungsbildung der Stimmbürger, und ist Demokratie ohne klassische Medien überhaupt denkbar? Verschiedene Referenten analysierten auf Lilienberg den Meinungsbildungsprozess und den Einsatz der neuen, gemeint sind damit die sozialen Medien.

Die Logik der traditionellen Medien bestand darin, dass Fernsehen, Radio und Zeitungen die vorherrschende Meinung bildeten und dabei versuchten, einen ausgewogenen Standpunkt einzunehmen. Die vorherrschende Kommunikationsrichtung war von oben nach unten. Die sozialen Medien stellen dem nun ihre eigene Logik entgegen, indem sie mit ihren zahlreichen Kanälen über verschiedene Endgeräte den Mainstream bilden. Dabei treten sehr viele Akteure in Erscheinung, die ereignisbezogen und parteiisch kommunizieren. Die Richtung der Kommunikation ist umgedreht – von unten nach oben: Das Stimmvolk beeinflusst die Meinungsbildung direkt, wobei sich situativ neue Meinungsführer herausbilden können.

Die Emotionalisierung eines Abstimmungskampfes nimmt deutlich zu. Meinungsforscher Lukas Golder von gfs.bern sagte dazu: «Emotionalisierung kann durchaus auch positiv gesehen werden, denn sie führt dazu, dass sich Junge wieder mehr für die Politik interessieren.» Und dass dies durchaus der Fall sein kann, zeigt das Beispiel der Abstimmungskampagne zur Durchsetzungsinitiative der SVP.  

Dazu beigetragen hatte sicherlich auch die politische Bewegung «Operation Libero», deren Co-Präsidentin Flavia Kleiner (im Bild beim Interview nach dem gewonnenen Abstimmungskampf gegen die SVP) auf Lilienberg darlegte, wie es ihr und ihren Mitstreitern gelang, den Initianten die Meinungsführerschaft zu entreissen und die anfängliche Zustimmung zur Initiative ins Gegenteil zu kehren. Kleiner sieht im Internet die Chance eines neuen «Raums der Demokratie». Durch ihre Arbeit bei «Operation Libero» sieht sie sich darin bestätigt, dass es möglich ist, einen vertieften Dialog über politische Themen zu führen und Menschen für eine Sache zu mobilisieren. 

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