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Der oberste Reformierte stellt hohe Ansprüche an sich selbst und an die Kirche

Publiziert am 6.6.2017
Der oberste Reformierte stellt hohe Ansprüche an sich selbst und an die Kirche

«Ich zeichne mich als protestantischer Geistlicher aus.» Gottfried Locher (rechts, zusammen mit Moderator Christoph Vollenweider) versteht sich «nicht als Präsident des Schweizerischen Evangelischen undsoweiter», sondern als Oberhaupt der Reformierten der Schweiz. Ohne Scheu nimmt er für sich den Begriff «Bischof» in den Mund, was für Reformierte fremd klingen mag. Locher stellt klar, dass es ihm nicht um ein monarchisch-pompös angehauchtes Bischofsamt gehe. Im Unterschied zur katholischen Tradition gibt es für die Reformierten weder ein obrigkeitlich noch ein demokratisch verordnetes Glaubensbekenntnis. Die Strukturen der Kirche sind demokratisch.

Locher ist es aber wichtig, mit den Katholiken, von deren Kirche sich die reformierte Kirche (erst!) vor 500 Jahren getrennt hat, im Gespräch zu bleiben. Die Stimme des Christentums und der Christen in Europa können nur geeint gehört werden. Er denke nicht, dass sich die reformierte und die katholische Kirche einst wieder vereinen würden – aber sie sollen im Gespräch bleiben und gemeinsame Interessen auch gemeinsam vertreten. 

Die Reformation vor 500 Jahren sei deshalb möglich gewesen, weil es mutige Menschen gab, welche die Themen, die in der Luft lagen, aufgenommen, darüber nachgedacht, sich in der Schrift kundig gemacht und konsequent gehandelt haben. Reformation in diesem Sinne sei immer (noch) möglich – und notwendig.

Die christlichen Kirchen befinden sich in einem «religiösen Markt», wie Locher es nannte. Und, um in einem Markt zu bestehen, müsse man in erster Linie gut arbeiten und sich erlauben, den Leerraum, den die Kirche bietet, mit theologisch Fundiertem zu füllen. 

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